Fünfkampf moderner denn je

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22 Sekunden fehlten am Ende auf die ganz große Sensation.

Beinahe hätte der bis dahin nur als Randnotiz wahrgenommene Thomas Daniel Österreichs Olympia-Team bei den Spielen in London mit einer Bronze-Medaille im Modernen Fünfkampf erlöst.

Wären da nicht besagte 22 Sekunden gewesen. Nichtsdestoweniger war sein sechster Rang in der Sportart, die Fechten, Schwimmen, Springreiten, Pistolenschießen und Laufen vereint, die beste Platzierung in der österreichischen Olympia-Geschichte (Fünfkampf seit 100 Jahren im Olympia-Programm).

Die rot-weiß-rote Medaillenlosigkeit in London ließ Daniel eine ganz besondere Aufmerksamkeit zu Teil werden. Für kurze Zeit trug er plötzlich die Hoffnungen einer ganzen Sport-Nation.

„In dem Ausmaß habe ich das dort nicht realisiert“, hat sich der 27-Jährige nie als möglicher „Retter“ gesehen. Eines hat er mittlerweile allerdings realisiert: Noch nie war sein Fünfkampf so modern.

Aufklärungsarbeit verrichtet

Seiner Sportart hat Daniel in Österreich einen großen Dienst erwiesen. „Wenn ich vor den Spielen auf die Straße gegangen wäre und gefragt hätte, was zum Modernen Fünfkampf gehört, hätten die meisten wohl Hammer- oder Diskuswerfen gesagt. Das ist jetzt definitiv besser geworden“, ist sich der WM-Fünfte von 2009 sicher.

Der Ärger über die Griffweite („Umgerechnet sind das wohl drei oder vier Fechtsiege“) gewesene Medaille, wird durch das Feedback aus seinem Umfeld wettgemacht.

„Die meisten haben gemeint, dass es ein super Bewerb sei und dass das Laufen und Schießen bis zum Schluss absolut spannend war.“

Gestiegene Aufmerksamkeit hin oder her – in Sachen Sponsoren hat das leider kaum etwas gebracht. „Welche zu finden, ist nach wie vor schwer, weil abseits der Spiele das mediale Interesse einfach sehr gering ist. Aber auch auf diesem Sektor tut sich etwas. Auch wenn man nicht allzu viel erwarten kann, ist es besser als davor.“

Noch lange nicht Schluss

Daniel, der noch keine Zeit für einen ausgiebigen Urlaub hatte und diesen Anfang Oktober in Florida nachholen wird, richtet sich nach London bereits für die Spiele in vier Jahren in Rio de Janeiro aus.

Den altersbedingten Zenit wähnt er noch vor sich: „Bis 35 kannst du Modernen Fünfkampf auf Top-Niveau betreiben. Es gibt Weltmeister und Olympia-Sieger, die jenseits der 30 sind.“

Zudem ist Daniel ein Späteinsteiger. „Mein Trainings- und Wettkampfalter ist noch sehr jung, dementsprechend jung fühle ich mich auch“, erklärt der Heeressportler.

Ungemach droht

Die Spiele in London sorgten in diversen Sommersport-Verbänden für hochgehende Wogen. Etwas, wovor auch die Fünfkämpfer nicht verschont blieben. Der Anfang der Auseinandersetzung zwischen Daniels Trainer Horst Stocker und der Verbandsspitze datiert allerdings bereits auf den März zurück.

Kürzlich meldete sich der Coach in einem offenen Brief zu Wort, wo es heißt: „Die Chance auf die Weiterentwicklung der Sportart wird leichtfertig vertan.“ Die Kritik richtet sich an die Verbandsspitze.

Diese hat seit 33 Jahren Alexander Peirits inne. Der 73-Jährige wird sein Amt mit Jahresende zurücklegen. Obwohl der Präsident angibt, sich nicht in die Nachfolge-Diskussion einzumischen, befürchtet Stocker, dass ein Günstling von Peirits zum Zug kommt.

Ein Szenario, in dem es für den Trainer keinen Sinn mehr macht, weiterzuarbeiten. Er droht mit einem Austritt aus dem Verband. „Anstatt die nötigen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass in den nächsten Olympiazyklen vielleicht Medaillen möglich werden, wird fleißig gegen jene intrigiert, die versuchen, im Verband Hochleistungssport zu ermöglichen“, tobt Stocker.

Und wie steht Daniel dazu? „Ich halte mich da raus, stehe aber hundert Prozent hinter meinem Trainer. Die Entscheidungen, die er trifft, muss ich akzeptieren.“

Viel mehr möchte der Leistungsträger nicht kommentieren. Sollte Stocker aber beim Verband tatsächlich hinschmeißen, bedeutet das nicht das Ende der erfolgreichen Athleten-Betreuer-Beziehung: „Dann hat er mir versprochen, dass er als Privat-Trainer mit mir weiterarbeitet.“

Reinhold Pühringer

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