Brandl auf ungewollten Solo-Pfaden

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Aus österreichischer Sicht ist es das Blondinen-Zimmer bei der Schwimm-WM in Barcelona. Sophie Somloi und Nadine Brandl. Die Turmspringerin und die Synchronnixe.

Für Letztere ein eher ungewohntes Gefühl. Denn schließlich teilt sie sich normalerweise ihr Zimmer bei Wettkämpfen mit ihrer Synchron-Partnerin Livia Lang. Doch diesmal nicht.

Lang fehlt verletzt, weshalb Brandl in Barcelona nur im Einzel antritt. Ab Samstag wird es für sie in der Kür und im technischen Solo ernst. „In beidem will ich ins Finale“, hofft sie.

Ein Duo in der näheren Auswahl

Eigentlich hätte Lang bereits im Frühjahr zurückkehren sollen, doch nun steht fest, dass sie für die ganze Saison ausfallen wird. Auch für Brandl ist das ein herber Schlag, schließlich qualifizierte sich das Duo vergangenes Jahr noch für Olympia. Dennoch steht für Brandl fest: „2014 will ich wieder ein Duett schwimmen.“

Das „Casting“ für eine Ersatzpartnerin ist bereits in vollem Gange. „Zwei Kandidatinnen habe ich näher ins Auge gefasst“, verrät die 23-Jährige.

Die Eine ist Charlotte Formanek. Mit ihr ist Brandl bereits bei den Staatsmeisterschaften die Olympia-Kür geschwommen und hat den Titel geholt. Wenn auch nur knapp. „Sie ist erst 16, also noch extrem jung. Ihre Unerfahrenheit macht sie jedoch mit Talent wett“, zeigt sich Brandl beeindruckt.

Die Andere ist Maria Alexandru und ist ein Drilling. Ihre Eltern sind mit ihr und ihren beiden Schwestern, ebenfalls Synchronschwimmerinnen, von Griechenland nach Österreich ausgewandert, weil sie in der Südstadt eine bessere Gelegenheit gefunden haben, Ausbildung und Leistungssport zu verbinden. „Der griechische Verband ärgert sich grün und blau, dass die Drei für Österreich schwimmen wollen“, weiß Brandl.

Eine Einbürgerung steht allerdings noch aus. „Ich habe gehört, dass die ersten Schritte bereits getätigt wurden, bei uns im Verband sind die jeweiligen Unterlagen aber noch nicht eingelangt“, gibt Christian Meidlinger, Präsident des heimischen Schwimm-Verbands (OSV), Auskunft.

Großes Finanzloch

Mit wem sich Brandl ab nächstes Jahr im Becken tummelt, ist also noch offen. Ebenfalls unklar ist, wie die Finanzierung für 2014 aussieht. Rund 60.000 Euro benötigt die Heeressportlerin. Nach Abzug der öffentlichen Fördermittel wie etwa Team Rot-Weiß-Rot bleiben noch immer knapp 40.000 Euro übrig, die sie sich selbst organisieren muss. „Dabei ist das mit zwei bis drei Trainingslager eine eher schmal geplante Saison“, so Brandl, die bei Camps immer nach günstigen Okkasionen Ausschau hält.

Groß beschweren möchte sie sich darüber jedoch nicht, weil es ihrer Meinung nach „nach wie vor in der Verantwortung des Sportler liegt, das nötige Geld zusammenzukratzen“, doch es könnte knapp werden. Knapper als sonst.

Zwar ist das Verbandsbudget für Synchronschwimmen nicht kleiner geworden, jedoch ist die Zahl der Athletinnen gestiegen, weshalb das Geld nun auf mehr Köpfe aufgeteilt werden müsse. Eine Anhebung der OSV-Ausgaben macht Meidlinger von den zur Verfügung stehenden Mittel abhängig. „Wir werden spätestens im September darüber diskutieren, wie wir diesen Bereich besser unterstützen können“, meint der Verbands-Chef.

Nicht am gleichen Leistungsstand

Doch nicht nur finanziell muss Unterstützung jetzt auf mehr Köpfe aufgeteilt werden, auch auf das Zeit-Budget der bei der BSO angestellten Trainerin Albena Mladenova trifft das zu. Während in großen Nationen pro Altersklasse drei Betreuerinnen angestellt sind, ist in Österreich eine für drei Altersklassen zuständig.

Und Athletinnen verschiedener Altersklassen gemeinsam zu trainieren, bringt Nachteile. „Die Jungen sind in einem ganz anderen Entwicklungsstadium, die müssen etwas anderes trainieren als ich. Das passt vom sportwissenschaftlichen Standpunkt her schlecht zusammen“, so Brandl.

Zu kurzfristig

Für eine Lösung oder zumindest Linderung ihrer Probleme könnte das von Sportministerium und ÖOC gestartete Projekt Rio 2016 bringen, das aussichtsreiche heimische Spitzensportler sehr spezifisch fördern soll.

Brandl, die für jegliche Unterstützung freilich dankbar wäre, sieht die Initiative im Fall von Synchronschwimmen allerdings zu kurzfristig. „In Wahrheit müsste bei uns mit den Achtjährigen begonnen werden zu arbeiten, denn sonst ist der Zug oft schon abgefahren“, weist sie auf die Spezifika ihrer Sportart hin.

Reinhold Pühringer

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