Brot und Spiele

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Brot und Spiele: Sport-Sponsor Ströck spricht Klartext

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Begonnen hat die Geschichte mit dem Sport vor mittlerweile fast 20 Jahren.

Damals, erinnert sich Gerhard Ströck, sind Walter Rantasa, Christoph Schmölzer, Wolfgang Sigl und Gernot Faderbauer, die gemeinsam den leichten Doppelvierer gebildet haben, nach dem Training an der Alten Donau immer in die Bäckerei gekommen, um die Kohlehydratspeicher aufzufüllen.

„Irgendwann haben wir sie dann nicht nur mit Naturalien sondern auch mit Geld gesponsert“, erzählt der Unternehmer im Gespräch mit LAOLA1.

Konzentration auf Randsportarten

Heute unterstützt die Bäckerei Ströck mehr als 45 Athletinnen und Athleten – und ist damit einer der größten Geldgeber im heimischen Sport.

Der Fokus des gebürtigen Burgenländers liegt dabei seit jeher auf den sogenannten Randsportarten, die hierzulande ein Schattendasein fristen.

Wie einst der Schwimmsport, den Ströck im Jahr 2001 im Stadthallenbad für sich entdeckte.

Aus einem ganz einfachen Grund: „Schwimmen ist ein Sport, mit dem auch Mütter und Großmütter etwas anfangen können, also unsere potenziellen Kundinnen.“

OSV-Situation neu bewerten

Zunächst gab es Einzelsponsorings für Maxim Podoprigora und Fabienne Nadarajah, seit 2003 ist die Bäckerei, die kürzlich ihre 77. Filiale eröffnet hat, Sponsor des Schwimm-Verbands.

„Schwimmen ist eine Weltsportart, weltweit schwimmen 212 Nationen im Leistungsbereich. Und wir wissen: In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist und beides braucht gesunde Ernährung, deshalb passt das.“

Es geht um Persönlichkeiten

Und wie hat das Sponsoring die Firmen-Bilanz verbessert? Werbung, sagt Ströck, ist schwer zu messen.

„Der Sport ist ein Multiplikator – und nichts multipliziert besser als Fußball, Skifahren oder Formel 1. Aber das kostet viel Geld. Ansonsten funktioniert es nur mit Persönlichkeiten.“

Mit den Ruder-Brüdern Paul und Bernhard Sieber oder Leichtathletik-Aushängeschild Beate Schrott hat Ströck sein Team gezielt in diese Richtung verstärkt.

„Es herrscht eine Aufbruchsstimmung, die Burschen und Mädels ziehen es durch. Da kann man nur schwer Nein sagen.“

Austria/Rapid = Konfliktpotenzial

Apropos Aufbruchsstimmung: Zuletzt war das Firmen-Logo auch beim ÖFB-Nationalteam präsent.

Dass er in Zukunft mehr in Richtung Fußball macht, schließt Gerhard Ströck aber – auch aus Angst um seine Filialen - aus.

„Wir sind in Wien daheim und da muss man entweder mit Austria oder Rapid etwas machen, aber das ist zu viel Konfliktpotenzial.“

 

Stephan Schwabl

 

Dass nach zehn erfolgreichen Jahren mit jeder Menge Schwimm-Medaillen von Markus Rogan, Mirna Jukic und Co. nun magere Jahre auf den OSV und also auch den Sponsor zukommen, bringt Ströck nicht aus dem Konzept.

„Es ist immer ein Geben und Nehmen. Aber klar ist, dass die Situation jetzt eine andere ist und entsprechend neu bewertet werden muss.“

Ohne Wahnsinn geht es nicht

Beim Gedanken daran, dass man mit Dinko Jukic auf einen Leistungsträger und Medaillenkandidat „verzichtet“, geht dem Bäckermeister der Teig auf.

„Es ist traurig, dass dumme Funktionäre das verkommen lassen“, findet er klare Worte. „Natürlich ist bei Dinko ein gewisser Wahnsinn dabei, aber wenn du den nicht hast, bist du Bezirksmeister und schwimmst nicht um eine Olympia-Medaille.“

Obwohl er zu beiden Seiten, also OSV und Jukic, einen guten Draht hat, möchte er nicht vermitteln. „Ich mische mich nicht ein, weil mir die Politik zuwider ist.“

Hilferufe in der Mailbox

Peinlich findet Ströck zum Beispiel, dass es in Wien keine entsprechende Schwimmhalle gibt.

„Bei diesen wichtigen Dingen zieht sich die Politik zurück, aber wenn ein Sportler von Olympischen Spielen eine Medaille heimbringt, rollen sie ihm den roten Teppich aus und klopfen ihm auf die Schulter.“

Dass nach der Nullnummer von London die richtigen Schritte für eine goldene Zukunft eingeleitet wurden, kann Ströck (noch) nicht sehen.

„Ich habe in den letzten Wochen sieben Mails bekommen, in denen mich Sportler um Hilfe bitten, weil Versprechen nicht gehalten werden.“

Für die Zukunft wünscht er sich vor allem, dass „die Wahrheit im Vordergrund“ steht. „Die sieht im Moment so aus, dass es seit London keine Verbesserungen gegeben hat.“

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