China vergrößert Vorsprung zu Europa

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Die österreichischen Tischtennis-Asse Werner Schlager, Chen Weixing und Liu Jia haben es in der vergangenen Woche sozusagen wieder einmal hautnah miterlebt.

Der Leistungslevel der chinesischen Nationalmannschaft bei deren Trainingslager in der Werner Schlager Academy (WSA) war derart hoch, dass am Pfingstwochenende in Paris-Bercy ein nicht-chinesischer oder gar europäischer Weltmeister kaum denkbar ist.

Werner Schlager ist am Ausbau der chinesischen Perfektion indirekt selbst schuld, nach seinem WM-Sensationsgold 2003 in Paris legten die Asse aus dem "Reich der Mitte" noch einmal an Intensität nach.

"Ihre Trainingsqualität ist ärger als ich es mir vorgestellt habe, so außergewöhnlich hoch", erklärte Schlager vor seiner Abreise zum WM-Turnier.

Aus der Vergangenheit gelernt

Die Medaillen-Abonnenten von der Weltranglistenspitze müssten sich beim Training gegen Spieler anderer Nationen zurücknehmen, um einem solchen überhaupt erst Sinn zu geben.

Schlager verzichtete diesmal auch aus diesem Grund auf Sessions gegen seine WSA-Gäste, auch weil es kein gutes Omen gewesen wäre.

Schlager: "Immer wenn wir mit ihnen trainiert haben, haben wir beim Großereignis schlecht gespielt."

Nur mit chinesischer Unterstützung möglich

Der Grund dafür sei, das eine Rückumstellung auf das normale Niveau vom "Rest der Welt" nicht so schnell möglich zu machen sei, was unerwartete Niederlagen zur Folge habe.

Ein Herantasten an die oberste Leistungsebene würde nur ein regelmäßiges Training mit den Chinesen gewährleisten.

"Da müssten sie aber 'Nachbar in Not' spielen, in jedes Land fünf Trainer und 500.000 Euro schicken."

Ein erster Schritt

Ein scheinbarer Beginn ist die im Frühjahr erstmals durchgeführte Bildung von Doppel-Paaren auf der World Tour von chinesischen mit nicht-chinesischen Spielern.

Schlager sieht darin aber nur eine Alibi-Handlung, da es keine langfristigen Kooperationen sind und die Chinesen dadurch auch keine Titel verlieren.

"Sie sind schon zu mehr gewillt, wissen aber nicht, wie weit sie gehen können."

"Noch in der Steinzeit"

Einen Vergleich mit der ehemaligen Ski-Entwicklungshilfe vom österreichischen (ÖSV) an den US-Verband lässt Schlager gelten.

Danach schlossen die US-Amerikaner auf und fuhren Rot-Weiß-Rot zeitweise um die Ohren. Im Tischtennis ist der Unterschied aber noch größer.

"Eigentlich sind wir noch in der Steinzeit", meinte das ÖTTV-Ass. "Bei uns fehlt es schon an der Scouting- und Talenteförderungsstruktur."

Druck durch die Jungen

Bei den Chinesen ist das alles vorhanden, dadurch wurde die Leistungsdichte an ihrer absoluten Spitze zuletzt noch größer.

"In den vergangenen zwei Jahren sind viele junge Spieler dazugekommen, auch dadurch sind sie stärker geworden", gab der 40-jährige Schlager an.

Einige aus diesem Kreis sind der neue Weltranglisten-Erste Xu Xin oder auch Yan An, Zhou Yu und Fang Bo. Bei den Chinesinnen geht diese Entwicklung noch rasanter voran.

Niemand steht unter Denkmalschutz

Das habe die chinesische Struktur laut Schlager weiter aufgewertet.

Alteingesessene wie der zweifache Olympia-Zweite Wang Hao oder Peking-Olympiasieger Ma Lin haben schwer zu kämpfen, um Schritt zu halten.

Der dreifache Ex-Weltmeister Wang Liqin war in der WSA primär schon nur noch als Trainingspartner dabei, darf in Paris aber zumindest noch einmal im Doppel WM-Luft schnuppern.

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