Geflasht vom Munich Mash

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Mountainbike- & Motocross-Action im Olympiapark

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Laute Rockmusik dröhnt durch den Münchner Olympiapark, ein Moderator schreit ins Mikrophon, 18.000 schwitzende Menschen johlen.

Die Sonne sorgt auch am frühen Abend noch für hochsommerliche Temperaturen. Das Munich Mash 2014, welches Motocross, Mountainbike Dirt Jump und BMX Street Rink vereint, ist in vollem Gange.

Schon den ganzen Tag über haben die Besucher des Mash Fests die Möglichkeit, in den Lifestyle des Action Sports einzutauchen. Von Stand Up Paddling über Slackline bis hin zu Kopf-Tischtennis gibt es neue Bewegungsformen zu entdecken. Gemeinsam mit den vielen Informations-, Verkaufs- und Essensständen verwandeln diese den Olympiapark in ein Trendsport-Festivalgelände.

Weltpremiere

Den ersten Höhepunkt bilden die Red Bull X-Fighters, die ihren vorletzten Saisonstopp in der bayerischen Metropole einlegen und dabei eine Premiere feiern: Zum ersten Mal in der 14-jährigen Geschichte der X-Fighters führt der FMX-Track über Wasser.

Nach zwei Wochen Aufbauarbeiten der zwei Tonnen Material ist ein 450 Meter langer Track auf dem Olympiasee entstanden – alle Teilnehmer müssen schwimmen können, zudem wird erstmals die Wasserrettung benötigt.

Auch eine Entenfamilie ist unter den Zuschauern - unberührt vom Dröhnen der Motorräder schwimmt sie im See und taucht ab und an unter, während die X-Fighters auf ihren 120-kg-Maschinen nur ein paar Meter daneben atemberaubende Tricks zeigen und über zehn Meter hoch vorwärts, rückwärts und seitwärts durch die Luft wirbeln.

Paris Hilton?

Vom 'Superman-Seat-Grab' über den 'Paris-Hilton-Flip' (wer einen Trick erfindet, darf ihn auch benennen) bis hin zum 'Double-Backflip' ist alles dabei.

Nur der von Vorjahres-Gesamtsieger Thomas Pagès in Madrid zum ersten Mal in einem Wettbewerb gezeigte Bike-Flip misslingt. Doch der Franzose bleibt glücklicherweise unverletzt.

Es gibt circa zwanzig Grundtricks, aus denen Kombinationen und Variationen geschaffen werden. Die Jury bewertet die Runs der Teilnehmer nach Style, Varietät, Ausführung, Ausnutzung des Courts und Energie.

"Hat Spaß gemacht"

Am Ende siegt etwas überraschend der Australier Josh Sheehan, der dank seines beeindruckenden Double-Backflips bei Jury und Fans punkten kann und Gesamt-Leader Levi Sherwood aus Neuseeland somit gefährlich nahe rückt.

„Es hat Spaß gemacht. Das Wasser macht für uns Fahrer keinen wirklichen Unterschied, wenn wir vom Track abkommen, haben wir so oder so Probleme“, erzählt der 22-Jährige gegenüber LAOLA1.

„Sheehan ist mein größter Konkurrent um den Gesamtsieg, er kam praktisch aus dem Nichts. Ich dachte eigentlich, dass Pagès derjenige ist, den man schlagen muss“, so das "rubber kid", dessen große Stärke die „Flexibilität“ ist und das sich wie Gummi verbiegen kann.

"Mia san FMX"

Auch das deutsche Publikum hat getreu nach dem auf den Banden stehenden Motto „Mia san Mia, Mia san FMX“ Grund zum Jubeln: Bei seiner ersten Teilnahme in der FMX-Königsklasse schafft es der erst 16-jährige Luc Ackermann bis ins Halbfinale und wird schließlich Vierter.

Zwischen den Runs werden viele Showeinlagen geboten. Als das Beatboxduo „Unterwegs“ aus Kassel auftritt, quaken sogar die Enten mit. Die britische Rockband Blitz Kids spielt den offiziellen Song der X-Fighters-Series „All I want is everything“.

Platsch!

Eine Showeinlage der besonderen Art bietet zum Abschluss ein Flitzer, der ins Wasser springt, von den Securities herausgefischt und im Rettungsboot weggebracht wird.

Plötzlich beginnt das Boot zu sinken. Der Flitzer nutzt die Verwirrung der Ordner aus, springt ins Wasser und schwimmt davon. Das sichert ihm den Jubel der Zuschauer.

Während die Ordner noch dagegen ankämpfen, dass ihr Boot nicht untergeht, ist der nächste im Wasser: Sheehan feiert seinen Sieg mit einem Rückwärtssalto und nimmt ein Bad im kühlen Nass. Die Menge ist begeistert, die Enten bleiben cool und schlürfen weiter Entengrütze.

Looping

Am nächsten Tag geht die spektakuläre Show mit dem Swatch Prime Line-Event weiter.

Vom Olympiastadion bis hinunter zum Coubertin-Platz müssen die Mountainbiker im Rahmen der FMB World Tour Gold sechs Hindernisse überwinden – der Start befindet sich auf einem zehn Meter hohen Turm.

Die größte Herausforderung für die Athleten stellt der erstmals in einen FMB-Parcours eingebaute Looping dar.

Auch hier dröhnt laute, rockige Musik über das Gelände, das begeisterte Publikum wirkt wie schon am Vortag fachkundig, viele sind tätowiert und tragen ähnliche Klamotten wie die Athleten.

Unmöglich

Nach jedem Run kann man sich die Zeitlupe in der Wiederholung ansehen, bevor er bewertet wird. Bis zu 100 Punkte sind möglich, wird der Looping ausgelassen, gibt es Punktabzug.

Die Biker zeigen 360s, Backflips, Frontflips und Whips, dass einem ganz schwindlig wird. Physikalisch scheinen die gewagten Kunststücke unmöglich und doch sieht man die Rider sich und ihre Räder durch die Luft wirbeln.

Beinahe in jedem Lauf gibt es einen Fahrer, der stürzt, dem Publikum stockt jedes Mal der Atem. Glücklicherweise kommen alle relativ glimpflich davon. Franck Paulin etwa verliert sein Bike bereits am ersten Obstacle, er hat riesiges Glück, dass er noch auf dem Dirthill landet und nicht abstürzt.

Zwei Österreicher dabei

Der absolute Star der Szene ist Swatch Proteam-Athlet Sam Pilgrim aus Großbritannien. Der 24-jährige FMB World Champion 2013 hat immer ein Grinsen im Gesicht, was auch sein Markenzeichen entblößt: Ihm fehlt ein Schneidezahn. Er fährt zwar den Loop nicht, beweist aber Kreativität und nutzt diesen, um einen Flair zu zeigen.

Neben ihm haben es 15 Fahrer ins Halbfinale geschafft – darunter mit Patrick Leitner und Erik Walenta zwei Österreicher. Letzter gilt laut Leitner als "größtes österreichisches Talent".

Der französische Youngster Tomas Lemoine tritt diesmal allerdings noch mehr in Erscheinung. Er ist erst 17, um starten zu dürfen, benötigt er die Einverständniserklärung seiner Eltern. Mit einer großen Portion Lockerheit und in Zebraleggins beeindruckt er die Judges und jumpt neben Pilgrim, Landsmann Louis Reboul und dem Belgier Thomas Genon ins Finale.

Ohne Worte

Am Ende gewinnt überraschend Shooting-Star Louis Reboul vor Pilgrim und Lemoine.

„Swatch Prime Line Munich war einfach perfekt: super Wetter, super Atmosphäre, super Publikum“, so Pilgrim. „Es hat so viel Spaß gemacht und es ist einfach nur cool, wieder auf dem Podium zu stehen.“

Der Sieger hingegen findet zunächst keine Worte, freut sich aber bereits auf die Feier am Abend. Kein Wunder, die Stimmung im Fahrerfeld ist sehr gut, viele sind befreundet, nach dem Contest umarmen sich alle.

Auf der After-Show-Party in der Münchener Innenstadt geben die jungen Athleten richtig Gas – wie man es sich von Extremsportlern erwartet. Essen fliegt durch den Raum, Papieruntersetzer werden kurzerhand aufgegessen und Whiskey-Cola fließt in Maßkrügen.

Extremsportarten erfordern eben auch einen extremen Lifestyle - davon haben sich die insgesamt 52.000 "geflashten" Besuchern des Munich Mash eindrucksvoll überzeugen können.

 

Aus München berichtet Henriette Werner 

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