Unruhe im OeSV: Vadlau/Ogar auf eigene Faust

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Lara Vadlau ist Steuerfrau. Eine außerordentlich gute noch dazu.

Das hat die 21-Jährige gerade erst am vergangenen Wochenende ein weiteres Mal eindrucksvoll unter Beweis gestellt, als sie mit Vorschoterin Jolanta Ogar vor der Küste Haifas (ISR) den WM-Titel im 470er verteidigte.

Was eine gute Steuerfrau auszeichnet, ist, einen eigenen Kurs einzuschlagen. Einen, der sich von jenem der anderen unterscheidet. Einen, der oft auch ein gewisses Risiko birgt.

Und genau das kann Vadlau wie keine Zweite.

Dieser Tage praktiziert dies die Kärntnerin aber nicht nur auf dem Wasser und sorgt damit für etwas Unruhe im sonst eigentlich recht idyllischen Segel-Verband (OeSV), der aufgrund der Erfolge als Österreichs Parade-Sommersportverband gilt.

Vadlau\/Ogar holten sich nämlich kurz vor der WM Larry Suter als neuen Trainer ins sprichwörtliche Boot. Mit dem OeSV war dies jedoch nur bedingt abgesprochen.

An einer Lösung wird gearbeitet. Am Montag trafen sich die Athletinnen und der OeSV zu einem Gespräch, welches Vadlau als „fruchtbar“ bezeichnet. Konflikt-Potenzial hat die Situation aber dennoch.

Alles auf eine Karte gesetzt

Vadlau/Ogar wurden nach dem Abgang von Herren-Spartentrainer Morgan Reeser wieder ausschließlich von Georg Fundak betreut. Der Sportdirektor, der als Architekt des rot-weiß-roten Segelwunders gilt, hat jedoch ein ganzes Container-Schiff an Aufgaben zu erfüllen. Diese reicht von Buchungen, Organisation vorort, dem Material-Fragen bis hin zur Weitergabe von meteorologischen Fakten – um nur einige wenige zu nennen. Unterm Strich bleibt da wenig Platz für einen Fulltime-Job als Trainer.

"Fakt ist, dass wir einen eigenen Spartentrainer benötigen", sieht es Fundak selbst genauso.

„Es hat Differenzen gegeben und wir waren der Meinung, dass wir einen Trainer brauchen, der sich zu hundert Prozent auf uns fokussiert, um mehr herausholen zu können“, erklärt Vadlau im Gespräch mit LAOLA1.

Auch der Verband war sich des Nachteils der Fundak’schen Doppelbelastung bewusst, scoutete deshalb bereits Kandidaten. „Vor der WM habe ich deswegen an die fünf Mal mit dem Spitzensport-Verantwortlichen Wolfgang Mayrhofer telefoniert“, weiß Vadlau vom Bemühen des Verbands. „Drei Tage vor der WM habe ich ihm dann gesagt: Ich habe keine Zeit mehr, jetzt muss ich entscheiden.“

Das Duo engagierte den US-Amerikaner ohne OeSV-Okay auf eigene Faust und holte trotz der Erkrankung Ogars, die zu Beginn fiebrig war, WM-Gold. „Wir haben alles auf eine Karte gesetzt und es ist aufgegangen.“

Kopfsache

Auf Suters Visitenkarte stehen sein America’s-Cup-Sieg 1970 sowie mehrere WM-Titel. „Er ist ein bisschen so, wie man sich ein Genie vorstellt“, beschreibt Vadlau. „Er hat 1.000 Ideen in einer Minute, aber wenn du ihm einen Rahmen vorgibst, in dem er sich bewegen darf, ist es fantastisch, mit ihm zusammenzuarbeiten.“

Wie groß sein Anteil letztlich an der neuerlichen WM-Goldenen der größten rot-weiß-roten Olympia-Hoffnungen ist, ist aufgrund der kurzen Zusammenarbeit im Vorfeld freilich zu relativieren. Laut Vadlau habe er ihnen vor allem in mentaler Sicht geholfen. „Mit seiner Ami-Mentalität, hat er es geschafft, in so kurzer Zeit hundert Prozent aus uns herauszuholen.“

Abseits davon gelte Suter als Koryphäe bei Taktik, Setup und Material. Mit ihm will das 470er-Boot mehr Grundspeed aufbauen.

Unter Zugzwang

Ogar und Vadlau schlagen weiterhin einen eigenen Kurs ein

Der OeSV findet sich indes in einer Zwickmühle wieder. Dass Suter für Vadlau\/Ogar unter rein sportlichen Gesichtspunkten die beste – oder zumindest eine sehr gute – Lösung ist, mag durchaus sein. Jedoch kann dem Verband die Inthronisierung des neuen Coaches nicht schmecken.

Ohne Zustimmung des OeSV, auf eigene Faust – macht dieses Beispiel Schule, ist der Hausfrieden in der rot-weiß-roten Flotte in Gefahr. Schließlich verfügt man über drei weitere Boote mit Medaillen-Chancen.

Zudem gilt es für die OeSV-Verantwortlichen abzuwägen, wie gut Suter in das kleine, aber verschworene Team passt. Aus dem Verbands-Umfeld ist zu hören, dass Vorgänger Reezer dies in mancher Hinsicht nicht tat. Und auf Suter stießen Vadlau/Ogar letztlich auf Empfehlung Reezers.

Der OeSV befürchtet, dass Suter Erkenntnisse wie beispielsweise aus dem Wetter- und Strömungsbereich an das US-Lager weitergeben könnte.

Der kleine Dickkopf

Es ist müßig zu erklären, dass der WM-Titel die Verhandlungsposition der beiden Seglerinnen nicht geschwächt hat.

Nichtsdestoweniger trachten beide Seiten nach einer amikalen Lösung.

Parallelen zu jener Situation, als Vadlau nach Olympia in London Druck auf den OeSV ausübte, damit dieser die Einbürgerung der gebürtigen Polin Ogar forciert, sieht die Skipperin nur bedingt. „Jetzt sage ich nicht: Larry, oder ich höre auf. Ich will den Verband einfach davon überzeugen, dass er der richtige für uns ist. Ich glaube, dass mir das spätestens nach Abu Dhabi gelingen wird.“

Beim dortigen Weltcup-Finale wird Suter die 470er-Damen ein weiteres Mal betreuen, das ergab das Gespräch mit dem OeSV. Dort wollen Fundak und Mayrhofer die Gelegenheit nutzen, um sich mit Suter zusammenzusetzen. Bis spätestens Anfang der nächsten Saison soll eine Lösung stehen.

Fundak: "Wir haben absolut Verständnis für die individuellen Interessen aller unserer Segler, es ist uns auch in der Vergangenheit immer gelungen, diese mit den Interessen der gesamten Olympia-Mannschaft zu vereinen."

Es scheint, als sind die Grundvoraussetzungen jedenfalls konstruktiv. Auch Vadlau glaube nicht an einen Bruch.

 

Reinhold Pühringer

 

WORLD CHAMPIONS !!!!!!!!!!Double World Champions !!!! 2cnd time in a row !!!! IIIIIINCREEEEEEEDIIIIIIBLEEEE...

Posted by Lara Vadlau on Samstag, 17. Oktober 2015

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