Studie: Tägliche Turnstunde positiv für Wirtschaft

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„Er ist gesund und mocht uns hoart.“

Die Rede ist vom Sport. Oder - um es in ein politisches Schlagwort umzuwandeln – von der „Täglichen Turnstunde“.

Der immer junge Klassiker von Rainhard Fendrich muss jedoch laut einer Studie, welche die Bundessport-Organisation (BSO) beim österreichischen Institut für Sportökonmie, SportsEconAustria, in Auftrag gab, erweitert werden. Denn neben „gesund und hoart“ macht uns der liebe Sport offenbar auch wohlhabender. Zumindest was unsere Wirtschaft angeht.

„Zwar müssen wir kurzfristig einen dreistelligen Millionen-Betrag in die Hand nehmen, bekommen langfristig aber einen vierstelligen zurück“, rechnet Ökonom Christan Helmenstein von der SportsEconAustria vor.

Mehr Bewegung bis ins Erwachsenen-Alter

„Man bekommt immer nur vor Augen geführt, wie viel die „Tägliche Turnstunde“ kosten würde, aber nie, wie viel sie uns Geld bringen würde“, erklärt BSO-Chef Peter Wittmann die Intention der Studie.

Das Bildungsministerium kalkuliert mit Aufwendungen von 200 Millionen Euro für das Personal sowie noch einmal 100 Mio. für deren Aus- bzw. Weiterbildung. Darin noch nicht enthalten sind Investitionen in die Infrastruktur.

Die Studie prophezeit allerdings bereits kurzfristig aufgrund der positiven Beschäftigungseffekte eine Erhöhung des Bruttoproduktionswertes von 359,76 Mio. Euro.

Langfristig erwarten sich die Experten vor allem durch eine Anhebung des Aktivitätsniveaus große Effekte. Ausgehend davon, dass aktuell 42 Prozent der Erwachsenen zweimal pro Woche ins Schwitzen („mittleres Aktivitätsniveau“) kommen, wird eine Anhebung auf 48 Prozent erhofft.

Tritt dies ein, würde das mit Blick auf den Bruttoproduktionswert ein Plus von 1.901,48 Mio. Euro ergeben. Die Bruttowertschöpfung würde sich um 1.113,31 Mio. erhöhen, was eine Steigerung des Bruttoinlandsproduktes von 0,45 Prozent bedeutet.

Nicht transferieren

„Langfristig könnten knapp 26.000 Arbeitsplätze geschaffen oder abgesichert werden“, so die Einschätzung Helmensteins, dem problematische Aspekte in der Realisierung nicht entgangen sind. Ein Einsparen an einer anderen Stelle der Stundentafel hält er prinzipiell für den verkehrten Weg.

„Eine gute körperliche Ausbildung darf nicht auf Kosten beispielsweise einer guten Englisch-Ausbildung gehen. Nicht Transfersteigerung, sondern Investitionssteigerung“, lautet sein Credo.

Kein Lehrerproblem?

Eine Schwierigkeit sieht Helmenstein auf dem Immobiliensektor, da Österreich hier im EU-Vergleich bereits überdurchschnittlich hohe Kosten zu tragen hat, die nötigen Anlagen insbesondere im innerstädtischen Bereich jedoch oftmals dürftig sind.

Den Vorwurf, dass es schon jetzt einen akuten Lehrermangel gebe und deshalb die personellen Kapazitäten nicht vorhanden seien, will indes BSO-Vizpräsident Peter Kleinmann nicht gelten lassen: „In Österreichs Schulen gibt es Turnlehrer, die zwar in Pädagogik, aber nicht in Sport ausgebildet sind. Warum soll dann einer der vielen Trainer, die in Sport, aber nicht in Pädagogik ausgebildet sind, nicht Bewegung in Schulen unterrichten dürfen?“

Gegenwind für Schmied

Richtiggehend in Rage redet sich Kleinmann, der einer der Initiatoren der Unterschriften-Aktion „Tägliche Turnstunde“ ist, wenn er auf das 8-Punkte-Programm von Bildungsministerin Claudia Schmied zu sprechen kommt.

Bereich

Millionen Euro pro Jahr

Beherbergungs- und Gaststättenwesen

391,2

Unterrichtswesen

191,3

Sport, Kultur und Unterhaltung

92,3

Einzelhandel, Reparatur von Gebrauchsgütern

77,5

Realitätenwesen

46,3

Erbringung unternehmensbezogener Dienstleistungen

46,0

Handelsvermittlung und Großhandel

35,6

Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen

35,2

Herstellung von Nahrungs- und Genussmitteln

21,5

Bauwesen

20,6

„Das klingt für mich mehr nach einer Drohung. Das Kürzen einer Turnstunde in der Neuen Mittelschule ist kein Bekenntnis für mehr Sport und Bewegung.“ Den Auftrag in die Autonomie der Schulen abzugeben, halte er für den falschen Weg, denn schließlich habe genau diese Autonomie zur Reduktion des Turnunterrichts geführt.

„Wenn wir Bewegung nicht verpflichtend einteilen, passiert sie nicht“, pflichtet Wittmann seinem „Vize“ bei. Das 8-Punkte-Programm seiner Parteikollegin stuft er als „nett, aber nicht ausreichend“ ein.

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