Doch keine "Olympia-Touristen"!

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Exklusiv: Darabos' post-olympischer Rückzieher

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Fragt man heimische Sportlerinnen und Sportler nach ihrer Meinung zu Minister Norbert Darabos, so sind die Reaktionen zumeist gleich.

Erst werden die Augen verdreht, dann der Kopf geschüttelt, zur Person sagen möchte dieser Tage kaum jemand etwas.

Der für den Sport und das Bundesheer zuständige Burgenländer hat sich in den letzten Tagen und Wochen nicht nur keine neuen Freunde gemacht, sondern – schlimmer noch – auch jene vergrault, die ihm bislang neutral gegenübergestanden sind.

Entschuldigung im Postkasten

Warum? Nach seiner Rückkehr aus London hatte Darabos, der schon davor kaum ein Fettnäpfchen ausgelassen hat (Stichwort: Doping im Breitensport; Anm.), heftige Kritik am Abschneiden des ÖOC-Teams geübt und die rot-weiß-roten Vertreter in London kollektiv als "Olympia-Touristen" abgestempelt und verunglimpft.

Und das, obwohl die Spiele zu diesem Zeitpunkt gerade einmal eine Woche alt waren und mit dem Kajak-Duo Viktoria Schwarz/Yvonne Schuring zumindest eine große Medaillenhoffnungen noch gar nicht ins Geschehen eingegriffen hatte.

Jetzt ist es der Minister, der zurückrudert: Nämlich mit einem Brief an alle 70 Sportlerinnen und Sportler, die Österreich ohne Medaillenerfolg in London vertreten haben.

LAOLA1 liegt der Brief, in dem sich Darabos für seinen Spruch von den "Olympia-Touristen" entschuldigt und den Medien den „Schwarzen Peter“ zuschiebt, exklusiv vor.

Hier das Schreiben im Original-Wortlaut!

 

Sehr geehrte/r Sportler/in,

die Olympischen Spiele 2012 sind vorüber. Die Spiele sind das wichtigste Sportereignis der Welt und bewegen auch in unserem Land viele Menschen. Das beweist auch die öffentliche Diskussion, die in den letzten Tagen geführt worden ist.

Es ist mir wichtig, Ihnen auf diesem Weg nochmals meine Anerkennung und meinen Dank auszusprechen, da in den Medien vereinzelt ein falsches Bild entstanden ist. Für unser Land sind diese Spiele – zumindest was die Medaillen betrifft – nicht so erfolgreich verlaufen, wie erhofft. Aus Gesprächen mit vielen SportlerInnen kenne ich die Schwierigkeiten und Probleme, die auf dem Weg zu einem solchen Großereignis zu bewältigen sind. Ich war und bin der Meinung, dass wir vor allem die Strukturen verbessern müssen, wenn wir Erfolge in Zukunft erleichtern wollen. Meine Kritik galt daher dem System und nicht Ihnen und Ihrer Leistung.

Durch eine fokussierte Vorbereitung und ihre Leistungen ist es Ihnen gelungen, an diesem weltweit bedeutendsten Sportereignis teilzunehmen. Diese Leistung verdient Respekt und hat für unser Land eine große Bedeutung. Als Spitzensportler erfüllen Sie damit gerade für junge Menschen eine Vorbildrolle, die nicht nur für den Sport selbst, sondern für unsere ganze Gesellschaft von Bedeutung ist.

Sie wissen aus eigenen Erfahrungen wo es Verbesserungspotentiale gibt, deshalb bin ich für Vorschläge und Anregungen dankbar. Gerne stehe ich auch für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg und hoffe, dass Sie dem Österreichischen Sport verbunden bleiben.

Mit sportlichen Grüßen

Norbert Darabos

 

Angst vor Darabos

Wie LAOLA1 aus zahlreichen Gesprächen mit Sportlerinnen und Sportlern vor, während und nach den Olympischen Spielen erfuhr, trauen nur die wenigsten dem Sportminister zu, dass er das heimische System reformiert und den (Sommer-)Sport mit seinem Konzept in die Erfolgsspur bringt.

Vielmehr regiert seit der Ankündigung des 48-Jährigen, in Zukunft vor allem sogenannte Prime-Sportarten fördern zu wollen, die Angst vor einer ungewissen, weil nicht mehr finanzierten Zukunft.

Doch inwieweit müssen sich die Sportlerinnen und Sportler vor der jüngsten Darabos-Idee "fürchten"?

"Mein wichtigster Beraterkreis"

Bereits 2009 rief Darabos unter dem Titel „Sportler für den Sport“ eine Task Force ins Leben, bei der unter der Leitung von Nik Berger frühere und aktive Stars die Zukunft des österreichischen Sports mitgestalten sollten.

„Die Sportler sind mein wichtigster Beraterkreis, sie stehen im Mittelpunkt“, sagte der glühende Rapid-Fan Darabos damals.

An der ersten Gesprächsrunde nahmen 44 ehemalige beziehungsweise noch aktive Spitzensportler teil, darunter Markus Rogan (leitete die Arbeitsgruppe „Sport und Beruf“), Eva Janko, Petra Kronberger oder Werner Schlager (zuständig für „Sportstätten und Trainingsumfeld“).

Nur wenig Interesse

Darabos fand es damals wichtig, dass die Sportler „die Möglichkeit haben, aktiv mitzugestalten und Richtungen für die Zukunft des Sports in Österreich vorzugeben“.

Rogan und Co. sahen das etwas anders. Zur zweiten Runde fanden sich 20 Teilnehmer ein, bei der dritten war es gerade noch ein Dutzend.

Die angekündigten Konzepte verstauben heute in einem Aktenschrank im Ministerium.

 

Stephan Schwabl/Reinhold Pühringer

 

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