WM als Einstieg: "Morgi" frönt der Heli-Leidenschaft

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Er liebt das Spiel mit der Luft.

Mehr als ein Jahrzehnt hob Thomas Morgenstern von den Skisprungschanzen der Welt ab. Sieben Sekunden ohne Boden unter den Füßen, sieben Sekunden im Spiel mit dem Element.

2014 hat der Kärntner nach einigen schweren Stürzen und unzähligen Erfolgen seine Karriere beendet, das Spiel mit dem Gasgemisch fasziniert den 28-Jährigen aber weiterhin.

„Morgi“ hat sich schon vor einigen Jahren der Fliegerei verschrieben. Der Hubschrauber-Fliegerei, um genau zu sein.

"Das Herzerl beginnt zu pumpern"

Nachdem 2008 der Flugschein für den Flächenflieger seinen Einstieg darstellte, folgte vier Jahre später die Hubschrauber-Ausbildung. „Ich wollte mich weiterentwickeln, weil mich das Heli-Fieber gepackt hat“, erklärt der ehemalige ÖSV-Adler bei einer Flugstunde in der Bundesheer-Kaserne Aigen im Ennstal.

Wenn er in einem Helikopter sitzt, steigt das Lustempfinden. „Mir stehen die Augen raus, das Herzerl beginnt zu pumpern“, erklärt er dieses besondere Gefühl in seiner ihm eigenen Art.

Im vergangenen Jahr folgte schließlich die Bekanntschaft mit dem Heli-Team Austria. Dem dreifachen Olympiasieger wurde empfohlen, an Wettkämpfen teilzunehmen, schließlich gäbe es da 2015 die Weltmeisterschaft in Polen.

Heli-WM "ein guter Einstieg"

Gesagt, getan, steht Morgenstern in den kommenden Tagen vor seiner größten Prüfung im Hubschrauber-Business. Von 9. bis 17. August treffen sich die besten Piloten der Welt, um in Przylep in vier Disziplinen (Navigationsflug, Präzisionsschwebeflug, Fender Rigging und Slalom) ihre Nummer eins zu suchen. Morgenstern ist mittendrin statt nur dabei.

Und das, obwohl er bislang noch nie einen Wettbewerb bestritten hat. „Ich starte mit der WM. Ein guter Einstieg“, lacht Morgenstern, der schon immer die Herausforderung suchte.

Chancen auf einen Spitzenplatz hat er freilich nicht, in der Rookie-Wertung (bis 250 Flugstunden) will er sich jedoch möglichst beachtlich aus der Affäre ziehen. „Sie ist eine Befriedigung des Egos, damit man nicht ganz so schlecht aussteigt“, freut er sich über diese Sonderwertung.

In dieser könne man sich realistisch messen, alles andere wäre vermessen. „Ich habe natürlich nicht die Erfahrung und das Training von Leuten, die Tausende Stunden haben.“ Ihm zur Seite steht Fluglehrer Philipp Köhle, der als Co-Pilot sein engster Vertrauter ist.

Den Fans etwas zurückgeben

„Ich glaube, dass wir gut am Weg sind und uns gut ergänzen. Ich bin gespannt, wo wir uns in der allgemeinen Klasse wiederfinden“, erklärt der Kärntner, der die WM auch nutzen will, um „dem einen oder anderen Fan in Polen etwas zurückzugeben.“

Der Skisprung-Rekordweltmeister genießt in der Heimat von Adam Malysz und Kamil Stoch höchste Anerkennung und hofft, viele seiner Fans bei den Titelkämpfen begrüßen zu dürfen.

Inwieweit Morgenstern die Fliegerei auch künftig wettbewerbsmäßig verfolgen will, ist noch unklar. Das Fliegen wird ihn jedoch definitiv weiterhin begleiten. Nicht umsonst hat er sein Sparschwein geplündert, um sich einen eigenen Helikopter zu kaufen.

Karriere als Rettungsflieger?

„Ich bin stolzer Besitzer eines Hubschraubers. So ist es (auf Dauer) günstiger, als ständig einen Hubschrauber zu chartern.“ Zudem kann er die Berufspilotenausbildung mit seinem neuen „Spielzeug“ bestreiten, da dieses die entsprechende Ausrüstung dafür hat.

Diese Ausbildung will er auf jeden Fall machen. „Um mich weiterzuentwickeln“, wie er bestätigt. Für die Zukunft will er nicht ausschließen, in der Rettungsfliegerei Fuß zu fassen. „Das ist definitiv eine coole Sache“, sieht er darin einen besonderen Reiz. Ganz so einfach wäre dieses Unterfangen allerdings nicht. „Es benötigt sehr viel Glück und auch Erfahrung.“

Letztere will er Schritt für Schritt sammeln. Die Heli-WM in Polen ist dabei ein wichtiger Schritt.


Christoph Nister

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