Matschiner: "Warum ist immer noch nichts passiert?"

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Der 2010 zu einer teilbedingten Haftstrafe verurteilte Ex-Sportmanager Stefan Matschiner hat sich laut einem Bericht der "Sportwoche" mit den hochrangigen Vertretern der Anti-Doping-Agenturen aus den USA und den Niederlanden ausführlich über seine Erfahrungen als ehemaliger Dopingdealer unterhalten.

Matschiner sei in seinem Heimatort Laakirchen acht Stunden über "Netzwerke, ehemalige Kunden, Humanplasma, Turin und die Tricks der Dopingsünder" ausgefragt worden, hieß es in der aktuellen Ausgabe des Blattes.

Matschiner bestätigte das Treffen am Mittwoch gegenüber der APA. Über den Inhalt des Gesprächs habe man aber Stillschweigen vereinbart.

Kooperation mit NADA möglich

Grundsätzlich sei er auch zur Zusammenarbeit mit der österreichischen Anti-Doping-Agentur (NADA) bereit, davor müsse die NADA aber einige Fragen beantworten, so Matschiner.

"Was ist mit den Ruderern, die nachweislich bei Humanplasma waren? Warum ist in diesem und anderen Fällen immer noch nichts passiert?", fragte der Ex-Betreuer von Bernhard Kohl, Christian Hoffmann sowie einigen anderen bereits vor Jahren des Dopings überführter Spitzenathleten aus dem In- und Ausland.

"Nichts Neues"

NADA-Geschäftsführer Michael Cepic hielt im APA-Gespräch fest, dass man selbstverständlich an der Aufklärung aller Fälle interessiert sei. Aktuell seien zwei Altfälle anhängig, verriet Cepic, auf Details könne er aber nicht eingehen. Matschiner habe ihm gegenüber vor einigen Monaten betont, dass er von sich aus nichts über seine ehemaligen Doping-Kunden sagen wolle.

Außerdem habe die Unterhaltung Matschiners mit den Kollegen aus dem Ausland "nichts Neues" ergeben, es seien nach Angaben der beiden internationalen Agenturen lediglich alte Fakten etwas detaillierter ausgeführt worden. Dementsprechend wäre eine neuerliche Kontaktaufnahme mit Matschiner wohl nicht sehr ergiebig, glaubt Cepic.

Kontakt besteht

Mit den Kollegen aus dem Ausland sei vereinbart worden, dass man auch noch einen schriftlichen Bericht über das Gespräch mit Matschiner erhalten werde. "Wir stehen in Kontakt und warten den Bericht ab. Wenn wir daraus etwas ziehen können, werden wir sicher weitertun", sagte Cepic, der seit August des Vorjahres Chef der NADA ist. Auch die mit der Verhandlung von Dopingfällen beauftragte Rechtskommission ist 2012 neu besetzt worden.

Auf die bereits seit Monaten rechtskräftige Verurteilung von Langlauf-Olympiamedaillengewinner Michail Botwinow wegen Falschaussage über seinen Humanplasma-Besuch und andere in alten Strafakten auftauchende etwaige Dopingvergehen angesprochen verwies Cepic auf die Durchforstung von 15.000 Aktenseiten durch einen im Februar bestellten NADA-Juristen.

Matschiner sagte, dass es grundsätzlich richtig sei, dass er gegenüber Cepic die Nennung von Namen ausgeschlossen habe. Wenn er aber einen Anreiz zur Aussage geboten bekommen sollte, könne er sich schon vorstellen, sein derzeit beschauliches Leben wieder in unruhigere Gewässer zu führen. "Ich könnte sicher dazu beitragen, gewisse Dinge zu beschleunigen", behauptete Matschiner.

"Nicht unterschätzen"

Seine im März getätigte Aussage, dass auf Österreich "eine Lawine zurolle", könne aber durchaus auch ohne seine Mitarbeit Realität werden, vermutet der Ex-Leichtathlet. "Man sollte das nicht unterschätzen, es gibt mittlerweile einige, öffentlich noch nicht bekannte Aussagen, die auch ohne positiven Dopingtest zu Verurteilungen führen können", erklärte Matschiner, der im Vormonat auch gemeint hatte, dass ihm langsam die Argumente ausgingen und er nicht wisse, warum er für andere lügen solle.

Dass gegenüber den Agenturen aus den USA und den Niederlanden - wie von der Sportwoche berichtet - die Namen Hoffmann, Botwinow, Wolfgang Rottmann und vieler anderer früherer und aktueller österreichischer Wintersportler, aber auch internationaler Rad-Asse erörtert worden sein sollen, wollte der Ex-Leichtathlet nicht bestätigen.

Rabobank unter Verdacht

In seiner 2011 erschienenen Biografie hatte er über 35 Humanplasma-Kunden, darunter die Hälfte Österreicher und namhafte Wintersportler, berichtet.

Öffentlich bekannt geworden und dafür auch bestraft worden ist bisher aber erst rund ein Dutzend davon, darunter die rot-weiß-roten Sportstars Hoffmann, Kohl und Stephanie Graf.

Auch das niederländische Rabobank-Radteam soll sich unter Regie von Matschiner zu Dopingzwecken in Wien aufgehalten haben, deshalb das Interesse der niederländischen NADA.

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