Antritts-Interview: Jetzt spricht der Sportminister

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Die Umsetzung des von seinem Vorgänger Norbert Darabos initiierten Sport-Förderungsgesetzes steht ganz oben auf der Prioritätenliste des neuen Verteidigungs- und Sportministers Gerald Klug.

Zudem will der 44-jährige Grazer trotz des klar negativen Bescheids der Wiener Volksbefragung zum Thema Olympia den Sportstättenbau mittels Masterplan vorantreiben.

Das und noch mehr erklärte Klug im großen Antritts-Interview drei Tage nach seiner Angelobung.


Frage:
Sie haben im Verteidigungsressort eine Prioritätenliste erarbeitet, wo wollen Sie im Sport Schwerpunkte setzen?

Klug: Ich habe in der Prioritätenliste ganz oben das Sportförderungsgesetz. Weil das auf der einen Seite schon gut vorbereitet ist und auf der anderen Seite auf der parlamentarischen Ebene nichts mehr gegen eine Beschlussfassung spricht. Auch deshalb, weil es die Frage ist, welche Konsequenzen wir aus Olympia (ohne Medaillen in London 2012, Anm.) ziehen. Die eine Konsequenz ist, dass wir uns bemühen, im ersten Schritt finanziell für Rio (Olympische Sommerspiele 2016, Anm.) 20 Mio. Euro zur Verfügung zu stellen. Aber Konsequenzen sollen nicht ausschließlich finanzielle sein, sondern auch inhaltliche. Ich bin felsenfest überzeugt, dass wir mit dem Gesetz eine wichtige zukünftige Weichenstellung vornehmen. Wir gehen damit in die Richtung deutliche Trennung von Spitzen- und Breitensport, ein klares Abgehen von der Gießkannenförderung hin zur konkreten Projektförderung und es gibt darüber hinaus eine hohe Transparenz und eine hohe Kontrolle hinsichtlich der Verwendung der Mittel.

Frage: Gibt es schon konkrete Schritte, etwa der Katalog der Leistungskriterien oder die Förderdatenbank?

Klug: Das eine Ziel ist einmal, das Gesetz schnell zu beschließen. Vom Vorgänger ist vieles an guter Vorarbeit geleistet worden. Ich steige nicht bei Null ein. Der Bundeskanzler hat bei meiner Vorstellung gesagt, dass er mich als politischen Manager kennengelernt hat, ich würde daher gerne bei diesem strukturellen Plan bleiben: Ganz oben steht die Umsetzung des Sportförderungsgesetzes, in weiterer Folge Maßnahmen, die gut dazu passen und die in dieser Zeit realistisch umsetzbar sind.

Frage: In Wien hat es bei der Volksbefragung eine massive Ablehnung der Olympia-Bewerbung gegeben. Wie kommentieren Sie dieses Ergebnis?

Klug: Ich bin mir sicher, das ist kein Votum gegen den Sport. Es wäre eine tolle Chance für den Sport gewesen, aber die Bevölkerung hat klar und deutlich entschieden und die Entscheidung ist zu respektieren. In der Einschätzung schließe ich nicht aus, dass das Votum in diese Richtung so deutlich gefallen ist, weil die Bevölkerung gedacht hat, vielleicht ist das mit den Kosten doch zu anstrengend.

Frage: Ist da in der Vorbereitung etwas falsch gelaufen? Die Kosten waren sehr präsent, weniger aber die Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten. Glauben Sie, dass da Fehler passiert sind?

Klug: Organisation, Vorbereitung und Abwicklung im sportlichen Bereich in einem Bundesland möchte ich als Minister grundsätzlich nicht kommentieren.

Frage: Viele Verbände haben nach dem Nein gesagt, das einzig Positive ist, dass man nun klar sieht, was an Sportstätten da ist bzw. vor allem was nicht da ist. Was können Sie da bewirken, dass sich das bessert?

Klug: Ich wäre der falsche Minister, wenn ich nicht alle Maßnahmen unterstützen würde, die einem Vorantreiben und einer Attraktivierung des Sports dienlich wären. Es gibt viele Projekte, die in Diskussion stehen. Unter politischem Management verstehe ich auch, dass wir uns mit den Sportreferenten aller Bundesländer bemühen, in ständigem Dialog zu sein. Man muss strukturiert an die Sache herangehen, sonst ist kein Ende in Sicht. Insofern kann ich mich für einen Sportstätten-Masterplan durchaus erwärmen, das macht sicher Sinn. Strukturiert aufgestellt, wo habe ich bundespolitische Interessen. Ich sage aber auch ganz offen dazu, wie schaut das mit dem Budget aus: Ich bin in die Bundesregierung als Teamspieler eingetreten. Da ist für mich klar, wenn es eine Vereinbarung gibt, die da lautet Budget-Fahrplan bis 2017. Da besteht grundsätzlich mein Zugang, dass ein Teil des Teams so mitspielt, dass dieser Budgetfahrplan eingehalten wird.

Frage: Beim Sportstättenbau weiß man ja gar nicht, wo man anfangen soll. Wo wollen Sie Schwerpunkte setzen?

Klug: Wenn man versucht, alles gleichzeitig anzupacken, macht man mehrere strategische Fehler. Da wird man überhaupt nichts umsetzen. Ich versuche deutliche Prioritäten zu setzen und diese Prioritätenliste möglichst gut abzuarbeiten. Klar ist auch, wenn wir eine Wintersportnation sind, dann sage ich, ich will auch Beiträge leisten, damit wir eine Sommersportnation werden. Aber man muss realistisch bleiben. Im Herbst ist Nationalratswahl, da entscheiden die Österreicher, wie soll es weitergehen; vielleicht besteht die Möglichkeit, dass ein bemühter und engagierter Sport- und Verteidigungsminister auch den einen oder anderen Beitrag für ein schönes Wahlergebnis leisten kann. Dann bin ich optimistisch, dass auch eine zweite Amtsperiode funktionieren wird. Klar ist, ich will im Herbst in den Spiegel schauen und mir selbst die Frage stellen, war das in Ordnung, ist dir das gelungen umzusetzen. Und im Herbst möchte ich gerne Ja dazu sagen.

Frage: Diskutiert wurde auch viel über die tägliche Turnstunde. Glauben Sie, dass das in ihrer Amtszeit bis Herbst umgesetzt werden kann?

Klug: Grundsätzlich bin ich für mehr Bewegung, ich will die Kinder fit machen und bewegen. Ich bin ein Fan der Turnstunde, die ist als tägliche Turnstunde in der Öffentlichkeit bekannt. Die Begrifflichkeit ist keine Fahnenfrage, das kann auch tägliche Bewegungseinheit heißen. Fakt ist, dass ich als Sportminister alles vorantreiben, dass das auch noch realisiert werden kann. Volle Energie drauf, ich hoffe es gelingt, aber ich treibe es voran.

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