Eine bessere Zukunft als London

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Es dauerte ein wenig, aber dann platzte der Medaillen-Knoten doch noch.

Österreich fixierte innerhalb weniger Stunden beim Olympischen Jugend-Festival (EYOF) in Utrecht durch Judo-Bronze von Max Schneider, Hürden-Silber und –Bronze von Dominik Hufnagl (400m) und Gordon Skalvy (110m) sowie den Finaleinzug im Tennis von Matthias Haim vier Medaillen.

„Ein Traum“, setzte selbst der für das ÖOC tätige Christoph Sieber sein noch aus Sydney bekanntes Siegerlächeln auf.

Doch der Surf-Olympiasieger von 2000 stieg im nächsten Moment gleich wieder auf die Euphorie-Bremse. „Man muss die Kirche im Dorf lassen“, wollte er es tunlichst vermeiden, die Talente in den Himmel zu heben.

Dass ein paar Sommersport-Erfolge wie Balsam auf der London-geprüften Seele wirken, war dem Mitarbeiter beim Projekt Rio 2016 aber anzumerken.

Gegen Federers Erbe

Den Bann hatte Haim gebrochen. Der Tiroler, der trotz seiner erst 15 Jahren bereits stolze 1,93m Körpergröße misst, setzte sich im Halbfinale des Tennis-Turniers gegen Riccardo Balzerani mit 6:3 und 6:3 durch.

„Die Anspannung war groß“, zeigte sich Haller im Anschluss erleichtert. Schließlich wollte er unbedingt vorzeitig Edelmetall fixieren.

Dabei war er als Europas Nummer 16 dieser Altersklasse nur als Außenseiter in das Turnier gestartet, das auf einem mit Quarzsand bedeckten Kunstrasen gespielt wurde.

Locker im Finale

Das Vorbild von Haim ist der Schweizer Roger Federer. Nicht nur wegen seiner einhändigen Rückhand, sondern auch wegen der Coolness, die der Schweizer an den Tag legt.

Insofern wirkt es fast wie Ironie, dass das ÖTV-Talent im Spiel um den Titel mit Marko Osmakcic auf einen Schweizer trifft.

Der frühreife Eidgenosse geht auch als Favorit in das Endspiel. „Ich habe meine Medaille sicher, weshalb ich locker drauf los spielen kann“, so Haim.

Schneider stark

Bei den Judoka jubelte nach einer bislang ernüchternden Leistung Max Schneider. Der als Nummer zwei gesetzte Wiener musste sich zwar im Viertelfinale dem späteren Zweiten Ieso Kvirikashvili mit Ippon geschlagen geben, kämpfte sich aber über Trostrunde noch durchaus souverän zur Bronze-Medaille.

Während der 81-kg-Athlet im Leistungszentrum Südstadt praktisch rund um die Uhr mit leistungsoptimierenden Praktiken eingedeckt wird, war in der Leichtathletik offenbar die Vereinsarbeit Trumpf.

Denn sowohl Dominik Hufnagl über die 400m Hürden als auch Gordon Skalvy über die 110m sind nicht in einem Leistungssport-Schulmodell. Die beiden Leichtathleten  trainieren nur in ihren Vereinen SVS Schwechat bzw. ULV Krems .

Laut dem 16-jährigen Hufnagl, der wie Skalvy eine neue persönliche Bestzeit lief, ein sehr wichtiger Aspekt, um nicht den Spaß am Sport zu verlieren. Der Niederösterreicher, der ein Gymnasium im zehnten Wiener Gemeindebezirk besucht, sieht sich aufgrund technischer Mängel noch sehr im Nachteil beim Überqueren der Hürden.

Kritisch oder nur realistisch?

Trotz des Erfolgs muss sich Hufnagl neu orientieren. Denn bei den jüngsten Dopingfällen erwischte es mit Tyson Gay und Asafa Powell auch zwei seiner Lieblingssprinter. Das Aufschauen zu Vorbildern fällt somit umso schwerer, zumal er Usain Bolt als etwas zu arrogant einstuft.

„Bei ihm fehlt oft der Respekt gegenüber der Konkurrenz“, so Hufnagl, der die Zeit in der Jugend sehr genießt.

Denn schließlich ist nun davon auszugehen, dass allen Bewerbern nur der sportliche Konkurrenzkampf im Vordergrund stehe und Doping noch keine Rolle spiele.

„Insofern ist es gut möglich, dass ich jetzt die schönste Zeit meiner Karriere erlebe“, meint ein kritisch oder vielleicht nur realistisch denkender Hufnagl.

 

Aus Utrecht berichtet Reinhold Pühringer

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