"Früher wurde keiner erwischt!"

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Ligety: "Vielleicht wurde nur keiner erwischt!"

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Es war der Herbst 1998, als die heile Ski-Welt aus ihren Fugen geriet.

„Allein mit Pasta und Müsli“, mutmaßte der Schweizer Alpin-Chef Theo Nadig damals in Richtung Hermann Maier, kämen solche Muskelberge nicht zustande.

Vor allem nicht in so kurzer Zeit. Erst konnte der „Herminator“ noch darüber scherzen. „Zum Glück haben sie nicht nach Viagra gefragt.“

Aber als auch aus Italien Doping-Vorwürfe kamen, verging sogar dem „Herminator“ die Hütten-Gaudi.

Jahre später meinte der unbescholtene Salzburger im Gespräch mit LAOLA1, dass Doping im Skisport „überhaupt nichts bringt“, weil es ja in erster Linie „um die Technik“ geht.

"Macht nur meine Laktat-Tests"

Maier arbeitete am Olympia-Stützpunkt in Obertauern aber unter anderem auch mit dem Sportmediziner Bernd Pansold zusammen.

Und der wurde, als ehemaliger Trainer des Frauen-Schwimmteams der DDR, im Jahr 2000 wegen Dopings an Minderjährigen verurteilt.

Als ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel in Obertauern einstieg, verlangte er ein Ende der Zusammenarbeit mit Pansold, der heute das Trainings- und Diagnostikzentrum von Red Bull in Thalgau leitet, und ging auf Distanz.

Wie auch Maier: „Ich weiß nicht, was er damals in Berlin gemacht hat. In Obertauern macht er für mich Laktat-Tests. Ansonsten gibt es keinen Kontakt.

Positiv auf Nandrolon getestet

Hans Knauß geriet ganz ohne Sportmediziner mit Doping-Vergangenheit im Umfeld mit Doping in Kontakt.

Der Steirer wurde nach der Abfahrt in Lake Louise im November 2004 positiv auf das anabole Steroid Nandrolon getestet und von der FIS für 18 Monate gesperrt.

Mit seinem Wunsch nach Reduzierung der Sperre auf 12 Monate blitzte er beim Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne ab, daraufhin beendete er seine Karriere.

Späte Genugtuung für TV-Experten

Knapp drei Jahre später gab es späte Genugtuung für Knauß, der heute als TV-Experte arbeitet und Bier-Werbung macht.

Er einigte sich mit dem von ihm geklagten US-Nahrungsergänzungsmittelhersteller "Ultimate Nutrition" sowie dessen Rohstoff-Lieferanten kurz vor der Hauptverhandlung außergerichtlich auf eine finanzielle Entschädigung.

„Das ist für mich die letzte Bestätigung, damit ist die Sache vom Tisch!“

Baxter stolpert über Nasenspray

Noch ein Beispiel aus dem Skisport gefällig? Der Brite Alain Baxter holte bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City sensationell Slalom-Bronze.

Doch die Freude währte nur kurz, denn die bei den Spielen genommene Doping-Probe enthielt Spuren des synthetischen Stimulans Methylamphetamin.

Baxter, der über einen Nasenspray stolperte, wurde nachträglich disqualifiziert, Benjamin Raich „erbte“ den dritten Platz und also Bronze.

Alles Schnee von gestern. Und heute? Doping ist im Weltcup-Zirkus kein Thema.

Fünf Prozent, oder einer von 20

Ted Ligety möchte im Gespräch mit LAOLA1 nicht von „einem großen Problem“ sprechen.

Der US-Amerikaner glaubt, dass vielleicht fünf Prozent in der Weltspitze dopen. Streng gerechnet wäre das einer von 20 Rennläufern.

„Im Vergleich zu den Ausdauer-Sportarten wie Radfahren oder Langlaufen schützt uns, dass Doping keine allzu großen Vorteile bringen würde. Es geht mehr um die Technik“, geht der „Mr. Riesentorlauf“ mit Vorgänger Maier konform und ergänzt:

„Hirscher und ich sind zum Beispiel komplett unterschiedliche Typen, trotzdem sind wir beide schnell. Beim Skifahren gibt es keine athletische Komponente, die aussagt, dass du ein guter Skifahrer bist.“

Alles mit rechten Dingen zugegangen?

Wir fragen nach: Wenn in Wengen das Laktat einschießt und die letzten Meter zur Qual werden, kann Doping doch wohl helfen?

„Ja, Doping kann helfen! Aber die Schmerzen in Wengen kannst du mit dem Kopf wettmachen, dafür brauchst du kein Doping.“

In der Vergangenheit, ist sich Ligety sicher, war das Problem ein größeres.

„Da gab es Läufer, die viele Rennen gewonnen haben, bei denen man sich schon die Frage stellen muss, ob da alles mit rechten Dingen zugegangen ist.“

Namen möchte er natürlich keine nennen. „Ich möchte auch nicht sagen, dass damals, Ende der Neunziger, alle gedopt haben. Aber vielleicht wurde auch einfach nur keiner erwischt“, kann und will der streitbare Olympiasieger und Weltmeister nicht glauben, dass es immer mit sauberen Mitteln zugegangen ist.

"Anti-Doping-Regeln nicht für alle gleich"

Ein Problem, findet Ligety, sind die nach wie vor schwammigen Anti-Doping-Regeln.

„Die sind nicht streng genug und bis heute nicht für alle Athleten gleich“, ärgert sich der Gewinner von bislang zwölf Weltcup-Rennen.

„In den USA haben wir ein strenges Kontroll-System, die USADA will Betrüger erwischen. Deshalb werden die Besten getestet, Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordler“, so der 28-Jährige, der nach eigener Aussage im Sommer acht Mal zum Urin- oder Blut-Test antreten musste.

„In anderen Ländern werden große Sportler geschützt, bis sie vielleicht erwischt werden. Ich kenne Rennläufer, die bis zu ihrem ersten Weltcup-Sieg nie getestet wurden. Das ist verrückt!“

 

Stephan Schwabl

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