Zwei Jahre Sportminister Klug - eine Analyse

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In Metern, Sekunden, Toren und Ergebnissen.

Die Leistungen unserer Sportler sind klar messbar - und werden auch oft gemessen.

Die Performances jener, die über die Strukturen im heimischen Sport bestimmen, sind dies indes nicht. Es ist vielmehr die Präsentations-Leistung, worauf es bei Funktionären und Politikern ankommt.

Kommen diese Menschen gerade aus dem Blumenbeet im Hintergrund?

Richtig abzuschätzen, was besagte Schlüsselpersonen reell geleistet haben, ist daher schwer. Etwas, das auch auf Sportminister Gerald Klug, den – wenn man so will – obersten Funktionär des Landes, zutrifft.

Seit mittlerweile über zwei Jahren ist der Steirer schon als Bundesminister für Landesverteidigung und Sport im Amt.

Die Öffentlichkeit hat ihn ringen, raften, Marathon laufen, Kanu fahren, einen Football kicken, segeln, mit Jasmin Ouschan Billard spielen und mit Kindern turnen gesehen. Im Sinne der Präsentationsleistung freilich alles dementsprechend medienwirksam.

Doch was hat Klug nun tatsächlich auf jenen Platz gebracht, auf dem in der Sportsprache die Wahrheit liegt? LAOLA1 geht in einer Analyse der Frage nach, ob Klug ein guter Sportminister ist:

 

 

Auf Nachfrage fällt die Selbsteinschätzung der Leistungen des Sportministeriums wie folgt aus:

 


Wie ist seine Leistung einzuschätzen?

„Gerald Klugs Schaffen wird bislang von seiner Tätigkeit als Verteidigungsminister überschattet“, stellt Flooh Perlot von vornherein klar. Der Tiroler Politologe verfolgt Klugs Vorgehen durch sein Engagement am Wiener Institut für Strategie-Analysen sehr genau und sieht die sportlichen Agenden vielmehr als Anhängsel, als ein dominantes Thema. „Das liegt aber weniger an der Person des Herrn Sportminister als an den Wichtigkeiten der Ressorts an sich“, sieht er Klug als Gefangenen der Anforderungen. „Sport ist nur dann interessant und präsent, wenn es sehr positive oder negative Meldungen gibt. Stichwort Medaillen bzw. Doping“, führt Perlot aus.

Hat Klug am Sportsektor etwas bewegt in den vergangenen beiden Jahren?

„Was sollte sich da politisch wirklich bewegen?“, verdeutlicht Perlot mit einer Gegenfrage noch einmal, dass aus der Sicht Klugs Sport nur ein Randthema sei. Trotz der Missstände im heimischen Sport sieht der Politologe in Relation zu den Problematiken bei der Landesverteidigung keine Sport-Themen, für die es sich für den Minister lohne, diese offensiv anzugehen. Das ist Wasser auf die Mühlen von Kritikern, die der politischen Seite mangelndes Engagement ankreiden.

Wie unterscheidet sich Klug in seinem Wirken von seinem Vorgänger Norbert Darabos?


Anmerkungen:

Die Darstellung des Ministeriums liest sich auf den ersten Blick gut, jedoch sind gewisse Punkte für sich zu relativieren.

Der im Zuge des Sportstätten-Masterplans angesprochene Kanu-Kanal auf der Donauinsel wirft Fragen auf. So schön eine zentrale Trainings-Gelegenheit in Wien für unsere Kanuten auch ist, verstummt die Kritik nicht, dass der Betrieb für Nicht-Kader-Sportler nur schwer erschwinglich bleibt. Eine Fahrt nach Bratislava, wo der Betrieb aufgrund der Nutzung eines natürlichen Wasser-Gefälles günstiger ist, komme nach wie vor billiger.

Unter dem Schlagwort „Weg mit der Gießkanne“ trat das neue Bundessportfördergesetz ab 1. Jänner 2014 in Kraft. Erfolgreiche – ergo gut arbeitende – Fachverbände sollten belohnt, der Förder-Dschungel durch ein „One Stop Shop“-Prinzip entwirrt und die bürokratischen Kosten somit gesenkt werden. So zumindest der Plan. Die Realität: Das noch unausgegorene Verbandsranking (Handball auf Platz 37), anhand welchem zehn Prozent der Grundförderung neu verteilt werden, sorgte für heftige Diskussionen.

Nach wie vor gibt es mehrere Stellen, von denen Förderungen bezogen werden. Und zu guter Letzt wurde mit dem Bundessportförderungsfonds eine ZUSÄTZLICHE Institution geschaffen, die weitere 900.000 Euro pro Jahr kostet. Nichtsdestoweniger blieb die Förderung der Bundessport-Organisation (BSO), die davor mit der Förder-Abwicklung betraut war, auch nach Verlust dieser Kernkompetenz unverändert bei 1,2 Mio. Euro.

OFFENSIVE:

ÖFB-Boss Windtner mit Klug

"Klug spielt vorsichtig von hinten heraus. Gefühlt geht er nur dann in die Offensive, wenn es in der Defensive eng wird. Wenn beispielsweise die Kritik von Vertretern des Bundesheeres lauter wird, dann sucht er die Flucht nach vorne. Das ist dann aber weniger ein gezieltes Themensetzen."

EIGENTORE:

"Klug hat einzelne Debatten losgetreten, bei denen nicht ganz klar war, wo die Reise eigentlich hingeht. Zum Beispiel das Rauchverbot im Bundesheer, auf das man sich vielleicht noch einigen kann. Bei der genauen Umsetzung wird es aber dann schwierig. Bei der Militär-Blasmusik ist es ähnlich. Wobei es freilich bezeichnend ist, wenn er sich in seinem Ressort so lange mit der Blasmusik beschäftigen muss. Die Angelegenheit mit dem Chaffeur verlief ebenso nicht gerade glücklich."

 



Okay, wir haben es verstanden: Sport ist nicht so wichtig, wie wir Sport-Redakteure immer glauben. Vor diesem Hintergrund macht es für einen bis 2018 gewählten Politiker, der an der Landesverteidigungs-Front diverse Schläge einstecken muss, wahrscheinlich mehr Sinn, sein Image mit Medaillen aus sportlichen Erfolgen salonfähig zu halten, anstatt mit tiefgreifenden Problembehebungs-Versuchen zusätzlichen Gegenwind von in diversen Institutionen sitzenden Funktionären heraufzubeschwören.

Diese Einschätzung passt zu den bisher von Perlot wahrgenommenen Leistungen Klugs auf dem Sportsektor. Denn das größte Engagement ließ er bislang bei der "Symptombekämpfung" Projekt Rio erkennen. Eine Investition von fünf Millionen Euro, die zwar eine Wiederholung der London-Blamage verhindern soll, aber an den grundlegenden Ursachen wenig ändert.

Bei dem gerne als Schlagwort gebrauchten Sportstätten-Masterplan ist indes keine genau definierte Strategie erkennbar. Nona soll die Infrastruktur verbessert werden, doch ohne konkrete Zielformulierung bzw. Zeitplan scheint dies mehr unter dem Motto "Schauma mal, was möglich ist" zu laufen. Ein Umstand, der sicherlich mitunter der Berücksichtigung der vielen miteinzubeziehenden Ebenen (Land, Stadt usw.) geschuldet ist.

Der Bundessport-Förderungsfond samt dem umstrittenem Erfolgsranking ging bislang gehörig am eigentlichen Sinn vorbei. Der Minister brachte sich deswegen mit Verbesserungs-Vorschlägen ein.

Generell sprechen Insider davon, dass Klugs Engagement für den Sport größer sei als jenes von Vorgänger Darabos. Etwas, dass sich auch bei nachhaltigen Initiativen wie Täglicher Turnstunde und zuletzt „Mehr Bewegung für Kinder“ niederschlägt. Nicht zu vergessen, dass der Sportsektor im Gegensatz zur Landesverteidigung von Einsparungen bislang verschont blieb.

Schwierige strukturelle Agenden wie etwa ein mit den Ländern abgestimmtes gesamt-österreichisches Sportkonzept oder eine vielerorts geforderte Reform der drei politischen Dachverbände (ASKÖ, Union, ASVÖ) ließ er bislang jedoch unangetastet.

Na gut, er hat ja noch ein paar Amtsjahre…

Reinhold Pühringer

Im Sportbereich attestiert Perlot Darabos eine größere Bearbeitung des Themas Doping, „was aber freilich anlassbedingt in seine Amtszeit fiel. Ansonsten lassen sich keine Initiativen erkennen, die unmittelbar mit der Person Klug zu tun hätten.“

Kommt Sport bei Klug über die Rolle einer „Image-Politur für Politiker“ hinaus?

Eine Frage, die der Experte nicht bejahen kann. „Sport wird sicher so eingesetzt, aber auch hier ist Klug nicht der Einzige“, relativiert Perlot. Dass es im Vergleich zur Landesverteidigung ein ungleich positiver besetztes Thema sei, liege auf der Hand. „Natürlich versucht man als Politiker, einen Image-Transfer zu schaffen und in der Öffentlichkeit mit erfolgreichen Sportlern aufzutreten.“ Ein netter Nebeneffekt des Ganzen könnte sein, dass zumindest im Sport nicht gekürzt wird. Nicht einmal bei den dem Bundesheer unterliegenden HSZ-Plätzen.

Hat sich unter Klug an der politischen Relevanz des Sports etwas geändert?

Nein, hat sich laut Perlot nicht. Vor diesem Hintergrund hält er ein eigenes Ministerium für Sport auch künftig für Wunschdenken.

Wie ist die Stellung Klugs innerhalb der Regierung einzustufen?

„Vorsichtig formuliert hat er auf alle Fälle kein dominierendes Ressort“, so Perlot. Klug sei in erster Linie einer von mehreren Ministern, der versucht, Sparvorgaben umzusetzen. „Man hat aber nicht den Eindruck, dass er in einer Position ist, um zum Beispiel dem Finanzministerium bei Einsparungen paroli bieten zu können. Dass er sich hinstellt und sagt: Ich kämpfe jetzt für mein Ressort, für mein Budget. Man hat eher den Eindruck, dass er danach trachtet, Vorgaben einzuhalten und umzusetzen. Von daher ist er weniger in der dominierenden oder themenvorgebenden Rolle.“

 


Um die politische Analyse etwas aufzulockern, haben wir Flooh Perlot gebeten, Klugs Perfmorance in Sportsprache zu analysieren. Sprich: Wenn Gerald Klug eine Fußball-Elf wäre, dann wäre er wie zu charakterisieren?

DEFENSIVE:

"In der Verteidigung spielt Klug sehr zurückhaltend, keinesfalls aggressiv. Er versucht, den Ball flach zu halten. Insbesondere bei Agenden der Landesverteidigung hat sich gezeigt, dass er nicht hart an den Mann geht, sondern dass er in erster Linie danach trachtet, den Ball irgendwie unter Kontrolle zu halten, um das umzusetzen, was im vorgegeben wurde."

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