Österreichs härteste Rio-Quali beginnt

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Weltmeisterin, Olympia-Dritte, EM-Dritte, Junioren-Europameisterin.

In keiner anderen Sommersportart ist die Österreich-interne Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio härter als im Kanu-Slalom der Damen.

Mit Corinna Kuhnle, Violetta Oblinger-Peters, Viktoria Wolffhardt und Lisa Leitner matchen sich gleich vier Asse von internationalem Niveau um nur ein Ticket für die Spiele.

Prolog zur Olympia-Qualifikation

Am Sonntag kämpfte das Quartett mit dem Rest der heimischen Flotte im Wildwasser-Kanal auf der Wiener Donauinsel um Weltcup- sowie EM-Startplätze. Da die Resultate daraus für die Beschickung der WM im September herangezogen werden und bei den globalen Wettkämpfen die ersten 15 Nationen einen Quotenplatz für Rio erhalten, war die interne Ausscheidung praktisch der Prolog für die Qualifikation.

Kuhnle hatte nach mehreren Läufen die Nase vor Oblinger-Peters und Wolffhardt. Damit sicherte sich die zweifache Weltmeisterin das Startrecht bei allen drei Weltcups in Prag, Krakau sowie Liptovsky Mikulas (SVK) sowie der EM in Leipzig.

LAOLA1 hat beim Kräftemessen genauer auf die Schnellen im Strom geschaut:

Corinna Kuhnle:

27 Jahre, Weltmeisterin 2010 und 2011

Die Niederösterreicherin gab auf der Donauinsel das Tempo vor. Mit ihren Laufzeiten hätte Kuhnle sogar bei den Herren ein Wörtchen um Weltcup-Einsätze mitgeredet. „Natürlich vergleicht man die Zeiten und schaut, wo man bei den Männern stehen würde“, gesteht die Höfleinerin grinsend. „Einige kommen dann auch her und meinen, dass sie mir gerade noch einmal entkommen sind. Da läuft der Schmäh.“

Der große Trumpf der Projekt-Rio-Sportlerin ist die physische Komponente. „Ihr Kraft-Gewicht-Verhältnis ist Bombe“, bringt es Stall-Rivalin Wolffhardt auf den Punkt. Keine andere Frau kann derartig durch den Kanal paddeln wie sie. „Sie zu kopieren, geht nicht“, ergänzt Wolffhardt. Für Kuhnle war die Ausscheidung ein weiterer gelungener Formtest. Mehr allerdings nicht. „Wäre ich nicht unter die besten drei Österreicherinnen gekommen, hätte ich mir sowieso etwas überlegen müssen“, klingen ihre Ansprüche durch.

Violetta Oblinger-Peters

37 Jahre, Olympia-Bronze 2008

Auch wenn sie nicht mehr die Jüngste ist, ist Violetta Oblinger-Peters nach wie vor die erste Herausforderin von Kuhnle. Die Wahl-Oberösterreicherin deutete bei den Ausscheidungsrennen an, dass sie bei einem Fehler der Favoritin sofort parat steht.

Körperliche Defizite versucht die zweifache Mutter mit technischem Gespür wettzumachen. Gemeinsam mit ihrem Mann Helmut zimmert sie sich das für den Hochleistungssport notwendige Umfeld zurecht. Als Zweite darf die Forelle-Steyr-Athletin bei der EM sowie zwei Weltcups an den Start gehen.

Viktoria Wolffhardt

20 Jahre, EM-Bronze 2013

Das Nachwuchs-Ass musste in Wien an ihre körperlichen Grenzen gehen. Im Unterschied zu den anderen Drei versuchte sich die Tullnerin nämlich auch im Canadier, wodurch sie auf die doppelte Anzahl von Läufen kam. Die aktuelle Nummer drei im Kajak will den Bewerb mit dem Stechpaddel mit Blick auf die Sommerspiele 2020 in Tokio, wo er olympisch werden soll, forcieren. „Es ist eine gute Ergänzung, macht mich auch im Kajak schneller“, meint die Athletin aus dem Hope-Kader des Projekts Rio.

Wolffhardt, die wie Oblinger-Peters bei der EM und zwei Weltcups starten darf, entschied die nationale Ausscheidung im Canadier für sich. Dort blieb sie als einzige Starterin zweimal unter der 135-Prozent-Marke der besten K1-Zeiten, was vom Verband als Kriterium herangezogen wird, ob eine C1-Kanutin überhaupt international konkurrenzfähig und somit zu Wettkämpfen zu entsenden ist. Die zweifache EM-Zweite Julia Schmid, die krankheitsbedingt nicht alle Läufe bestritt, sowie YOG-Siegerin Nadine Weratschnig gelang dies nur je einmal. Eine Präsidiums-Entscheidung soll über ihre Einsätze entscheiden.

Lisa Leitner

20 Jahre, Junioren-Europameisterin 2013

Mit der Kärntnerin drängt ein weiteres Talent von hinten nach. Auf der Donauinsel reichte es „nur“ für Rang vier, womit sie immerhin bei zwei Weltcups starten darf. „Bei der aktuellen Dichte ist es sicherlich schwierig, aber mein Fokus liegt ohnehin mehr auf Tokio 2020“, erklärt Leitner, deren kurzfristige Ziele die U23-EM und –WM sind.

Dass sie bei den Großen bereits mithalten kann, hat sie nicht zuletzt 2014 bewiesen, als sie gemeinsam mit Kuhnle und Wolffhardt bei der WM in Deep Creek Lake zu Team-Silber paddelte.

 

In herr-lichen Gewässern

Gemessen am internationalen Niveau geht es bei den heimischen Wildwasser-Herren vergleichsweise beschaulich zur Sache. Nichtsdestoweniger könnten die Rennen auf der Donauinsel eine Wachablöse eingeleitet haben. Der erst 18-jährige Mario Leitner, Bruder von Lisa, setzte sich vor dem um 24 Jahre älteren Helmut Oblinger durch. Es war das erste Mal, dass der Youngster vor dem Routinier lag. „Allerdings sind wir bislang kaum gegeneinander gefahren“, relativiert Leitner. Der Kärntner gilt als eines der größten heimischen Talente. Bei der anstehenden Junioren-WM in Brasilien möchte er seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigen.

Ebenfalls 2014 feierte er in Augsburg sein Weltcup-Debüt bei den Erwachsenen, welches mit Rang 61 aber in die Hose ging. „Da habe ich mir viel Druck gemacht“, so Leitner. Dass der Sprung zur Männer-Spitze ein Großer ist, weiß auch Herren-Nationaltrainer Jernej Abramic. „Aber bei einem Leistungssprung kann es in diesem Alter oft schnell gehen“, verweist der Coach auch auf Andreas Langer und Felix Oschmautz, die sich als Dritter bzw. Vierter der internen Quali ebenfalls Starts sicherten. Da es bis zur WM in London jedoch nur noch fünf Monate sind, scheint es, als ob die Quali-Hauptlast einmal mehr auf Oblinger liegt.

Reinhold Pühringer

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