Vorhang auf für die dicken Fische

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Das Rennen über 200 m Kraul der Herren am Montag bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Shanghai verspricht Hochspannung.

Schon in Vorlauf und Semifinale wird es ein beinharter Ausscheidungskampf, der Endlauf Dienstagmittag (MESZ) voraussichtlich ein Herzschlagfinale.

Mit den US-Assen Michael Phelps und Ryan Lochte, dem Deutschen Paul Biedermann und dem Südkoreaner Park Tae-hwan ist nur der engste Kreis der Sieganwärter aufgezählt. Und auch Markus Rogan will mitmischen.

Moment der Wahrheit

Rogans Hauptstrecke ist zwar am Mittwoch 200 m Lagen, doch über 200 m Kraul nimmt sich der 29-Jährige ebenso einiges vor.

"Im Herbst habe ich mit der Arbeit auf dieser Strecke begonnen,", erklärte Rogan, "bei der WM in Dubai (Anm.: Kurzbahn-13. im Dezember 2010) war es noch ein Experiment."

Nun will er aber einen guten Rückschluss bekommen, wie das Training mit einigen der weltbesten Kraulern in seiner Gruppe in Los Angeles angeschlagen hat.

In der Nennliste weiter hinten

Allen voran hat das OSV-Ass mit dem Tunesier Oussama Mellouli den Olympiasieger und Weltmeister über 1.500 m Kraul sowie den Vize-Weltmeister über 400 und 800 m Kraul als einen seiner "Lehrmeister".

Von einer Kraul-Medaille kann Österreichs bester Schwimmer aber dennoch nur träumen.

Mit seiner am 8. April beim US-Grand-Prix in Ann Arbor fixierten Bestzeit von 1:49,23 Minuten ist Rogan in der WM-Nennliste nur 18., auf die OSV-Bestzeit von Dominik Koll fehlen ihm 1,51 Sekunden.

Neue Atemtechnik

"Mit österreichischem Rekord sollte das Semifinale zu schaffen sein", meinte Rogan. "Aber das zu erreichen wird schon schwierig."

Denn nach seinem Olympiasieg ist er bei der Rom-WM dem Deutschen Paul Biedermann unterlegen.

Veränderte Voraussetzungen

"Ich hasse es, zu verlieren", erinnerte sich Phelps an die vor zwei Jahren im Foro Italico erlittene Schlappe zurück, kann die Revanche nun nicht mehr erwarten.

"Es wird ein Spaß, gegen jemanden im Pool zu sein, der mir eine ziemlich harte Niederlage zugefügt hat." Damals profitierte Biedermann wohl auch vom noch erlaubten Ganzkörperanzug, diesmal gibt es aber andere Voraussetzungen."

Der Weltrekordhalter jedenfalls zeigte im Vorjahr im EM-Finale, dass er auch ohne "suit" siegen kann.

Eine Latte an Kalibern

Am Ende könnte allerdings weder Lochte, Phelps oder Biedermann vom obersten Podest lachen, denn Park hat schon als Olympia-Zweiter seine Qualitäten auf 200 m Kraul gezeigt.

Außerdem hat der Asiate Phelps heuer schon besiegt und kam als Erster der Nennliste in die WM-Stadt.

Nicht zu unterschätzen sind zudem die Russen Nikita Lobinzev (EM-2.) und Danila Yzotov (WM-3.), der Niederländer Sebastian Verschuren (EM-3.) sowie der Franzose Yannick Agnel (400-m-Europameister).

Der Einzug in den Endlauf wäre wohl das Optimum, die Medaillenränge scheinen für ihn angesichts der Konkurrenz unerreichbar.

Doch der Wiener lässt nichts unversucht, sich zu verbessern. Neuerdings versucht er, mit einmal ein- und ausatmen länger und länger durchzuhalten.

Mit viel Ruhe

In Shanghai hat er seinen Rekord im Luftanhalten von 1:55 auf 2:10 Minuten gesteigert. "Das schaffen nicht viele und das zeigt mir, dass ich auch in dieser stressigen Zeit Ruhe finden kann.

Das hat etwas Meditatives." Natürlich sollte Rogan diese Fähigkeit auch unter Wasser helfen, wobei der Kurzbahn-Europarekordler in den Tauchphasen schon bisher sehr gut war.

"Aber gegen einen Lochte habe ich schon noch genug Aufholbedarf."

Offene Rechnungen

Lochte lässt sich durch bisher schwächere Saisonzeiten nicht beirren, das ist er aus vergangenen Jahren gewohnt. "Während der Saison habe ich nie so gute Zeiten", sagte der 26-Jährige.

"Aber sobald ich tapere (Anm.: Erholungsphase), werde ich schnell." Der Kurzbahn-Weltmeister über diese Strecke dürfte für das erste Shanghai-Duell mit Phelps bereit sein, der aber hat wieder eine ganz andere Rechnung offen.

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