Frauen entschuldigen sich, Männer nicht!

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Schon als Kind wollte Nicole Trimmel eine „Kämpferin“ werden.

Heute hat sich die 29-jährige Osliperin (Burgenland) fast all ihre sportlichen Träume erfüllt. Sie ist mehrfache Welt- und Europameisterin im Kickboxen. Erst vergangene Woche konnte sich Trimmel bei der WM in Skopje zur Leichtkontakt-Weltmeisterin küren.

Nicht genug für den frischgebackenen Champ, läutet sie doch bereits nächste Woche die nächste Runde ein.

Bevor sie zu den Vollkontakt Weltmeisterschaften in Dublin fährt, trifft LAOLA1 Österreichs erfolgreichste Kickboxerin und spricht mit ihr über ihre Lust am Kämpfen und warum viele Männer vor ihr in die Knie gehen.

LAOLA1: Besonders Damen fürchten beim Boxsport oft um ihre Nasen. Deine ist noch wunderbar in Form - wie das?

Trimmel: Anscheinend bin ich so gut, dass man mich nicht trifft! So schnell bricht man sich auch nicht gleich etwas. Aber die Nase ist in unseren Sportarten bzw. speziell im Boxen natürlich schon ein markanter Angriffspunkt.

LAOLA1: Wie kam es dazu, dass du so früh mit dem Kickboxen angefangen hast? Mädchen in diesem Alter wissen oft gar nicht, dass es Kickboxen überhaupt gibt.

Nicole Trimmel: Ich war immer schon sehr sportlich und habe diverse Sportarten ausprobiert. Aber schon als kleines Kind stand für mich fest, dass ich einmal einen Kampfsport erlernen will.

Ich war einfach fasziniert von der Körperbeherrschung, der Akrobatik und Ästhetik dieser Sportarten. In meiner Umgebung gab es damals nicht viele qualitative Angebote an Kampfsportarten und so bin ich über eine Bekannte zum Kickboxen gekommen.

Ich habe diesen Sport immer mit großer Leidenschaft betrieben und so ist das noch heute. Ursprünglich hatte ich aber nie vor, Wettkämpfe zu bestreiten.

LAOLA1: Welche Erfolge sind dir persönlich am wichtigsten?

Trimmel: Der erst kürzlich erkämpfte WM-Titel im Leichtkontakt-Kickboxen, da es mein Comeback nach einer Knie-OP war. Und der WAKO PRO-WM-Gürtel im Vollkontakt-Kickboxen, den ich 2009 in meiner Heimatgemeinde Oslip erkämpft habe.

Ich war eine der Eventorganisatoren und somit auch der Hauptact dieses Abends. Nach zehn Runden Kampfzeit und vor 1000 Zusehern, durfte ich den WM-Gürtel übernehmen.

Kickboxen ist kein "Haudrauf-Sport"

LAOLA1: Nach diesem Triumph wirst du diese Woche an der Weltmeisterschaft für Vollkontakt teilnehmen. Wie siehst du deine Chancen?

Trimmel: Ich zähle sicherlich auch im Vollkontakt zum Kreis der Favoritinnen. Bei der letzten WM 2009 konnte ich bereits Silber erkämpfen. Ich kann ganz locker nach Dublin fahren, denn einen WM-Titel habe ich schon in der Tasche.

LAOLA1: Liegen deine Prioritäten im Leichtkontakt oder eher im Vollkontakt?

Trimmel: Ich komme ursprünglich aus dem Leichtkontakt, wo auf der Matte gekämpft wird. In den  letzten zwei, drei Jahren habe ich meinen Schwerpunkt allerdings auf das Vollkontakt-Kickboxen, das im Ring gekämpft wird, gelegt.

LAOLA1: Wie darf man sich die Vorbereitung einer Kickboxerin vorstellen?

Trimmel: Die Vorbereitung ist sehr umfangreich und abwechslungsreich zugleich. Es gibt einen Gesamtkoordinator, nämlich Andreas Vock, und mit Ernst Dörr einen eigenen Techniktrainer. Alles ist gut abgestimmt und das Puzzle passt perfekt zusammen.

LAOLA1: Mit der Randsportart Kickboxen wird man nicht überleben können. Wie sieht der Tag einer Nicole Trimmel aus?

Trimmels Nase ist noch ganz

Trimmel: Ich bin hauptberuflich im öffentlichen Dienst tätig und arbeite 30 Stunden im Sportreferat der burgenländischen Landesregierung, wo ich für ein Volksschulprojekt namens „Urfit-Ich mach dich fit!“ verantwortlich bin.

Nach der Arbeit geht es natürlich gleich weiter zum Training. Beim Kickboxen ist man natürlich auch auf die Unterstützung von Sponsoren oder Förderinstitutionen angewiesen.

LAOLA1: Wo siehst du deine Stärken im Kickboxen, wo deine Schwächen?

Trimmel: Meine Stärke ist sicherlich die Kampferfahrung und die Übersicht im Kampf. Physisch habe ich momentan eine Top-Verfassung, die mir sicherlich auch sehr zu Gute kommt.

Es gibt immer etwas, das man verbessern kann. In kleinen Feinheiten steckt oft großes Potential.

LAOLA1: Was sagst du zu Leuten, die glauben, Kickboxen wäre nur ein stumpfer "Haudrauf-Sport"?

Trimmel: Die liegen leider weit daneben und haben wenig Ahnung von dieser Sportart. Kickboxen und Kampfsport generell verfolgt eine ganz andere Philosophie.

Es steckt sehr viel Technik, Taktik, Gefühl, Beherrschung, Kontrolle und vor allem Kondition dahinter. Kickboxen stellt ein sehr hohes Anforderungsprofil an die Athleten.

LAOLA1: Vermutlich warst und bist du im Training meist die einzige Frau unter Männern - gibt es diesbezüglich Vor- oder Nachteile?

Trimmel: Meine Trainingspartner waren und sind fast immer ausschließlich Männer gewesen. Ich persönlich habe es immer sehr zu schätzen gewusst und dadurch sicherlich sehr profitiert.

Körperlich war ich immer gefordert und noch heute lasse ich Männer im Ring oder auf der Matte ziemlich im Regen stehen. Frauen entschuldigen sich oft nach jedem Treffer – bei Männern gibt’s das nicht!

 

Das Gespräch führte Patricia Kaiser

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