Strategie 2018: Ein Start vom Nullpunkt

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„London stellte eine Art Wendepunkt dar, wie wir Spitzensport weiter entwickeln wollen“, blickt Sportminister Gerald Klug (eine Analyse) bei der Vorstellung der „Strategie 2018“ noch einmal auf die Olympia-Nullnummer von 2012 zurück.

Nachdem Österreichs Top-Athleten mit dem Projekt Rio bereits eine Sonder-Unterstützung erhalten, hält der Steirer quasi Wort und präsentiert unter dem Schlagwort „Strategie 2018“ nun Lösungsansätze, um den heimischen Leistungssport auch nachhaltig zu optimieren.

„Im Rahmen dieser Legislatur-Periode möchte ich es schaffen, diese Dinge Schritt für Schritt umzusetzen“, meint Klug gegenüber ausgewählten Journalisten am Donnerstag in Wien. Erste Projekte sollen noch heuer auf Schiene gehen. Welche das konkret sein werden – dem wollte er noch nicht vorgreifen.

Unter die Ideen, die in eine bessere Zukunft führen sollen, mischte sich jedoch ein Stück weit auch Ernüchterung. Ernüchterung, die in erster Linie aber dem Ist-Zustand schuldet.

In vier Arbeitsgruppen

Projektleiter Michael Mayrhofer

An gut gemeinten Reform-Versuchen oder metaphorische Kanzel-Predigten, über was nicht alles falsch läuft, hat es – nicht zuletzt von Seiten von uns Medien – in jüngster Vergangenheit nicht gemangelt. Worin unterscheidet sich diese „Strategie 2018“ nun genau?

„Was ich bemerkenswert finde, ist, dass die Strategiefindung aus dem Tun heraus geschieht, nicht von oben induziert wird und sie dann kaskadenartig nach unten verläuft und man hofft, dass sie am Ende dann irgendwann auch ganz unten ankommt“, erklärt mit Projektleiter Wolfang Mayrhofer ein Mann, dessen Haupthaar schon anzeigt, dass es sich hierbei eigentlich nur um einen Universitäts-Professor handeln kann.

Worauf der Wissenschaftler, den Football-Präsident Michael Eschlböck gerne als den „Peitschenknaller, der das Muli wieder zurück auf die Straße führte“ bezeichnet, anspielt, ist die die Art und Weise der Erarbeitung der Ziele.

In den vier Arbeitsgruppen Nachwuchsleistungssport, Berufsfeld Sport, Wissenschaft im Sport sowie Spitzensport-Infrastruktur findet sich ein breitgefächertes Spektrum aus den verschiedensten Bereichen des österreichischen Sports ein. Ein bunter Mix aus Institutionen und Funktionen, der von Fachverbands-Präsidenten über Vertreter der Länder bis hin zu Infrastruktur-Verantwortlichen geht.

Ein Ausblick auf die angedachten Projekte der Arbeitsgruppen:

 

Ein leichtes „Autsch!“

Die Hoffnung, dass sich der heimische Sport gemeinsam in eine Richtung bewegt, weicht nach dem Querlesen der ersten Projekte zunächst einer leichten Ernüchterung. Branchenverzeichnis hier, Trainerdatenbank dort, Infrastruktur-Erhebung da: Bevor sich Sport-Österreich überhaupt daranmachen kann, an welchen Stellschräubchen gedreht werden kann, muss erst einmal eine Bestandsanalyse gemacht werden. Das verdeutlicht, wie unkoordiniert Rot-Weiß-Rot eigentlich aufgestellt ist.

Freilich ist Sport in Österreich Ländersache, dennoch schuldet diese Kopflosigkeit auch der Schwäche der Bundessport-Organisation (BSO). Bezeichnend, dass das Zusammenholen der diversen Kräfte an einen Tisch nicht innerhalb des Sports geschafft wurde, sondern von außen, der Politik induziert werden musste.

Schonungslosigkeit hat Vorrang

Eschlböck, Mitglied des überwachenden Advisory Boards, stuft die Grundlagen-Erhebung richtigerweise als Notwendigkeit ein. „Die Ausgangsbasis ist, dass bei der ganzen Hülle an Institutionen und Facetten niemand bislang den Gesamtüberblick hat.“

Nur darauf können weitere, nachhaltige Projekte aufbauen. „Dieses Zugeben, dass wir hier ansetzen müssen, ist die vielleicht größte Errungenschaft.“

Es kann somit nur ein erster von vielen Schritten sein.

 

Reinhold Pühringer

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