Aufmacherbild

Politik: Mehr Raum für Schulsport

Den Schwarzen Peter haben sie praktisch abonniert. Für vieles in unserem Land wird der Politik die Schuld in die Schuhe geschoben.

Geht es um den Turnunterricht, ist das nicht anders. Das wohl nicht zu Unrecht, denn schließlich werden die Stundentafeln von den Damen und Herren im Parlament bestimmt.

Aufgrund des nicht genügenden Zustands, in welchem sich der Turnunterricht befindet, will LAOLA1 im Rahmen des Schulsport-Fokus‘ deshalb von den Hauptverantwortlichen wissen, was sie gegen den kritischen Bewegungsmangel unser Schüler zu tun gedenken.

Bildungsministerin Claudia Schmied ist jedoch für keine Stellungnahme erreichbar. „Ein Interview-Termin ist momentan aus Zeitgründen einfach unmöglich“, lässt ihr Presse-Verantwortlicher ausrichten. Die Schulsport-Projekte würden ohnehin so gut laufen, dass es angeblich keiner weiteren medialen Präsenz Schmieds bedarf.

„Wir bauen gerade die schulische Ganztagsbetreuung von 105.000 auf 210.000 Plätze inklusive Hort aus“, erklärt Pressesprecher Josef Galley. Im Zuge dessen soll auch Platz für mehr Schulsport geschaffen werden.

Bereits auf Schiene

Kostenpunkt sind 80 Millionen Euro jährlich. Obwohl Galley die aktuelle Situation des Schulsports als „gut“ bezeichnet, ist ein Bekenntnis zum Ausbau vorhanden. „Das haben wir immer gesagt, nur muss es im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten sein.“

Der Umstrukturierungsprozess ist im Wesentlichen seit einem Jahr im Gange.

„Die 15A-Vereinbarungen mit den Bundesländern sind abgeschlossen und wurden vom Parlament ratifiziert“, schildert Galley.

Vereine machen Schule

Ob die von vielen Seiten geforderte tägliche Turnstunde nun Realität wird, liegt aber nicht in der Hand des Bildungsministeriums. Genauer gesagt: nicht mehr.

Denn die Neustrukturierung sieht vor, dass den Schulen mehr Autonomie zukommt. Somit hat es jede Schule selbst in der Hand, die Kinder täglich zum Sport zu bewegen. Hinzu kommt, dass künftig Kooperationen mit Vereinen leichter möglich werden.

Um den erzieherischen Standard zu halten, werden Freizeitpädagogen eingesetzt. „Sie sollen das Ganze professionalisieren, damit nicht irgendjemand mit den Kindern herumhüpft“, so Galley.

Gehrer lässt grüßen

Die letzte große Bildungsreform datiert aus dem Jahr 2003. Die damalige Turnstunden-Reduktion unter Bildungsministerin Elisabeth Gehrer sorgte für viel Kritik von Sport-Verbänden und gesundheitlichen Institutionen wie der  Ärztekammer.

Der damals entfachte Gegenwind hat sic h seither nicht gelegt und ist im Ministerium noch heute spürbar.

„Die Kürzung ist ja nichts, was in die Ära Schmied fällt. Das hat sie vorgefunden“, lässt auch Galley durchblicken, dass der übernommene Status quo nicht optimal ist.

Vollmundiges Autokaufen

Es klingt, als würde alles besser werden. Doch gut klingende Versprechungen sind in der Politik etwa genauso häufig wie beim Autokauf.

Werner Raabe, Präsident der ASKÖ Wien, kennt das Problem mit den Parlamentariern. „Wir haben ihnen die Probleme schon des Öfteren fachlich kompetent vorgebracht und auch jedes Mal Zustimmung bekommen. Letztendlich hat sich aber herausgestellt, dass es immer nur leere Lippenbekenntnisse waren“, ist der Funktionär frustriert.

Dass es diesmal anders ist, beweist laut Galley vor allem der bereits in die Wege geleitete Umgestaltungsprozess. Doch auch wenn 80 Millionen Euro in Zeiten des Sparens kein Pappenstil sind, sind sie wohl keine Garantie auf Besserung.

Denn nun liegt es an den Schulen selbst, für mehr Turnstunden einzustehen.

Reinhold Pühringer

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»