Es geht um die Weltherrschaft

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Marius Vizer - Big Player oder Schachfigur?

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Der Flüchtling, der jetzt einer der mächtigsten Sportfunktionäre der Welt ist.

Der Netzwerker, der ein Konkurrenz-Produkt zu den Olympischen Spielen plant.

Der Österreicher, den im eigenen Land kaum jemand kennt.

Das alles ist Marius Vizer. Ende der 80er-Jahre flüchtete der gebürtige Rumäne via Ungarn nach Österreich. Vor knapp zwei Wochen wurde der 55-Jährige zum Präsidenten von SportAccord, der internationalen Dachorganisation aller olympischen und nicht-olympischen Sportarten, gewählt.

Seine bei seinem Antritt geäußerten Ideen sind revolutionär: Eine Art „Super-WM“, bei der alle 91 Sportarten an einem Ort ausgetragen werden. Ein Angriff auf den bislang scheinbar unantastbaren Status des IOCs. So wirkt es zumindest.

Vizer, der Visionär

Die der „Super-WM“ zugrunde liegende Idee ist schnell erklärt. „Es geht darum, die Nationalverbände zu unterstützen, weil diese gemeinsam mit den Weltverbänden die wichtigste Rolle im Sport spielen“, führt Vizer im Gespräch mit LAOLA1 aus.

Hand in Hand mit der Super-WM möchte er eine weltweite Sport-Lotterie einführen sowie eine Sport-Bank gründen. Das klingt nach Geld. Viel Geld. Deren Gewinne sollen in erster Linie dem Sport zugutekommen, wie Vizer beteuert.

„Der aktuelle Zustand der Weltwirtschaft ist sehr schwierig. Deshalb wäre es wichtig, wenn alle Verbände alle vier Jahr gemeinsam ein großes Event haben, um damit unsere Athleten und Nationalverbände pushen zu können.“

Vizer, der Diplomat

Als großen Affront gegen die Olympische Bewegung notierte die Weltpresse Vizers Pläne. Er selbst spielt dies herunter, schließlich gehe es um das Miteinander von allen. „Diese WM soll auch in Partnerschaft mit dem IOC und der Gemeinschaft der Nationalen Olympischen Komitees umgesetzt werden“, versucht Vizer die Wogen zu glätten.

Der scheidende IOC-Boss Jacques Rogge hatte sich nur sehr spärlich zu Vizers Vorstellungen geäußert. Dies tat er allerdings sehr kritisch. Der Belgier sehe wenig Chance für die Etablierung eines derartigen Events, schließlich habe der Dachverband der Sommersportarten (ASOIF) bereits moniert, dass der internationale Kalender ohnedies schon zu überfüllt sei.

Vizer dazu: „Das stimmt, dass ASOIF-Chef Francesco Ricci Bitti so etwas gesagt hat, aber es ist nicht ganz richtig wiedergegeben worden. Das trifft nämlich nur auf Veranstaltungen zu, die keine finanziellen Dividenden anbieten. Aber das ist bei uns nicht der Fall.“

Es sei alles mehr eine Frage der richtigen Argumente. Eigentlich keine neue Erkenntnis.

Vizer, der Macher

Der immense logistische Aufwand bei Olympischen Spielen wirft die Frage auf, wie ein Event, bei dem mehr als doppelt so viele Sportarten abgewickelt werden sollen, überhaupt zu bewerkstelligen sei.

Laut Vizer sei das durchaus machbar. Freilich nicht in einer einzelnen Stadt. „So eine WM soll in einem Land auf verschiedene Regionen oder auf zwei, drei mittelgroße Länder aufgeteilt werden“, denkt er voraus.

Von der dadurch geschaffenen Infrastruktur soll der Sport profitieren. So zumindest der Plan.

Vizer, die Marionette?

Die Verbindungen und politischen Seilschaften hinter den Kulissen der mächtigen Sportverbände sind zweifellos sehr komplex, doch wenn es jemand versteht, die richtigen Freunde zu haben, dann ist das offensichtlich Marius Vizer.

Er kann mit dem russischen Präsidenten Vladimir Putin und Scheich Ahmad al-Sabah aus Kuwait die beiden einflussreichsten Persönlichkeiten der internationalen Sportpolitik hinter sich wähnen.

Mit Putin verbindet ihn nicht nur das gemeinsame Interesse für Judo, sondern auch eine enge Freundschaft. Mehr sei da auch nicht, versucht Vizer stets zu betonen. Etwaige Treffen, bei denen es um künftige Einflussnahmen auf das Weltsport-Geschehen gegangen ist, bestreitet er.

Auch etwaige Unterstützung bei der Wahl Vizers zum Präsidenten des Judo-Weltverbandes (IJF) im Jahr 2007 verneint er vehement. Er habe alles alleine geschafft. Inwieweit das auch auf die Wahl zum SportAccord-Präsidenten zutrifft, sei jedoch dahingestellt.

Der deutsche „Spiegel“ berichtet, dass ein Vertrauter Sabahs bereits am Vortag die 52 Stimmen für Vizer exakt angekündigt hat. Gegenkandidat Bernard Lapasset (37 Stimmen), Präsident des Rugby-Weltverbandes, wurde übrigens von Rogge in das Rennen geschickt. Ein deutlicher Fingerzeig, wie es um die Kräfteverhältnisse beschaffen ist.

Sabah, der innerhalb der Szene als „Königsmacher“ gilt, wurde nach der Wahl Vizers beglückwünscht. Seine Verbindungen reichen bis tief in die einzelnen Sportverbände. Von Fußball über Gewichtheben bis Handball, sein Netzwerk sowie seine finanziellen Ressourcen sind enorm. Deshalb wird auch die Wahl des neuen IOC-Präsidenten im September nur über sein Wohlwollen führen.

Vizer wirkt in diesem Spiel der Mächte mehr wie eine Schachfigur. Zumal Putin in der Sportpolitik zuletzt einige Male sehr eindrucksvoll seine Muskeln spielen ließ. Die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi, die Leichtathletik-WM 2013 in Moskau, die Universiade 2013 in Kazan, die Judo-WM 2014 in Chelyabinski, die Fußball-WM 2018 oder auch die Formel 1, die ab 2014 in Sotschi gastiert, sollen auf sein Bestreben zurückgehen.

Die "Badische Zeitung" bezeichnete jüngst Vizer gar nur als "Vasall Putins".

Unterm Strich zeichnet sich ein Bild ab, dass die Sportpolitik nicht mehr ist, als ein Betätigungsfeld einiger mächtiger Männer.

Reinhold Pühringer

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