Angekommen im MMA-Himmel

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Nandor Guelmino - Österreichs erster UFC-Export

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Harte Kicks, hämmernde Schläge, gnadenlose Armhebel und ein Österreicher mittendrin.

Nandor Guelmino ist der erste rot-weiß-rote Fighter, der den Sprung in die US-amerikanische UFC („Ultimate Fight Championship“), der weltweitgrößten Mixed-Martial-Arts-Serie (MMA), geschafft hat.

Am 21. September wird „The Hun“, wie der Kampfname des Schwergewichtlers lautet, in Toronto gegen den Polen Daniel Omielanczuk sein Debüt feiern.

LAOLA1 traf den Wiener im Training und sprach mit ihm über einen Traum, der als Bodyguard des saudi-arabischen Prinzen begann und vielleicht zu einem Playstation-Spiel führen könnte:

 

LAOLA1: Nandor, du bist der erste Österreicher, der es in die UFC schafft. Etwas, dass dich wahrscheinlich sehr stolz macht, oder?

Nandor Guelmino: Auf jeden Fall! Besonders auch deswegen, weil MMA in Österreich bis vor einigen Jahren noch fast unbekannt war. Daher ist es ein schönes Stück Arbeit, es von diesem Land aus erreicht zu haben.

LAOLA1: Man kann ruhig von einer sportlichen Sensation sprechen. Wie ist es dazu gekommen?

Guelmino: Es ist eine Sensation, mit der ich bis vor einigen Jahren selbst nicht gerechnet hätte. Im Endeffekt verdanke ich das meinen Leistungen und meinem Management.

LAOLA1: Dein Kamprekord steht bei elf Siegen und vier Niederlagen. Niederlagen sind im MMA allerdings alles andere als angenehm.

Guelmino: Ich bin noch nie k.o. gegangen. Die Schläge im Kampf spürt man nicht so deutlich. Man spürt ein Hämmern, aber man ist in erster Linie froh, dass man nicht k.o. geht, wenn man eine kassiert. Natürlich tut es weh, wenn der Arm einmal durchgebrochen wird, aber das passiert selten, da man ja aufgeben kann. Da ist man dann selbst dran Schuld. Meine Arme sind in dieser Hinsicht noch heil.

LAOLA1: Wie bist du zu MMA gekommen?

Guelmino: Ich war 2001 gemeinsam mit meinem jetzigen Trainingspartner Gerald Turek als Personenschützer bei der saudi-arabischen Königsfamilie in Kairo. Der Prinz hatte UFC-Kämpfe auf DVD. Dort haben wir so etwas zum ersten Mal gesehen. Es hat uns sofort sehr interessiert. 2002 sind wir nach Österreich zurückgekehrt und wollten eine Freefight-Schule besuchen. Es hat aber nichts gegeben. Erst nach einem Jahr hat schließlich eine Thaibox-Schule in einem Keller Freefight-Training angeboten. Geri und ich waren somit die ersten, die MMA in Wien trainiert haben. Seither hat sich viel getan, wie man an der stetig steigenden Zahl an Studios sehen kann.

LAOLA1: Gibt es Techniken von deiner Tätigkeit als Personenschützer, die du im Käfig anwendest?

Guelmino: Techniken nicht, aber es bringt mir anderweitig sehr viel. Durch Personenschutz weiß ich, wie ich mich in Extremsituationen verhalten muss. Wenn ich in einen Kampf hineingehe, dann weiß ich, wie ich darauf reagiere, wie ich damit umgehen muss. Da geht es um die Kontrolle meiner Emotionen und ob ich meine Techniken überhaupt anwenden kann. Weil wenn ich etwas im Training beherrsche, heißt das noch nicht, dass ich die Technik auch in einer Stresssituation anwenden kann. Das muss ich automatisiert haben.

LAOLA1: Du betreibst die Sportart professionell. Wie sieht dein Alltag aus?

Guelmino: Gerald und ich sind nach wie vor als Personenschützer tätig. Wir haben das Glück, dass unsere Firma das Training toleriert. Auch während der Arbeitszeit. Deshalb können wir mehrmals täglich trainieren. Ansonsten wäre es praktisch unmöglich, lediglich mit abendlichen Training in einer professionellen Liga mitzuhalten.

LAOLA1: MMA ist eine sehr komplexe Sportart. Was trainierst du da alles?

Guelmino: Ich trainiere unter anderem Thaiboxen, Boxen, Jiu Jitsu, Ringen, dazu noch die ganzen Konditionseinheiten wie Laufen, Krafttraining oder Cross-Gym-Training.

LAOLA1: Wie sieht die Vorbereitung auf dein MMA-Debüt aus?

Guelmino: Bis dahin habe ich noch rund zehn Wochen Zeit. Im Augenblick trainiere ich noch Grundlagen und Kondition. Außerdem viel Technik, um mich auf meinen Gegner einzustellen. Ich automatisiere die Abläufe. In den letzten sechs Wochen beginne ich mit Intervall-Training, Sprints und Sparrings-Einheiten. Da wird es dann hart.

Nandor Guelmino und Gerald Turek schenken sich im Training nichts

LAOLA1: Was weiß du schon über deinen Gegner Daniel Omielanczuk?

Guelmino: Mein Trainer hat ihn bereits analysiert. Er ist mehr der Techniker und guter Bodenkämpfer. Dort setzt er sein Gewicht sehr gut ein. Er hat etwas mehr Bauch, ist also stark in der Mitte. Aber ich bin sehr motiviert und glaube, dass ich gewinnen werde.

LAOLA1: Die UFC ist eine Riesen-Show mit enormem Zuschauer-Interesse und viel Drumherum. Was erwartet dich dort?

Guelmino: Man kann sich nicht vorstellen, was sich dort abspielt. Ich habe letztens schon in der US-amerikanischen Serie Strikeforce kämpfen dürfen. Dort ist das wie ein Nationalsport. Wenn man dorthin kommt und die Leute hören, dass du MMA machst, sind alle begeistert. Jeder kennt es – vom Taxler über die Verkäuferin bis zur 70-jährigen Oma. Das ist eine komplett andere Welt. Die Faszination dafür ist riesig.

LAOLA1: Hältst du so einen Boom irgendwann auch in Österreich für möglich?

Guelmino (lächelt): Das dauert noch ewig, bis es so ähnlich wird wie dort. Die US-Kämpfer haben es sehr gut. Die fahren von Bundesstaat zu Bundesstaat und trainieren so mit den unterschiedlichen UFC-Kämpfern. Von denen gibt es dort ja genug. In Österreich wird es eine vergleichbare Situation nicht so schnell geben (lacht).

LAOLA1: Mit 37 Jahren bist du nicht mehr der Jüngste.

Guelmino: Ja, aber ich fühle mich fit. Ich habe erst ziemlich spät zu kämpfen begonnen, daher bin ich auch nicht ausgebrannt. Manche stehen schon mit 16 im Käfig, klar sind die dann mit 30 ausgebrannt. Ich habe erst 2007 angefangen.

LAOLA1: Wir sprechen von einer technisch hoch anspruchsvollen Sportart. Du hast aber einige Jahre auch Bodybuilding gemacht. Laut Trainingslehre ist intensives Krafttraining nicht förderlich für koordinative Leistungen.

Guelmino: Für Kampfsport bringt dir Bodybuilding im Endeffekt nichts. Die Masse, die mir geblieben ist, hat aber auf alle Fälle etwas gebracht. Damals hatte ich 120 kg, jetzt habe ich 105. Mein Arzt, der mich schon von früher kennt, meint, dass sich meine Muskulatur seither vollkommen verändert hat. Früher war sie steinhart, jetzt ist total weich. Damals war ich verkürzt, die Muskeln waren verhärtet. Jetzt habe ich viel mehr Ausdauer-Muskulatur. Das hat sich komplett gewandelt und hat nichts mehr mit Bodybuilding zu tun.

LAOLA1: Das Niveau in der UFC ist sehr hoch. Geht man da mit einer Portion Respekt an die Sache heran?

Guelmino: Respekt ja, aber es macht mich jetzt nicht fertig. Die Größe der Bühne bin ich von anderen Kämpfen praktisch eh schon gewöhnt. Damit kann ich umgehen.

LAOLA1: In welchen Sphären bewegt man sich in der UFC finanziell?

Guelmino: So viel ist das nicht, auch wenn ich mehr bekomme, als ein normaler Einsteiger. Aber ich lebe nach wie vor in erster Linie von meinem Beruf als Personenschützer. Klar, wenn ich gewinne, bekomme ich mehr, aber gewinnen möchte ich schon alleine wegen dem Playstation-Spiel.

LAOLA1: Was meinst du genau?

Guelmino: Es gibt ja ein UFC-Spiel für die Playstation. Und die Chance besteht, dass ich beim nächsten auch darin vorkomme. Das wäre cooler, als das ganze Geld, das ich da bekommen könnte.

 

Das Interview führte Reinhold Pühringer

 

Nandor Guelmino möchte sich bei seinen Sponsoren, Fans, Groundandpound, Trainern und Freunden bedanken. Für die Unterstützung bei Fernando Paulon, Hans Senfter, und Grigor Aschugbagjan von Ironfist, bei Herman Bendl, Mario Ivkic vom Jab Club sowie bei Richard Stauder und Rolando Prager vom Crossbus.

LAOLA1: Hast du Vorbilder in der UFC?

Guelmino: Ja, sicher. Der aktuelle Schwergewichts-Champ Cain Velasquez oder auch Junior dos Santos. Jon Jones gefällt mir sehr gut. Der ist ein kompletter Fighter. Er macht einfach alles. Der wechselt die Auslage, kann die Ellbogen einsetzen, bringt das fliegende Knie, Ringen, am Boden ist er sehr gut – es gibt nichts, was der nicht kann.

LAOLA1: Was ist deine große Stärke?

Guelmino (überlegt kurz): Ich bin überall relativ stark, bin ziemlich ausgeglichen. Ich habe mich im Stehen genauso entwickelt wie am Boden. Es kommt immer auf den Gegner drauf an. Für mein Gewicht bin ich auch sehr kräftig.

LAOLA1: Wo siehst du noch Defizite oder Dinge, an denen du in den nächsten zehn Wochen noch arbeiten wirst?

Guelmino: Defizite habe ich eigentlich nicht. Mein Trainer schaut sich meinen Gegner an, erarbeitet mit mir Strategien, wie ich auf seine Techniken reagieren kann. Damit haben wir bereits angefangen. Wenn alles ausgelöscht ist, in dem er stark ist, dann gibt es nichts mehr zu befürchten.

LAOLA1: Angefangen hast du im Schüler-Alter mit Taekwondo. Betrachtet man aber deine Kämpfe, entsteht der Eindruck, dass von diesem Kampfstil nichts mehr übrig ist.

Guelmino: Es ist schwer, Taekwondo im MMA einzusetzen. Als ich angefangen habe zu kämpfen, habe ich mich nicht zu treten getraut. Im letzten Jahr hat sich da viel geändert. Vieles, was du in den Videos von meinen Kämpfen siehst, zeigt nicht, wie ich jetzt bin. Mittlerweile kämpfe ich insbesondere am Boden komplett anders. Meine Gegner können mich nicht mehr einschätzen. Im Stehen habe ich mich auch sehr entwickelt. Ich übe jetzt seit einem Jahr den gesprungenen Drehkick. Instinktiv kann ich den ja seit klein auf, ich habe ihn in mir. Nur habe ich im Laufe der Jahre vergessen, darauf zurückzugreifen. Mein Trainer hat mich daran erinnert. Normalerweise braucht man über ein Jahr, bis dass man solche Kicks beherrscht. Ich kann ihn aber schon, muss ihn nur noch verfeinern.

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