"Nach wenigen Kilometern war mein Shirt durchnässt"

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3. Tagebucheintrag, 22.01.2012: Route of Fire

Am Sonntag fiel der Startschuss zur Route of Fire – 220 Kilometer in sechs Tagen durch den Dschungel Costa Ricas. Schon bei der ersten Etappe wurde klar, dass dieser Ultramarathon eine brandheiße Angelegenheit ist und seinen Namen absolut verdient hat.

Nach einer dreistündigen Busfahrt ging es heute endlich los. In einem kleinen Ort namens „La Fortuna“ – hoffentlich ein gutes Omen für mein Glück – bin ich mit rund 50 anderen Athleten in dieses große Abenteuer gestartet. Je  näher wir der Westküste kommen, desto heißer und feuchter wird das Wetter. Die Temperaturen betragen hier über 30°C, bereits nach wenigen Kilometern war mein Shirt durchnässt.

Gleich zu Beginn ging es steil nach oben auf den Cerro Chato – einem sehr alten Vulkan mit einem türkisgrünen See in seinem Krater –, über riesige  Wurzeln hinein in den dichten Urwald. Die Nässe macht den Untergrund sehr  rutschig, so musste ich teilweise auf allen Vieren meinen Weg durch den Dschungel in Angriff nehmen. Das alles immer im Angesicht des mächtig über  uns thronenden „Arenal“, einer der aktivsten Vulkane in diesem Teil der Welt.

Einige Athleten sind gleich richtig losgestürmt, mussten aber dem hohen Tempo Tribut zollen. Ich selbst hatte auch Probleme mit der Hitze. Hoher Puls und pochende Kopfschmerzen haben mich gezwungen mein Tempo zu  reduzieren. Anstatt des Stirnbandes werde ich ab sofort mit der Kappe laufen – ein Fehler der mir nicht mehr passieren wird. So bin ich besser gegen diese intensive Sonneneinstrahlung geschützt, die bereits nach kurzer Zeit zu einem Sonnenbrand führt.

Nach knapp drei Stunden, knapp 23 Kilometer und über 1.300 Höhenmeter habe ich als Fünfter das Ziel erreicht. Mal sehen ob die Führenden morgen ihr Tempo halten können. Mit gefährlichen Tieren habe ich bisher keine  Bekanntschaft gemacht. Wohl auch deshalb, weil ich mich voll auf die  rutschigen Bergauf- und Bergabpassagen konzentrieren musste. Jeder Schritt kann das Aus bedeuten, ein zu hohes Tempo die Konzentration  beeinträchtigen. Vor uns liegen jetzt noch 200 Kilometer, da heißt es fokussiert und schlau unterwegs zu sein. Morgen warten auf uns fast 63
Kilometer und unglaubliche 4.200 Höhenmeter. Eine sehr anspruchsvolle Herausforderung in dieser Hitze und dem schwierigen Terrain. Deshalb werden auch schon die ersten Ausfälle erwartet.

RUN ON

Christian Schiester

1. Chris Barth CAN 2:26:07
2. Damon Goerke AUS 2:27:15
3. Roiny Villegas CRC 2:30:39
4. Keri Nelson USA 2:51:47
5. Christian Schiester AUT 2:54:15
6. Steve Bremner USA 2:58:43
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