"Unsere Fans putzen die Deutschen locker weg“

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Tränen gehören im Sport dazu wie Siege und Niederlagen - egal ob im Populärsport oder im Randsport. Emotionen sind das Salz in der sportlichen Suppe.

Das ist in Weltsportarten wie Fußball, in der Formel 1 oder etwa im Tennis genauso wie in weniger frequentierten Sportarten.

Und ein Halbfinale einer Weltmeisterschaft bringt zumeist überall auf der Welt jemanden zum Weinen.

Das war nach der Vorschlussrunde der Faustball-Weltmeisterschaft in Österreich nicht anders. Vor allem nachdem der Gastgeber in einem wahren Krimi Argentinien vor 7.000 ausgelassenen Fans 4:3 niederring.

Verbandsboss mit Tränen in den Augen

Auf der einen Seite schlich eine traurige argentinische Anhängerin durch die feiernden österreichischen Massen, auf der anderen Seite hatte Karl Weiß feuchte Augen.

"Oft halte ich das nicht mehr aus", lachte der ÖFBB-Präsident, nachdem der gefühlte Chef dieses Turniers und designierte IFA-Boss seine beiden Söhne umarmte.

Seine Söhne heißen Dietmar "Dietz" und Martin. Erster ist Kapitän der rot-weiß-roten WM-Mannschaft, Letzterer war Matchwinner gegen die Südamerikaner.

Martin hatte nach dem WM-Titel 2009 eigentlich aufgehört, kehrte aber für die Heim-WM zurück und schaffte den Sprung in den WM-Kader, den ihm nicht jeder zutraute.

Tollhaus Pasching in Ekstase

Und als die Partie nach dem Satzausgleich der Argentinier zu kippen drohte, drehte der Angreifer so richtig auf und ebnete im letzten Satz den Weg zum viel umjubelten Sieg im Tollhaus Pasching.

"Das sind genau meine Aktionen, die hatte ich schon oft. Dafür braucht es aber auch Glück", erklärte der 32-Jährige.

"Argentinien hat mit der Schweiz einen Topfavoriten rausgeworfen. Es hat sich ausgezahlt, dass wir so viele Angriffsvarianten haben und das war der Schlüssel zum Erfolg", freute sich auch Teamchef Klemens Kronsteiner, der wusste: "In jeder Partie gibt es am Ende einen, der das Spiel an sich reißt. Feichtenschlager war es gegen Italien, "Dietz" Weiß gegen Brasilien und heute Martin."

"Einfach nur geil"

Letzterer hatte die Situation kommen sehen.

"Du wirst lachen, aber ich habe genau das vor zwei Wochen geträumt", schilderte er mit einem Grinsen im Gesicht.

"Jetzt ist es einfach nur geil, etwas anderes kann dieses Gefühl und diese Stimmung nicht beschreiben."

Weiß sagte das vor der größten Tribüne in Pasching, die tausenden Fans jubelten ihrem Team zu, im Hintergrund lief erst die Party-Hymne "Das geht ab", wenig später die inoffizielle Nationalhymne "I am from Austria."

Alle Beteiligten sprachen von einer Gänsehaut-Stimmung, das Mindestziel aller Heim-WM-Träume war sportlich erreicht.

Nun steht nur noch Deutschland der erfolgreichen Titelverteidigung im Weg. Der neunfache (Rekord-)Weltmeister fegte Brasilien mit 4:1 vom Platz.

Alles offen gegen Deutschland

Der große Nachbar - und egal in welcher Sportart Erzrivale – fügte Österreich die bisher einzige Niederlage bei diesem Turnier zu.

"Das war in einem Zwischenrundenspiel, in dem beide Kapitäne geschont wurden. Jetzt ist alles offen", schildert Martin Weiß.

Dieser baut bei gleichem Kräfteverhältnis auf die Zuschauer, die mit musikalischer Untermalung ähnlich wie beim Klagenfurter Beachvolleyball-Grand-Slam für großartige Stimmung sorgen.

"Die Deutschen haben zwar ein paar Fans da, aber unsere putzen sie locker weg."

Auf dem Feld soll es nicht anders sein. Und letztlich sollen nach dem Finale wieder Tränen auf österreichischer Seite folgen – Freudentränen!


Bernhard Kastler

 

Copyright: FOTO LUI/ÖFBB

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