Für immer jung: Björn Dunkerbeck im LAOLA1-Talk

Aufmacherbild
 

Björn Dunkerbeck verschlägt es immer wieder nach Österreich. Wegen Sponsor Red Bull, aber auch zum Snowboarden.

„Ich bin gerne hier, Österreich ist ein tolles Land.“

Und das, obwohl die Windsurf-Gebiete in unseren Gefilden überschaubar sind.

So schaffte es der Neusiedler See wenig überraschend nicht in die persönlichen Top-Ten der beliebtesten Surf-Spots des mittlerweile 42-Jährigen, der heuer zum 41. Mal (!!!) Weltmeister wurde.

Exklusiv im großen LAOLA1-Interview spricht „Dunki“ über sein Geheimrezept für ewige Jugend, er verrät, warum er den Wettkampf braucht und schreibt der Jugend ins Stammbuch, dass noch lange nicht Schluss ist.

 

LAOLA1: Herr Dunkerbeck, Sie sind jetzt 41-facher Windsurf-Weltmeister. Wie machen Sie das?

Björn Dunkerbeck: Es sind mehrere Faktoren, die es braucht. Körperlich muss man topfit sein und mental motiviert. Die Erfahrung von vielen, vielen Jahren am Wasser hilft natürlich. Siehe auch Kelly Slater, der jetzt mit 39 Jahren zum elften Mal Weltmeister geworden ist, ein Ausnahmetalent. Unser Geheimrezept ist die Motivation!

LAOLA1: Andere hätten mit 42 Jahren das Brett längst in die Ecke gestellt?

Dunkerbeck: Der Weltmeister-Titel im Slalom war ein Drei-Jahres-Projekt, nachdem ich die Segelmarke getauscht habe. Das ist perfekt aufgegangen. Vor zwei Jahren war ich Dritter, im Vorjahr Zweiter und jetzt bin ich Weltmeister.

LAOLA1: Hand aufs Herz, macht das wirklich noch Spaß oder warum tut man sich das an?

Dunkerbeck: Es muss Spaß machen, sonst könnte ich gar nicht so gut sein. Und ich brauche das Windsurfen einfach. Meine Frau sagt immer, dass ich unerträglich werde, wenn ich eine Woche nicht am Brett gestanden bin. Ich liebe das Wasser, egal ob mit Segel, am Stand-Up-Board oder beim Wellenreiter.

LAOLA1: Sie könnten all diese Dinge aber auch nur zum Spaß machen, dennoch suchen Sie den Vergleich und auch den Wettkampf?

Dunkerbeck: Ich bin ja in der glücklichen Situation, dass ich es mir heute aussuchen kann. Früher bin ich alles gefahren. Welle, Slalom, Racing, Speed, ein paar Jahre auch Freestyle. Seit 2000 mache ich ein bisschen weniger, aber ich war zum Glück immer erfolgreich.

LAOLA1: 2005 haben Sie dann noch einmal einen großen Schnitt gemacht und die Sponsoren praktisch komplett gewechselt. Warum das?

Dunkerbeck: In erster Linie wegen der Herausforderung. Es ging mir darum, Material zu entwickeln, mit dem ich wieder gewinnen und auch in meinem Alter noch Weltmeister werden kann. Deshalb ist Valentino Rossi zu Yamaha und jetzt zu Ducati gewechselt, darum hat sich Michael Schumacher in den Mercedes gesetzt.

LAOLA1: Können Sie sich ein Leben ohne Windsurfen überhaupt vorstellen?

Dunkerbeck (lacht): Nein, nein, nein. Ich werde mein ganzes Leben lang Windsurfen. Mein Vater ist jetzt 68 Jahre alt und surft fünf Tage die Woche. Er ist der beste Beweis dafür, dass Windsurfen jung hält. Logischerweise geht es an der Weltspitze irgendwann nicht mehr, aber ich habe für die Zeit danach schon etwas im Auge.

LAOLA1: Nämlich?

Dunkerbeck: Mich reizen Long-Distance-Rennen, zum Beispiel rund um eine Insel. Das können mal 50, 60 oder 70 Kilometer sein. In Südfrankreich sind da bis zu 750 Teilnehmer am Start. Das wäre eine Möglichkeit, um mich noch lange im Wettkampf und mit den Besten zu messen.

LAOLA1: Aber der Nachwuchs braucht sich noch keine Hoffnungen machen: 2012 gilt die volle Konzentration der Titelverteidigung im Slalom-Weltcup?

Dunkerbeck: Ich fahre nächste Saison wieder voll auf Sieg, keine Frage. Ich möchte meinen WM-Titel verteidigen. Speed werde ich WM und EM mitsurfen. Und zum Saisonstart fahre ich ein Long-Distance-Rennen in Australien mit 250 Teilnehmern.

LAOLA1: Ist denn überhaupt ein Ende in Sicht?

Dunkerbeck: Wenn es gut läuft und ich meine Ziele erreiche, werde ich sicher noch ein Jahr dranhängen. Aber ich schaue in meinem Alter nur von Jahr zu Jahr, von Saison zu Saison. Der Körper macht ja auch nicht mehr alles so mit wie früher.

LAOLA1: Und die Familie, Sie sind immerhin dreifacher Familienvater?

Dunkerbeck: Zum Glück sind die meisten Slalom-Weltcups im Sommer, da können sie dabei sein. Meine Kinder lieben das Wasser. Ian ist gut beim Wellenreiten, aber er geht auch Stand-Up-Paddling und Windsurfen. Alva ist auch oft am Wasser, aber eher bei weniger Wind. Und die Kleine ist noch mit dem Boogieboard beschäftigt.

LAOLA1: Jemand, der gefühlte 365 Tage im Jahr unterwegs ist, wo fühlen Sie sich eigentlich zu Hause?

Dunkerbeck: Im Moment sind wir auf den Kanaren und in der Schweiz daheim, aber ich war in den letzten Jahren auch viel in Australien, weil mein Segelmacher dort daheim ist. Da ist die Anreise ähnlich lange wie nach Hawaii, aber das gehört dazu. Von nichts kommt nichts!

LAOLA1: Einen Vorteil hat die viele Reiserei aber auch: Es gibt wohl keinen Spot, den Björn Dunkerbeck noch nicht gesurft ist, oder?

Dunkerbeck: Ich habe wahrscheinlich wirklich schon fast jeden Spot gesehen, aber ein paar gibt es noch da draußen. Ich habe ja auch schon ein paar Search-Trips gemacht, nach Chile, auf Bali, in Sumatra oder auf Molokai. Wenn die Zeit es zulässt, werde ich in diese Richtung sicher wieder etwas machen.

LAOLA1: Vielleicht gemeinsam mit ihrem langjährigen Konkurrenten und Freund Robby Naish?

Dunkerbeck: Wir haben ja schon zwei Search-Trips gemeinsam gemacht und werden auch sicher wieder einmal gemeinsam auf Reisen gehen. Robby surft zwar keine Weltcups mehr, aber er ist trotzdem jeden Tag auf dem Wasser.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte Stephan Schwabl

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen