"Schröcksi" soll es richten

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Schröcksnadel soll London vergessen machen

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Der Olympische „Nuller“ von London schmerzt noch immer.

Noch bitterer ist jedoch die Tatsache, dass es so lange dauerte, bis im heimischen Sport - abgesehen vom neuen Fördergesetz - auch andere Weichenstellungen vorgenommen wurden.

Zwar wurde das Olympia-Projekt „Rio 2016“ bereits von Ex-Minister Norbert Darabos aus der Taufe gehoben. Doch das Abschaffen des Gießkannenprinzips mitsamt der Präsentation einer neuen Förderstruktur erfolgte erst am Donnerstag.

„Wir wollen mit geringen Ressourcen einen sehr fokussierten Weg gehen“, erklärt ÖOC-Präsident Karl Stoss den dahinterliegenden Grundgedanken. Um dem bürokratischen Wildwuchs im Förder-Dschungel ein Ende zu setzen, wurde ein schlankes Gremium mit Peter Schröcksnadel an der Spitze eingerichtet.

„Er war mein Wunschkandidat“, erklärte Sportminister Gerald Klug, der in Folge noch das eine oder andere Mal seine Lieblingsphrase – „ich bin felsenfest davon überzeugt, dass…“ – in verschiedenen sehr positiven Konstellationen einflechtete.

Doch was kann man sich unter der neuen Struktur vorstellen? Wo setzt sie an? LAOLA1 hat die fünf Kernfragen zum neuen Schröcksnadel-Gremium:

1. Wie ist es aufgebaut?

Christoph Sieber, Karl Stoss, Gerald Klug und Peter Schröcksnadel

Auf operativer Ebene besteht das Gremium lediglich aus drei Personen. Ewald Klinger, Christoph Sieber und Harald Horschinegg. Ministeriums-Mitarbeiter Klinger kommt dabei die administrative Abwicklung der Abrechnungen und Förderungen zu. „Durch ihn als Schnittstelle soll alles sehr unbürokratisch und rasch funktionieren“, so Schröcksnadel, der aus dem ÖSV über die Förder-Problematik nur allzu gut Bescheid weiß. „Wenn ich in der Wüste bin und die fünf Liter Wasser erst in einer Woche bekomme, dann bringt mir das auch nichts mehr.“

Segel-Olympiasieger Christoph Sieber soll Informationen über Athleten sammeln und engen Kontakt zu den Sportlern pflegen. Horschinegg wird sein sportmedizinisches Wissen – Stichwort: Leistungsentwicklung – einbringen.

2. Wer wird gefördert?

Wie Schröcksnadel den Medienvertretern eröffnet, gibt es derzeit einen sogenannten Beobachtungskader, der 48 Sportler sowie drei Mannschaften umfasst. Namen wollte der 71-Jährige partout nicht nennen. „Sonst wird in den nächsten Tagen diskutiert, warum gerade der drinnen ist und ein anderer nicht.“ Allerdings bestätigte er, dass die anhand der London-Ergebnisse „förderungswürdigen Sportarten“ bevorzugt wurden. „Noch ist aber nichts fix“, bremst Schröcksnadel. Man werde diese Athleten den Sommer über beobachten und im Herbst eine Evaluierung durchführen. Erst dann werde der Kader auch öffentlich einsehbar werden.

3. Wie hoch sind die Förderungen?

In das Projekt „Rio 2016“ fließen insgesamt Steuergelder in Höhe von 20 Millionen Euro. Auf ein Jahr heruntergebrochen ergibt das fünf Millionen. „Das ist eine Menge Geld“, unterstreicht auch Schröcksnadel.

4. Wie arbeitet es?

Wie die Athletenzahl des Beobachtungskaders bereits erkennen lässt, zielt das „Projekt 2016“ nur auf Weltklasse-Sportler ab. Vom Prinzip her soll das Gremium sehr nahe am Athleten operieren. „Es geht darum, jedem Sportler ein besonderes Umfeld zu schaffen“, will Schröcksnadel für jedes Kader-Mitglied ein individuelles Förder-Konzept erstellen lassen, um so auf die wahren Bedürfnisse eingehen zu können. Dabei will die Funktionärs-Größe auch selbst den Kontakt zum Sportler suchen. „Es wird auch jeder eine persönliche Betreuung von mir bekommen. Das mache ich bei allen wichtigen Sportlern. Ein Maier oder ein Eberharter haben die auch von mir gekriegt.

5. Warum tut sich Schröcksnadel diesen Posten überhaupt an?

Auch wenn er zu den erfolgreichsten österreichischen Funktionären der letzten Jahrzehnte zählt, genießt die Frage ob seines fortgeschrittenen Alters und seines ohnehin bereits weiten Betätigungsfeldes durchaus Berechtigung. Schröcksnadel bekräftigte gegenüber den Medien seine Absicht, als „eine Art Katalysator“ mithelfen zu wollen, den Sommersport wieder nach vorne zu bringen. Gleichzeitig gab er unumwunden zu, dass er das Ehrenamt nicht angenommen hätte, wenn nicht auch der Wintersport dabei gewesen wäre. So startet ab Herbst parallel zu „Rio 2016“ das Projekt „Pyeongchang 2018“.

„Es heißt immer, dass Österreich im Winter so erfolgreich ist, aber in Wahrheit sorgen neben dem ÖSV nur noch die Rodler für Erfolge“, möchte Schröcksnadel auf breiter Ebene mitwirken.

Das daraus resultierende Problemfeld liegt auf der Hand. Als ÖSV-Präsident und Chef des Fördermittel-Gremiums hat er eine Doppelfunktion inne, die für eine schiefe Optik sorgt. Jede Entscheidung für einen Skifahrer wird – egal wie gerechtfertigt sie letztendlich ist – von anderen Sportarten auf die Goldwaage gelegt. Und gemäß der Aussagen der operativen Mitglieder liegt die Letztentscheidung beim Tiroler.

6. Sommer und Schröcksnadel - Kann das gut gehen?

Dass er den Wintersport im Blut hat, hat er zur Genüge bewiesen, doch Schröcksnadel bei einem Schwimm- oder Leichtathletik-Meeting zu sehen, sorgt vielerorts für Stirnrunzeln. Warum also ihn? „Weil er mehrfach unter Beweis gestellt hat, dass er über den Tellerrand blickt und Strukturen schaffen kann“, begründet Klug. Schröcksnadel bringen die Unkenrufe nicht aus der Contenance. „Ich verstehe vom Sommersport genau so wenig wie von Snowboard oder Biathlon“, führt er zwei erfolgreiche ÖSV-Sparten an.

7. Was fehlt noch?

Das Projekt „2016“ befasst sich mit Österreichs internationalen Top-Athleten. Es sorgt somit dafür, dass die Spitze noch höher wird. Man könnte auch sagen, es soll jenen Sportlern, die bei Olympia in London Edelmetall knapp verpassten, den notwendigen Kick geben, damit sie in Rio tatsächlich auf dem Treppchen stehen. Die Nachhaltigkeit der eingesetzten Fördermittel ist abgesehen von der nicht zu unterschätzenden Kreation von Vorbildern kaum vorhanden. Denn für Infrastruktur-Verbesserungen sollen die erwähnten 20 Millionen nicht verwendet werden. Darum werde es unabhängig dieses Projektes auch noch einen „Sportstätten-Masterplan“ geben.

„Das Abschneiden in London hat uns infrastrukturelle Defizite aufgezeigt. Diese gilt es jetzt zu beseitigen“, formuliert Klug ein langfristiges Ziel. „Dazu muss es Gespräche mit den Ländern geben.“ Schnellschüsse wolle er tunlichst unterlassen.

Derartig nachhaltige Investitionen würden dann auch der Breite zu Gute kommen und letztendlich zu einer Verbreiterung des Spitzensegments führen.

Reinhold Pühringer

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