Baumgartner UNO-Beobachter?

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Mike Todd: "Wir hatten einen Schutzengel"

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Stratosphären-Springer Felix Baumgartner ist am Freitag in seine "alte" Heimat Salzburg zurückgekehrt.

Der 43-jährige Extremsportler wurde nach der Landung am Salzburger Flughafen im "Hangar-7" mit heftigem Applaus empfangen.

Dort sprach er in der Live-Talkshow von Servus TV zum Thema "Red Bull Stratos - Die Erfolgsstory" mit den Mitgliedern des Stratos-Teams über die bewegendsten Momente und wissenschaftlichen Erkenntnisse seines Rekordsprungs aus 39.045 Meter Höhe am 14. Oktober.

Er hat als erster Mensch im freien Fall die Schallgeschwindigkeit durchbrochen.

Baumgartner als UNO-Beobachter?

Sichtlich entspannt und glücklich betrat Baumgartner im grauen Sakko, in Jeans und Sportschuhen den "Hangar-7".

"Ah, der Herr Bürgermeister ist auch da", freute sich der Salzburger, dann gab er sein erstes Statement ab: "Erstens bin ich froh, dass das Ganze glücklich geendet hat."

In den vergangenen zwei Wochen sei an allen Ecken und Enden viel über das Stratos-Projekt gesprochen worden. Jetzt freue er sich, hier in Salzburg zu sein, und "dass viele Freunde und Bekannte da sind".

In New York habe UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon zu ihm gesagt, er hätte ihn gerne als UNO-Beobachter, um die Jugend zu inspirieren.

"Das ist eine Riesen-Ehre. Wenn ich das machen kann, bin ich stolz. Ich freue mich auf diese Aufgabe", betonte der Extremsportler.

"Moral, Fleiß und Disziplin werden belohnt"

Im Laufe der Sendung schilderten die Mitglieder des Stratos-Teams ihre Eindrücke und Gefühle während der spektakulären Mission.

"Felix war vorher schon relaxed, er war auch nach dem Sprung absolut locker", erzählte Mike Todd, Techniker für lebenserhaltende Maßnahmen.

Doch so locker sei er nicht gewesen, entgegnete Baumgartner.

"Nach fünf Jahren Vorbereitungszeit raus auf die Bühne und die ganze Welt sieht zu. Du darfst dir keinen Fehler erlauben. Die ungeheure Disziplin, nicht krank zu werden, ist Kräfte raubend."

Bis die Kapsel aufgestiegen sei, habe er schon viel Energie gebraucht, dann traten noch Probleme mit der Visierheizung auf, "und das Ganze war live im Fernsehen".

Die ganze Welt habe am 14. Oktober gesehen, dass "Moral, Disziplin und Fleiß belohnt worden ist".

"Hatten einen Schutzengel"

Die Probleme mit der Visierheizung wurden dann noch einmal zum Thema.

Todd meinte, ohne den kleinen "Strohhalm", den Baumgartner in Händen hielt, um Sauerstoff auf das Visier zu blasen, hätte er es nicht geschafft.

"Felix hat unsere Empfehlungen umgesetzt - wir hatten in diesem Moment große Angst, und er sprang. Wir hatten einen Schutzengel", sagte Baumgartners Mentor Joe Kittinger.

Der Sprung selbst sei extrem gefährlich gewesen, gab Todd zu bedenken. "Als er bereit war zu springen, wussten wir, dass er das zu Ende bringt."

"Gerade noch ausgegangen"

Der Salzburger selbst hatte das "Trudeln", in das er nach dem Absprung aus der Kapsel geraten war, als extrem empfunden - er zählte 22 Umdrehungen.

"Das war sehr anstrengend für den Körper und schwierig zu meistern."

Mit Kittinger geriet er während des freien Falles in Streit, weil dieser ihn zum Reden aufgefordert hatte.

"Du fliegst mit 1.350 km/h (1.342,8 km/h, Anm.) in Richtung Erde und musst noch erzählen wie es dir geht."

Baumgartner erzählte, dass sein Visier langsam begann, sich zu beschlagen. "Ich habe bei 5.200 Fuß die Reißleine gezogen. Es ist sich gerade noch ausgegangen."

Dazu Kittinger anerkennend: "Niemand außer Felix hätte den Sprung machen können - er hat alle Probleme gelöst, ich hätte es nicht besser gekonnt."

Wissenschaftliche Bedeutung betont

Einen Seitenhieb bekam der Physiker Werner Gruber ab, der sich kritisch zu dem Stratos-Projekt geäußert und den wissenschaftlichen Nutzen infrage gestellt hatte.

Gruber sei im ORF eher als Komiker eingesetzt worden, bedauerte Baumgartner.

In der Talk-Show von Servus TV war man bemüht, die wissenschaftliche Bedeutung der Mission hervorzuheben. Baumgartner habe gezeigt, dass man mit dem Körper die Schallmauer durchbrechen und das überleben kann, sagte der medizinische Leiter des Stratos-Teams, Jonathan Clark.

Vier verschiedene Teams an vier verschiedenen Stellen hätten den Überschall-Knall gehört, als Baumgartner aus der Schallmauer herausgekommen sei. "Niemand hat erwartet, das zu hören."

Mission im Dienste der Wissenschaft

Betont wurde auch in der Livesendung, dass das Stratos-Projekt dazu beitrage, durch neue, beweglichere Raumanzüge und Pläne für Notausstiege die Raumfahrt sicherer zu machen, ebenso das Fallschirmspringen.

Die Zukunft werde zeigen, dass es nicht nur eine Vision der Rekorde, sondern eine Vision im Dienste der Wissenschaft war, sagte Skydiving-Berater Luke Aikins.

Professor Ulrich Walter, Raumfahrttechniker an der TU München, bezeichnete das Projekt als "wichtigen Mosaikstein".

"Wir können jetzt bessere Druckanzüge im Weltraum benutzen."

50 Millionen "absolut übertrieben"

Ausgeräumt wurde in der Show auch mit dem Gerücht, wonach die Gesamtkosten der "Red Bull Stratos Mission" 50 Millionen Euro betragen hätten.

"Das ist absolut übertrieben", konstatierte der technische Leiter Art Thompson.

Und dass der erfolgreiche Sprung ausgerechnet zur Prime Time im TV erfolgte, sei genauso ein Zufall gewesen wie die Tatsache, dass am Tag genau 65 Jahre zuvor der Pilot Chuck Yeager mit einem experimentellen Raketenflugzeug als erster Mensch überhaupt Überschallgeschwindigkeit erreicht hatte.

Baumgartner lüftet Geheimnis

Baumgartner hat den Sprung ohne körperliche Folgen überstanden. In den nächsten Wochen werden noch Projektdaten ausgearbeitet.

Der Salzburger erzählte in der Show, dass seine Mutter der erste Sponsor in seinem Leben war. Sie steckte ihm für das Fallschirmspringen Geld von seinem Vater zu - "heute ist das Geheimnis gelüftet".

Sein größtes Problem beim Stratos-Projekt war, sein Leben in die Hände anderer zu legen, schilderte Baumgartner.

Österreichs Image aufpoliert

"Ohne mein Team hätte ich es nicht geschafft." Für ihn sei die Mondlandung immer noch die Benchmark weltweit - "das ist für mich eine ganz andere Liga".

Mit dem Stratos-Projekt sei das Image Österreichs angehoben worden, sagte Baumgartner gegen Schluss der Sendung. Mit dem Projekt habe man mehr getan als Österreichs Politiker in zehn Jahren.

Der Salzburger hat mit seinem Sprung aus der Stratosphäre als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer durchbrochen und zwei weitere Rekorde aufgestellt: Für den höchsten Fallschirmsprung und für die höchste bemannte Ballonfahrt.

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