"Daraus müssen wir jetzt einfach etwas machen"

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Leuchtende Bengalen, lautes Klatschen, leidenschaftliches Schreien.

Die österreichischen Faustballer werden sich ihr Leben lang an die vergangenen sieben und vor allem an die beiden finalen Tage erinnern.

„So etwas wie in Pasching habe ich noch nicht erlebt“, zeigte Dietmar Weiß auf die voll gestopfte Südtribüne im Waldstadion und traute auch am zweiten Finaltag seinen Augen nicht.

Stolzer ÖFBB-Präsident

„Auch wenn das Sahnehäubchen gefehlt hat, ich bin ein ganz stolzer Faustball-Präsident“, hatte sein Vater, ÖFBB-Boss Karl Weiss, trotz 2:4-Niederlage gegen Deutschland funkelnde Augen.

Die berauschende Stimmung vom ersten Finaltag wurde beim Traum-Endspiel zwischen dem Gastgeber und seinem Erzrivalen noch getoppt.

7500 Fans sorgten dabei für einen noch nie da gewesenen Geräuschpegel in Faustball-Österreich.

Beide Lager waren dabei für ein WM-Finale würdig vertreten: Die große Südtribüne glänzte in Rot-Weiß-Rot, die Gäste hatten die Nord und die Ost in ihrer Hand.

Über 30.000 Fans in den Arenen

Wie lange im Spiel gab es auch auf den Plätzen ausgeglichene Kräfteverhältnisse.

Klatschen für die Leistungen, Kopfnicken zu den Beats, Mitgrölen mit den beiden deutschen (!) Stadionsprechern – alles gehörte auch im Endspiel dazu.

Und kaum einer verließ vor der Siegerehrung das Stadion.

Mehr als 30.000 Zuschauer fanden in Wien, Salzburg, Kremsmünster, Linz und Pasching den Weg ins Stadion. Für eine Randsportart selbstredend ein Erfolg.

„Ganz kann ich mir es auch nicht erklären, aber ich glaube einfach, wir haben drei Jahre sehr professionell gearbeitet. Ich hoffe, dass es so weiter geht und denke, wir können auch in Zukunft solche Events auf die Beine stellen“, versuchte Weiss senior, der designierte Weltverbands-Präsident, zu begründen.

Neue Maßstäbe gesetzt

„Es wurden von der Organisation her neue Maßstäbe gesetzt“, meinte etwa auch Teamchef Winfried Kronsteiner.

Alle Nationen, Fans und andere Beteiligte schwärmten vom Ablauf der Weltmeisterschaft.

„Wir hatten noch nie so einen Zuspruch, so eine gute Presse und daraus müssen wir einfach etwas machen. Das werden wir auch versuchen und dann werden wir in den nächsten Jahren sehen, was daraus wurde“, dachte Team-Kapitän Dietmar Weiss bereits an die Zukunft.

Investition in Infra- und Vereinsstruktur notwendig

Was muss aber nun passieren, damit der Hype genutzt werden kann?

„Wenn wir die Infra- und Vereinsstruktur sowie die Menschen bereitstellen können, dann müssen die Jugendlichen, die jetzt erkannt haben, welche Riesen-Qualität dieser Sport hat, betreut werden. Dann hat man eine Chance auf Nachhaltigkeit. Der heimische Verband wird hier die Initiative ergreifen“, ist sich Kronsteiner sicher.

Sicher ist wohl auch, dass Österreich in vier Jahren eine gewichtige Rolle bei der WM in Argentinien spielen wird. Es wäre eine große Überraschung, sollte der Teamchef nicht weiterhin Winfried Kronsteiner heißen.

Revanche in Cordoba?

„Wir werden sehen, ob sich der Verband und ich einigen können. Wenn das passiert, dann werden die Schlüsse dieser WM gezogen und auf die nächsten Ziele konstruktiv hingearbeitet“, schildert Kronsteiner, der nicht nur wegen seines Alters (40), sondern auch aufgrund seines ganzen Auftretens der jungen tüftelnden Trainer-Generation entspricht.

Sein Kapitän wird wohl noch länger Didi Weiß heißen, denn der ist nach der Final-Niederlage, der er aufgrund einer Verletzung nur wenige Minuten beiwohnen konnte, heiß auf die nächste WM.

„Jetzt muss ich noch vier Jahre spielen“, so der Angreifer. Und vielleicht gibt es dann 2015 die Revanche gegen Deutschland.

Spielort der nächsten WM ist Cordoba. Wirklich.

Bernhard Kastler

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