Rückkehr an den Ort der Schmach

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Chinesen wollen in Paris Scharte auswetzen

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Am Schauplatz des größten Erfolgs in der Geschichte des österreichischen Tischtennis geht es ab Montag acht Tage lang um die Kür der 52. Individual-Weltmeister.

Wie vor zehn Jahren ist der Palais Omnisports die Bühne für die Titelkämpfe des Weltverbandes (ITTF), das historische WM-Gold von Werner Schlager in Paris-Bercy 2003 wird diesmal für die insgesamt sieben Spieler des österreichischen Verbandes (ÖTTV) jedoch wohl unerreicht bleiben.

In 20 Endspielen kein Nicht-Chinese im Finale

Zwar hat auch vor einer Dekade vor dem Turnier kaum jemand mit dem am 25. Mai 2003 fixierten Triumph Schlagers gerechnet, doch hat sich der Abstand zwischen der asiatischen bzw. vor allem chinesischen zu der europäischen Elite seit damals weiter vergrößert. Schlager war auch der bisher letzte nicht-chinesische Individual-Weltmeister.

Seither stand 2005 in Shanghai, 2007 in Zagreb, 2009 in Yokohama und 2011 in Rotterdam in insgesamt 20 WM-Endspielen (jeweils Einzel und Doppel bei Damen und Herren sowie Mixed) kein einziger Nicht-Chinese in einem Endspiel.

Aber auch vor Schlagers Coup war es ähnlich gewesen, waren WM-Titel für Nicht-Chinesen die absolute Seltenheit. Im Damen-Doppel etwa schafften es seit 1989 nur Chinesinnen ins Finale.

Vorbereitung in Schlager-Akademie

China ist natürlich nicht gewillt, ausgerechnet erneut in Paris wieder einen Titel abzugeben. Schon zum dritten Mal in Folge nach den Rotterdam-Titelkämpfen sowie den Team-Weltmeisterschaften 2012 in Dortmund haben sie ihre unmittelbare Vorbereitung bzw. die Akklimatisierung in Europa in der Werner Schlager Academy (WSA) absolviert. Die Zwischenstopps in Schwechat geben dem chinesischen Training eine noch professionellere Note.

Die Dominanz der Ausnahmekönner aus dem "Reich der Mitte" verdeutlichen auch die aktuellen Setzlisten. Im Herren-Einzel besetzen die Chinesen mit Xu Xin, Ma Long, Wang Hao und Zhang Jike die ersten vier Plätze, im Damen-Einzel mit Ding Ning, Liu Shiwen und Li Xiaoxia ebenso die ersten drei Positionen wie in den beiden Doppelbewerben.

Im Mixed kommen immerhin die ersten beiden Paare aus China, womit aber auch hier die Weichen auf ein rein-chinesisches Endspiel gestellt sind.

Österreichs Doppel als größte Herausforderer

Die Österreicher stellen zumindest im Herren-Doppel laut Papierform Europas erste Herausforderer der Asiaten, die Europameister Robert Gardos/Daniel Habesohn finden sich aber dennoch erst auf Platz elf der Setzliste wieder.

Der Weg in die Medaillenränge ist nicht nur deswegen ein steiniger, ginge es doch bei einem Vorstoß ins Viertelfinale wohl gegen die topgesetzten Hao Shuai/Ma Lin.

Gardos (Nr. 24), Habesohn (57), Stefan Fegerl (60). und der nur im Doppel genannte Feng Xiaoquan haben sich zuletzt im Leistungszentrum Faak/See mit Italienern und Kroaten vorbereitet, Schlager (34) wie Chen Weixing (25) und Liu Jia (19) in der WSA.

Chen ist mit 41 Jahren noch um ein Jahr älter als Schlager und hat als WM-Viertelfinalist 2003 ebenfalls beste Erinnerungen an den Palais Omnisports.

Schlager: "Medaille zu erwarten wäre vermessen"

Feng/Fegerl (Nr. 18) bilden das zweite ÖTTV-Doppel, im Damen-Doppel und im Mixed ist Österreich nicht vertreten. Auch ist mit Liu nur eine ÖTTV-Dame genannt. Denn während Li Qiangbing wegen ihrer Schwangerschaft ausfällt, sind Sofia Polcanova und Amelie Solja nicht WM-spielberechtigt.

Nach Nationenwechseln muss die gebürtige Moldawierin Polcanova bis August 2015 darauf warten, die gebürtige Deutsche Solja gar bis April 2018.

Österreichs Augenmerk liegt aber sowieso einmal mehr auf Schlager, und auch ein gewisses internationales. Dem 40-Jährigen ist zu Ohren gekommen, dass die Organisatoren in Erinnerung seines Triumphes 2003 etwas vorhaben.

Das ändert aber nichts an seiner sportlichen Ausgangsposition: "Ich möchte nur die bestmögliche Leistung zeigen. Eine Medaille zu erwarten, wäre vermessen. Das würde auch der Entwicklung des Sports nicht gerecht werden. Aber vielleicht gelingt mir ja die eine oder andere Überraschung.“

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