Österreich ist keine Sportnation

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"Sportforum" will den "Wurm aus dem Volk" holen

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"Die Wahrnehmung des Sports ist überall auf der Welt anders als in Österreich." Anderswo blicke man nicht nur auf Spitzen- und Breitensport, sondern auf das Phänomen des Sports als Gesamtpaket, inklusive Tourismus, Integration, Wirtschaft, Gesundheit, Bildung und Showsport, fasst Ronnie Leitgeb das Problem des Sports hierzulande zusammen.

Leitgeb ist der Initiator des 1. "Sportforum Schladming", welches vom 28. bis 30. Mai in der Steiermark stattfinden wird. Ziel der Veranstaltung ist es, "den Sport in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu rücken."

Denn das gesellschaftliche Phänomen des Sports ist besser als sein Ruf. "Der Sport bewegt in der Wirtschaft 5,6 Milliarden Euro. Das sind 2,55 Prozent der Brutto-Wertschöpfung. Die Landwirtschaft etwa, die ganz anders im Fokus steht, kommt auf 1,71 Prozent."

Auch der gesundheitliche Aspekt sei nicht zu verachten. "30 Prozent der Burschen und 28 Prozent der Mädchen von 6 bis 18 Jahren sind übergewichtig. 40 Prozent von ihnen bleiben es ein Leben lang. Das sind alarmierende Zahlen", konstatiert Leitgeb. In politischen Diskussionen wird der Sport oft vergessen, dies will das Sportforum ändern.

Leitfaden soll erarbeitet werden

"Das Sportfourm richtet sich nicht gegen Politik und Funktionäre, sondern will Visionen erarbeiten, die der Gesellschaft die Möglichkeit bieten, den Sport zentraler zu betrachten." Es soll also nicht nur um intellektuelle Beweihräucherung gehen, sondern darum, eine Art „Leitfaden für die Politik“ zu erarbeiten. Genauer gesagt, eine „Deklaration des Sports".

„Wir wollen Greifbares produzieren, es soll zur Umsetzung kommen." Die Deklaration soll im Laufe der Jahre – zurzeit ist das Sportforum für drei Jahre in Schladming fixiert und soll sich institutionalisieren - weiter entwickelt und nicht, wie so oft, einfach unter den Teppich gekehrt werden. Als Räumlichkeiten werden – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit – die Einrichtungen der Ski-WM genutzt.

Ronnie Leitgeb definiert das langfristige Ziel: "Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien sollen künftig von den Visionen und Ideen des Sportforum Schladming profitieren."

Neben ihm gehören auch Manfred Breitfuß, Wolfgang Gotschke, Erwin Huber, Herbert Janko, Andrea Kdolsky, Hans Knauss, Michael Kuhn, Hans Miller, Gunnar Prokop, Leodegar Pruschak, Julian Rachlin, Susanne Riess, Hansjörg Stocker, Thomas Sykora, Rudolf Thuri, Hans Peter Trost, Michael Walchhofer und Jürgen Winter dem Gründungskomitee an.

"Österreich ist keine Sport-Nation"

Wie gewohnt nimmt Gunnar Prokop kein Blatt vor den Mund: "Österreich ist keine Sport-Nation, nicht einmal eine Fußball-Nation, sonst wären nicht alle glücklich, wenn in Wien 10.000 Leute zu einem Spiel kommen. Was ist der Unterschied zwischen Wien und München? Warum sind dort die Stadien und Hallen voll und bei uns nicht?“, fragt die Trainer-Legende und antwortet sich gleich selbst: „Weil der Sport bei uns keinen Stellenwert hat. Das müssen wir ändern."

Es fehlt die Sucht nach Bewegung

Prokop macht allgemein ein fehlendes Interesse am Sport in der österreichischen Gesellschaft aus: „Da ist ein Wurm im Volk drin“, konstatiert er und gibt als Parole aus, die Gesellschaft mehr für Sport und Bewegung zu interessieren. "Die Rendite im Sport ist nicht das Geld, sondern die Leistung."

Sport schreit – im Gegensatz zur Kunst – nicht auf, wenn mal wieder die Gelder gekürzt werden, der Sport an sich setzt sich nicht zur Wehr. „Wir brauchen die Sucht nach Sport, damit den Leuten etwas fehlt, wenn sie sich nicht bewegen."

Sport als "Epizentrum der Dramaturgie"

Auch vielen Prominenten, wie Ex-Skispringer Hubert Neuper, Ex-Golfprofi Niki Zitny oder Kabarett-Legende Werner Schneyder liegt die Zukunft des Sports in Österreich am Herzen.

Schneyder ist einer von dreizehn Keynote-Speakern in Schladming. "Der Sport ist das Epizentrum der Dramaturgie. Es gibt in der Kunst von der Tragödie bis zur Komödie nichts, was der Sport nicht auch bietet", so Schneyder.

"Wir wollen ein Bewusstsein schaffen und auf Zusammenhänge aufmerksam machen. Sport ist in unserem Leben unglaublich verwoben und zugleich ein exemplarisches Lehrbeispiel für die Fehlentwicklung in der Gesellschaft. Er ist  - wie so vieles – nicht mehr vermittelbar." Als Beispiel nennt er den Preis eines Spitzenfußballers.

"Österreich ist keine Sportnation", sagt Prokop

Sport als Spiegelbild der Gesellschaft

Sportsmedia Austria-Präsident Hans-Peter Trost erklärt: "Sport ist in allen seinen Ebenen ein Spiegelbild der Gesellschaft. Durch ihn kann man lernen, zu gewinnen und zu verlieren. Zudem erfährt man, dass man sich anstrengen muss, um etwas zu erreichen".

Er bemängelt das geringe Ansehen eines Fußballfans, der ins Stadion geht, im Vergleich zu jemanden, der sich etwa im Burgtheater unterhalten ließe.

Botschaft formulieren

Alle Keynote-Speaker haben die Aufgabe, eine Botschaft zu formulieren, die als machbare Vorgabe an die Politik weitergegeben werden soll.

Darunter etwa auch Runtastic-App-Gründer Florian Gschwandtner, der in seinem Vortrag "Millionen bewegen" die Nachteile des Wirtschaftsstandorts Österreich formulieren wird.

Oder Andreas Pürzel, der das Unternehmen "Intelligent Strength", eine Firma für Fitnesstrainer-Aus- und Weiterbildungen, gegründet hat.

"Training ist der beste Lehrer"

"Einmal im Monat veranstalten wir das größte Outdoor-Training Europas in Wien, mitten in der Stadt. Wir bringen die Botschaft, dass Training der beste Lehrer fürs Leben ist, an die Öffentlichkeit. Es geht um Qualitäten wie Durchhaltevermögen, die man durch Training fürs Leben lernen kann und Emotionen, die transportiert werden. Darüber geht auch der Vortrag", erklärt er im Gespräch mit LAOLA1.

Grenzen überwinden

Die Idee des Sportforums gefalle ihm sehr gut. "Ich glaube, dass es etwas bewirken kann. Man muss den richtigen Nerv treffen. Wenn man als unsportlicher Amateur einmal dieses Hochgefühl bekommt, welches Sport hervorruft und die positiven Auswirkungen spürt, die Sport hat, wird man auch süchtig. Darum geht es, man muss einmal diese Grenze überwinden und merken, wie sich das anfühlt", schwärmt er.

"Es geht nicht nur um körperliche, sondern auch um geistige Gesundheit und das bedeutet, dass man mit verschiedenen Situationen im Leben gut umgehen kann. Das lernt man durch Sport."

 

Henriette Werner

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