Irrsinn, Leichtsinn, Stumpfsinn

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Kotzender Chinese und sonstiger Wahnsinn

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Was wäre der Red Bull Dolomitenmann (7. bis 9. September) ohne die Grissmanns? Ganz einfach: Es gäbe ihn nicht.

1987 initiierte der einstige Abfahrts-Paradiesvogel und Wuchtel-Akrobat Werner den Team-Bewerb in Lienz, der sich aus Berglauf, Paragleiten, Wildwasser-Kajak und Mountainbike zusammensetzt.

Heute – 25 Jahre später – hat sich die Organisation zwar alleine schon aufgrund der anwachsenden Größe verändert, doch die Fäden laufen nach wie vor im Hause Grissmann zusammen. „Wir haben ein knapp 20-köpfiges Kern-Team, das in den jeweiligen Bereichen hervorragende Arbeit verrichtet“, erklärt Mitorganisator und Sohnemann Niki Grissmann, der gemeinsam mit seiner Mutter Sandra, dem Vater, der nach wie vor das Gesicht des Bewerbs ist, den Rücken freihält.

Üppige "Schmankerl-Küche"

Bei 25 Jahren Dolomitenmann – einem Bewerb, der vor Gefahren und extremen Typen nur so strotzt – versteht es sich von selbst, dass sich über die Zeit die eine oder andere Anekdote anhäuft.

Und niemand kennt diese besser als eben die Grissmanns. Zum Jubiläum deshalb ein kleiner Auszug aus der "Schmankerl-Küche":

Notlandung auf dem Balkon

Die vielleicht spektakulärste Szene lieferte 2010 ein Linzer Paragleiter. Der Oberösterreicher landete rund 100 m vom eigentlichen Ziel entfernt, was an und für sich nicht schlimm wäre.

Allerdings handelte es sich bei seinem Alternativ-Landeplatz um einen Balkon eines Hauses in Leisach. Dabei hatte er mehr Glück als Verstand. „Der Schirm hat sich beim Dach verfangen und er ist durch die Gott sei Dank offene Balkon-Tür reingeschwungen“, schildert Werner.

Zu allem Überfluss wollte gerade eine Schwangere dort ihre Wäsche aufhängen. Die Frau kam mit heiler Fruchtblase und dem Schrecken davon. Wie auch der Bruchpilot.

„Wenn er vier Meter weiter links reinkommt, wäre er voll gegen die Mauer geknallt. So ist er aber unten zur Tür rausgekommen als wär nichts gewesen. Nachdem er an seinen Kanuten übergeben hat, ist er in den nächsten Baumarkt und hat der Frau einen neuen Wäscheständer gekauft, da er ihren alten bei der Landung vollkommen ramponiert hat.“

Der besagte Linzer sorgte aber auch in den Folgetagen für Aufsehen in Lienz. Nach einer weiteren unfreiwilligen Landung im Hochgebirge musste ein Bergehubschrauber ausrücken. Da dabei allerdings das Sportgerät des Mannes zurückgelassen werden musste, versuchte er dieses wenige Tage später zu Fuß zu holen. Nicht genug, dass dies misslang – nein, der Mann musste erneut per Hubschrauber geborgen werden. Berge sind offensichtlich nicht jedermanns Sache…

Ein Blick auf das Streckenprofil lohnt sich

Selbiges gilt auch für zwei chinesische Starter. Die Volksrepublik hatte 2010 den 10.000-m-Spezialisten Chang Zhong Li entsandt. „Als er mich nach dem Abholen bat, kurz bei der Trafik wegen eines Päckchens Marlboro stehenzubleiben, kam mir das schon eigenartig vor“, muss Niki heute noch schmunzeln.

Nach einem für einen Bergläufer recht üppigen Mahl ließ sich Chang aus der Ferne die Strecke zeigen. „Als er gesehen hat, dass es da den Berg rauf geht, ist ihm das Gesicht eingeschlafen. Er meinte nur noch: Hoffentlich ist der Berg morgen Früh nicht mehr ganz so hoch.“

Die Hoffnung des Mannes aus Fernost erfüllte sich überraschenderweise nicht. Nach 3:16:24 Stunden übergab er 1:54 Stunden nach Sieger Jonathan Wyatt. Damit war aber endgültig Feierabend. Chang musste per Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden und wurde an den Tropf gehängt.

Was wurde eigentlich aus seinem Landsmann? Der zweite Chinese im Feld agierte beim Wildwasser-Kajak mit ähnlichem Erfolg und wurde ein Fall für die Wasserrettung. Ein herber Schlag für das stolze China, das sich prompt mit einem Schreiben an die Veranstalter entschuldigte.

Der Dauerflieger

Einer, der beim Dolomitenmann zum Inventar gehört, ist Wendelin Ortner.

Der Paragleiter ist mit Manfred Rauch der einzige, der bei allen 25 Auflagen am Start war. Der 47-Jährige hat in seiner Sportart, in der er einst zu den Pionieren zählte, die große Entwicklung („Früher sind wir praktisch mit umfunktionierten Fallschirmen geflogen.“) miterlebt.

„Die Professionalisierung über die Jahre ist enorm“, schildert der 6-fache Dolomitenmann-Sieger. Denn früher sahen die Leute den Bewerb nicht so eng. „Da haben viele am Start noch schnell eine geraucht.“ Für die Fitness heute wie damals ein absolutes „No go“. Schließlich müssen die Athleten mehrere Laufpassagen samt Gepäck (knapp 15 kg) absolvieren.

„In den ersten Jahren haben sich einige vor dem Laufen noch den Overall ausgezogen und ihn danach wieder angezogen. Zeit, die man heute längst nicht mehr hat.“ Ortner flog deshalb seit jeher ohne Overall.

Schon ziemlich hoch hier oben...

In den Urzeiten des Dolomitenmanns waren die Teilnehmer auch auf Losglück angewiesen. Während sich heute die Vierer-Teams im Vorfeld selbst finden und gemeinsam anmelden, wurden sie einst zusammengelost, was zu Reibungspunkte führen konnte.

„Einmal war da ein sehr ambitionierter Bergläufer, der als einer der ersten im Ziel ankam“, erinnert sich Sandra Grissmann. „Doch sein Paragleiter war aus Norddeutschland und hatte mit den Begebenheiten so seine Probleme. Er meinte: Huch, das ist mir zu steil, da fliege ich nicht runter!“

Freilich ganz zum Entsetzen seines Bergläufers. „Na und ob du fliegst, hat der ihn angeschrien. Der war brennheiß.“ Die subtilen Überredungskünste fruchteten jedoch nicht, der gute Mann blieb auf dem Boden und die Staffel kam somit nicht in die Wertung.

Da fehlt doch was?

Unter die Kategorie „Hobby-Sportler fehl am Platz“ fiel auch ein anderer deutscher Dolomiten-Freund.

„Bei uns läutete wenige Tage vor dem Rennen das Telefon“, schildert Niki. „Ein Mann meldete sich und bescheinigte uns, dass wir eine sehr schöne Wildwasser-Strecke hätten. Allerdings sind uns beim Aufhängen der Tore Fehler unterlaufen. Denn nach der 1 kommt 5.“

Die Veranstalter waren zunächst verdutzt, war man den Kurs doch mehrfach durchgegangen. Was konnte der gute Mann bloß meinen?

Des Rätsels Lösung: Der Kurs war so gesteckt, dass die Athleten nach den ersten vier Toren eine Aufwärtspassage zurück zu Tor 5 zu bewältigen hatten. „Aufwärtstore, davon habe ich noch nie gehört“, hatte der Deutsche gesagt.

 

 

Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne. Verletzungen sind beim Dolomitenmann somit keine Seltenheit. Doch bei all den verirrten Paragleitern oder überforderten Kajak-Fahrern endeten alle Zwischenfälle bislang vergleichsweise glimpflich. „Das schlimmste waren bislang Knochenbrüche“, hofft Niki, dass es dabei bleibt.

Und wem das schon zu viel ist: Der soll zu Hause bleiben! Schließlich ist der Dolomitenmann nur für die Härtesten unter der Sonne…

Reinhold Pühringer

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