Schokolade zum Inhalieren

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Die Zukunft des Sports liegt nicht in der Natur

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Das 1. Sportforum Schladming will dazu beitragen, dass sich Österreich in Zukunft mehr bewegt (siehe Deklaration des Sports).

Allerdings stellt sich die Frage, wie diese Zukunft in Zeiten zunehmender Digitalisierung überhaupt aussehen wird.

Um darauf eine Antwort zu geben, ist Trendforscher Sven Gabor Janszky aus Deutschland angereist. Er und seine Firma beschäftigen sich mit der Zukunft. Und die Prognosen haben es in sich.

Gedankensteuerung, intelligente elektronische Assistenten, mit Hilfe eines 3D-Druckers gedruckte Häuser sowie menschliche Herzen und Gesundheit durch Gen-Analyse - all diese Möglichkeiten wird es in naher Zukunft geben.

Schokolade zum Inhalieren (lässt den Weg über die Hüfte aus) sowie „braintonic“, ein Mittel, dass die Hirnleistung für drei Stunden steigert, angeblich ganz ohne Nebenwirkungen, gibt es hingegen bereits.

Vorteil aus Entwicklungen ziehen

Janszky stellt mit seinen Beispielen eines schonungslos klar: Die technische Entwicklung und Digitalisierung der Gesellschaft rasen unaufhaltbar voran, ob man das gut fndet oder nicht, man sollte sich darauf einstellen.

Expertentum (damit meint er auch Lehrer und Trainer, die ihr Wissen weitergeben) wird unwichtiger, da man immer leichter Zugriff auf Informationen hat. Der gebürtige Ungar betont die nötige Anpassungsfähigkeit, die diese Entwicklung erfordert: Alle Serviceangebote müssen "situativ und individuell" sein.  

„Wehren Sie sich nicht dagegen, denn die Handys und Computer gewinnen. Der Computer weiß mehr als wir und die Kinder beziehen ihre Informationen daraus“, sagt Janszky, fordert aber dazu auf, dies nicht als schlechte Entwicklung anzusehen, sondern diese für sich zu nutzen: „Nehmen Sie Ihrem Kind das Handy nicht weg. Bringen Sie dem Handy Ihres Kindes bei, dass es ihm erklärt, dass Ihr Kind Sport treiben soll.“

Sport kann der Gesellschaft helfen, mit all diesen Entwicklungen umzugehen und einen Rahmen zu bieten. Allerdings muss er in diese eingebunden werden, das einfache Konzept „back to nature“ funktioniert laut Janszky nicht mehr. Er fordert den Mut, technische Neuerungen aktiv zum Wohle des Sports zu nutzen, menscheneigene Mittel wie Motivation und Coaching als Unterscheidungsmerkmal zur Technik zu fördern sowie neue, kreative Ideen zu entwickeln.

Beispiele mit Vorbildcharakter

Daneben sind auch sofortige Handlungen gefragt. Ein Best-Practice-Beispiel liefert etwa Philip Slapar mit seinem Projekt „Kick it like Bosco“: Gemeinsam mit Politikern und Unternehmen brachte er Mittel auf, um in Graz für finanziell benachteiligte Kinder Sportplätze zu errichten.

„Bis zu 70 Kinder, 80 Prozent davon mit Migrations-Hintergrund, kommen inzwischen täglich, um unter professioneller Anleitung Sport zu betreiben“, so der Steirer, der 2013 den Österreichischen Integrationspreis erhalten hat.

Auch Projekte wie „Kids am Ball“, „Fit Sport Austria“ und „Kinder gesund bewegen“ machen erste Schritte in die richtige Richtung. Wichtig bleibt, dass diese keine Einzelfälle bleiben, sondern jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas tut. So wie die Partnerfirma des Sportforums, Simacek, die spontan eine Schneesport-Woche ins Leben ruft und künftig einmal im Jahr 30 bis 60 Kinder und Jugendliche nach Schladming einladen will.

„Ich möchte einen Stein ins Rollen bringen. Wenn jeder ein bisschen was tut, erreichen wir gemeinsam sehr viel. Abschauen ist erlaubt, Nachmachen erwünscht“, erklärt Uschi Simacek.

Jammern alleine reicht nicht

Die sozialen Medien, Computerspiele und das Internet werden oft als Gegenspieler des Sports und der Bewegung betrachtet.

Auch Markus Rogan (Sein Ruf nach Verantwortung) sagt: „Eine Länge schwimmen im Vergleich zu Facebook - den Vergleich verlieren wir bislang jedes Mal.“

Doch es gibt sie nun mal, die sozialen Medien. Und genau, wie man Janszkys Zukunftsaussichten gut oder schlecht finden kann und diese dennoch unvermeidbar sind, sollten Möglichkeiten erarbeitet werden, wie man Social Media für die eigenen Zwecke nutzen kann, statt darüber zu jammern.

Ein besseres Leben

Das wohl berühmteste Beispiel dafür, dass es auch anders geht, ist das erfolgreiche Startup „Runtastic“ aus Linz, das mittels Apps „Millionen in Bewegung setzt“. Vor fünf Jahren hat der damals 26-jährige Florian Gschwandtner das Unternehmen gemeinsam mit ein paar Freunden gegründet, inzwischen arbeiten in seinem Unternehmen in Linz, Wien und San Francisco 110 Mitarbeiter.

„Übergewicht bei Kindern wird wahrgenommen, aber viel zu wenig kommuniziert. Mit unseren Apps bieten wir die Möglichkeit, in einen Wettbewerb zu treten. Gleichzeitig kann jeder für sich, ob Kind oder Erwachsener, ob übergewichtig oder richtig guter Hobbysportler, ablesen, wieviel er getan hat“, so Geschwandtner, der potentiellen Firmengründern vor allem Mut zusprechen und gleichzeitig auf ein großes Problem aufmerksam machen will: „Hierzulande wird vieles verhindert, weil es gleich zu Beginn heißt: ‚Das geht nicht, weil…‘ Das muss aufgebrochen werden und ist eine Einstellungssache.“

Um weiter erfolgreich zu bleiben, sei es ganz wichtig, die Geschwindigkeit aus der Digitalisierung zu übernehmen, Social Media spielt in der Vermarktung von „Runtastic“ beispielsweise die Hauptrolle.

Die Firma, die inzwischen auch Hardware wie Brustgürtel, Schritt- und Sleeptracker anbietet, verwirklicht bereits die Vision, Menschen mit Hilfe von Bewegung zu einem besseren und zufriedenerem Leben zu verhelfen.

Mögen viele weitere folgen.

 

Aus Schladming berichtet Henriette Werner

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