Dem Asylantenheim "entlaufen"

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Lemawork Ketema ist heiß auf eine neue Bestweite

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Am Sonntag geht der Wings for Life – World Run in seine zweite Runde.

Mit dabei ist auch in diesem Jahr wieder Lemawork Ketema. Im Vorjahr war er von allen Teilnehmern weltweit der weiteste und gewann das Event mit 78,57 Kilometern. Eine Distanz, die für die meisten von uns nicht einmal im Traum erreichbar ist.

Doch Ketema gibt sich damit nicht zufrieden, hat ein Jahr lang hart trainiert. „Natürlich werde ich versuchen, meine Bestweite noch auszubauen, zumindest ein klein wenig“, so der gebürtige Äthiopier im Gespräch mit LAOLA1.

Wie schon im Vorjahr, wird er auch am 3. Mai wieder in Österreich laufen. Was sich verändert hat, ist die Nation, für die er startet. War er letztes Jahr noch Äthiopier, geht er dieses Jahr für seine Wahlheimat Österreich an den Start.

Ereignisreiches Jahr

Seit seinem Sieg hat sich bei Ketema einiges verändert. Er bekam einen positiven Asylbescheid in Österreich, knapp eineinhalb Jahre musste er darauf warten. Sein Triumph war dafür sicher förderlich, glaubt der 29-Jährige: „Ich bin ein professioneller Sportler, mache nichts Kriminelles oder bin nur am Party machen. Ich bin gut integriert und habe viele Kontakte in Österreich.“

Dass er nun ganz legal in diesem Land leben darf, hat sich auch positiv auf seine Vorbereitung ausgewirkt. „Letztes Jahr wohnte ich noch in einem Asylantenheim, jetzt habe ich mein eigenes Apartment, ganz für mich alleine. Ich kann mich viel besser auf mein Training konzentrieren, habe keinen Stress mehr“, schildert Ketema.

Letztes Jahr lieferte er sich ein Duell mit Glyva Evgenii (UKR)

Lediglich für den Preis des World-Run-Siegers, eine Weltreise, kam der positive Asylbescheid zu spät. Daher durfte sich der Gesamt-Zweite, der Peruaner Remigio Quispe, darüber freuen. Leer ging Ketema aber nicht aus, wie Manager Harald Fritz einwirft: „Er ist wirklich großzügig von Red Bull kompensiert worden. Didi Mateschitz hat extra für ihn eine Ausnahme gemacht und den Preis sozusagen verdoppelt.“

Große Konkurrenz

Quispe wird dieses Jahr ebenfalls in Österreich starten, nachdem er sich im letzten Jahr um läppische 90 Meter geschlagen geben musste. Doch Ketema fürchtet seinen Herausforderer nicht, ganz im Gegenteil: „Er ist auf jeden Fall ein großer Vorteil für mich. Wenn mehrere starke Athleten in einer Gruppe unterwegs sind, können wir weiter laufen.“

Er selbst hätte dank des „Champions Pick“ bei jedem Rennen auf der Welt teilnehmen können, entschied sich aber für einen Verbleib: „Die Strecke in Österreich ist sehr schön, die Organisation funktioniert sehr gut. Auch die Startzeit ist sehr angenehm, es ist meine Lieblingsstrecke.“

Ketemas tägliches Training besteht aus zwei Einheiten, einmal in der Früh, einmal am Abend. Eine fixe Kilometer-Anzahl spult er nicht ab: „Ich habe Programme auf lange und kurze Distanzen.“

Bevorzugt Marathon

Abseits des Wings for Life Runs nimmt Ketema auch an einigen Marathons teil. In Graz konnte er mit einer Zeit von 2:22:08 Stunden triumphieren, auch in Wien, Italien oder Peking ging er schon an den Start. Vergleichbar mit dem World Run ist es aber nicht.

Sieger beim Marathon in Graz

„Es ist etwas komplett Unterschiedliches. Bei Wings for Life ist  es eine  viel längere Distanz und kein besonders hohes Tempo. Beim Marathon läufst du den Kilometer mitunter in drei Minuten“, so der 29-Jährige.

Vor die Wahl braucht man Ketema aber nicht stellen: „Mir gefällt ein Marathon besser.“

In die Wiege gelegt

Die Begeisterung des Laufens entwickelte sich beim Afrikaner bereits im Kindesalter. „Meine Schule und mein Elternhaus liegen rund 10 km voneinander entfernt, also bin ich jeden Tag hin und auch wieder zurück gelaufen“, erzählt Ketema.

Ans Karriereende möchte er noch nicht denken, vielmehr hat Ketema große Pläne für die Zukunft: „Das ist gerade meine beste Zeit und ich möchte noch ein paar Jahre laufen. Olympia 2016 und 2020 sind auf jeden Fall Ziele.“

Und sollte irgendwann der Körper doch nicht mehr mitspielen, hat Ketema viele Ideen für die Karriere nach dem Sport: „Ich möchte den jüngeren Generationen helfen, meine Erfahrung mit ihnen teilen. Und ich möchte eine Ausbildung zum Masseur machen, denn ich weiß, auf welche Muskeln man bei Sportlern besonders achtgeben muss.“

Alles Zukunftsmusik. Die Gegenwart heißt World Run. Im besten Fall sogar World-Run-Titelverteidiger.

 

Julian Saxer

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