Mit Selbstvertrauen an die östliche Grenze Europas

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Es gilt, eine eindrucksvolle Serie zu verteidigen.

Die Tischtennis-Europameisterschaften in Jekaterinburg (25.9.-4.10., LIVE auf LAOLA1.tv) sollen sich in eine lange Folge erfolgreicher kontinentaler Titelkämpfe für Österreich einreihen.

Seit 13 EM-Turnieren, also seit 1998, konnte immer zumindest eine Medaille mit nach Hause gebracht werden.

Und die Chancen in diesem Jahr stehen schon vor Beginn so gut wie selten.

2014 wirkt nach

Denn vor allem die ÖTTV-Herren strotzen vor Selbstvertrauen.

Aus gutem Grund: Robert Gardos (26), Stefan Fegerl (43), Chen Weixing (46) und Daniel Habesohn (63) bilden ein ausgeglichenes Team, mit dessen individueller Stärke in Europa nur Deutschland und Portugal mithalten können.

Bereits im Mannschaftsbewerb, der den Auftakt darstellt, ist man somit trotz unvorteilhafter Auslosung dicker Medaillenkandidat.

Die Setzung erfolgt zum letzten Mal auf Basis der vorhergehenden EM-Auflage. Und in Lissabon 2014 blieb man mit einem Vorrunden-Aus trotz Sieges gegen den späteren Europameister Portugal unter den Erwartungen.

Damit muss man diesmal erst an den gefährlichen Gegnern Schweden, Russland und Rumänien vorbei.

„Wir sind in der Gruppe nur als Dritter gesetzt, aber sie ist trotzdem machbar. Der erste Tag wird ein Schlüsseltag, und das Ziel muss der Gruppensieg sein, um Deutschland und Portugal im Viertelfinale aus dem Weg zu gehen“, so Fegerl.

Es wäre bereits die halbe Miete zum gewünschten Edelmetall. Als Halbfinalist hätte man Bronze sicher.

Ohne Boll nicht ganz so toll

Und selbst im eigentlich schlimmsten Falle einer Begegnung mit dem nördlichen Nachbarn würde diesmal viel für rot-weiß-rot sprechen.

Rekord-Europameister Timo Boll musste sich einer Operation unterziehen und fehlt. Der Fokus des 34-Jährigen liegt auf einem fehlenden Erfolg bei Olympia.

Als er zuletzt ausfiel – bei den Europaspielen in Baku – blieben die Österreicher siegreich und holten sich Bronze.

Trotzdem ist Deutschlands Potenzial höher anzusiedeln, nicht nur wegen Dimitrij Ovtcharov. Mit Ricardo Walther und Ruwen Filus drängt bereits die nächste Generation nach.

Letzterer eröffnet als Verteidiger die taktische Komponente der Aufstellungsvariation, über welche Österreich dank Chen Weixing ebenfalls verfügt.

Der Altmeister war nach seinem Abgang zum polnischen Verein Manekin Torun etwas in der Versenkung verschwunden, ist in den letzten Monaten jedoch eindrucksvoll aus dieser zurückgekehrt und hat sich mit 43 Jahren in den Top 50 zurückgemeldet.

Größere und kleinere Schwierigkeiten

Mit der Vorbereitung zeigt man sich zufrieden, obwohl jeder Einzelne mit eigenen Problemen zu kämpfen hatte.

Leitwolf Robert Gardos ist vor einem knappen Monat Vater der kleinen Alicia geworden. Ein Glück, das den Sport kurz in den Hintergrund rücken ließ.

Die Teilnahme an den Austrian Open ließ er deswegen sausen.

Die zwei Wochen vor der EM gehörten aber wieder der Vorbereitung mit den Kollegen. Jedenfalls, soweit diese dazu imstande waren.

Daniel Habesohn fing sich nämlich eine Lebensmittelvergiftung ein: „Ich habe vier Kilo verloren, das war nicht so angenehm. Ich trainiere erst langsam wieder, bin auch noch auf Diät. Das war wohl das chinesische Essen“, brachte der Wiener den Beweis, dass die fernöstliche Dominanz nicht allein den Ernährungsgewohnheiten geschuldet sein dürfte.

Und während Chen Weixing über leichte Schulterbeschwerden klagte, erinnerten Fegerl und Gardos an ein leidiges Thema, welches den Tischtennissport seit einem Jahr nicht in Ruhe lässt.

Jenes der Plastikbälle.

Eine unwillkommene Besonderheit

Auch über ein Jahr nach der Umstellung gäbe es reichlich Grund zur Unzufriedenheit.

Das ist nicht nur der mangelnden Qualität und dem höheren Preis geschuldet.

„Der ‚Nittaku Premium‘-Ball ist der einzige, der wirklich aus Plastik besteht. Alle anderen haben großen Anteil von Zelluloid, das merkt man am Geruch. Daher sind die Eigenschaften im Vergleich sehr eigen“, beschreibt Fegerl.

An und für sich wäre die ständige Umstellung zwischen verschiedenen Marken kein Problem. Tatsächlich stammt das Gros aus den gleichen Fabriken, derer es weltweit nur drei bis vier gibt.

Ausgerechnet der bei der Europameisterschaft verwendete Ball stellt dabei eine Ausnahme dar.

Und wurde vom Hersteller erst vor kurzem auf den frei zugänglichen Markt gebracht, eigene Anschaffung fast ausgeschlossen. Zur Verfügung gestellt bekam man, wie 2014, nur eine bescheidene Anzahl.

Trotzdem fand Robert Gardos eine positive Sichtweise: „Jetzt konnten wir immerhin eine Woche damit trainieren. Das ist ein Vorteil gegenüber einigen Ländern, die das nicht haben.“

Datum Uhrzeit (MESZ) Gegner
Fr., 25.9. 13:00 Schweden
Sa., 26.9. 07:00 Rumänien
Sa., 26.9. 16:00 Russland

Was kommt nach der Sensation?

So bleibt trotz guter Vorzeichen noch abzuwarten, wie viel im Endeffekt am Tisch umgesetzt werden kann.

Auch im Einzel und Doppel, wo Gardos und Habesohn gemeinsam schon Gold und Silber holen konnten, scheint alles möglich.

Wirklich überraschen können nur die Damen.

Liu Jia, Li Qiangbing, Sofia Polcanova und Amelie Solja haben eine sensationelle Vize-Europameisterschaft zu verteidigen. Dank der guten Setzung wird trotzdem nicht tiefgestapelt.

„Susi hat noch nie so viel trainiert, seit ihr Kind da ist. Unser Ziel ist ebenfalls eine Medaille“, kündigt Li Qiangbing an.

An der Einstellung wird es somit nicht scheitern.

 

Johannes Bauer

 

Die Tischtennis-EM in Jekaterinburg (25.9.-4.10.) LIVE und ON DEMAND auf LAOLA1.tv

Datum Uhrzeit (MESZ) Gegner
Fr., 25.9. 10:00 Frankreich
Sa., 26.9. 07:00 Rumänien
Sa., 26.9. 16:00 Serbien
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