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Rogan schwimmt mit Rekord ins WM-Finale

Dem Wiener Markus Rogan ist am Mittwoch bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Shanghai so etwas wie ein Befreiungsschlag gelungen.

Am 10. Jahrestag seines mit WM-Silber in Fukuoka fixierten internationalen Durchbruchs zog er über 200 m Lagen als Viertschnellster ins Finale ein.

Wichtiger als das war aber seine immense Steigerung gegenüber dem Vorlauf, nach dem ihn Selbstzweifel geplagt hatten.

Nun aber geht er zuversichtlich in den für Donnerstag um 12.13 Uhr MESZ angesetzten Endlauf.

Für das Selbstvertrauen

Seine Zeit von 1:57,74 Minuten bedeutete die Verbesserung seines am 11. August 2010 im Budapester EM-Finale aufgestellten österreichischen Rekords um 29/100 Sekunden.

Am Vormittag war er als Fünftschnellster in nach eigenen Angaben zu lockerer Manier nur auf 1:59,22 gekommen.

"Für einen alten Mann nicht schlecht", war die erste Reaktion des 29-Jährigen nach dem Finaleinzug. "Ich kann ja doch noch schwimmen. Das harte Training das ganze letzte Jahr hat sich jetzt schon ausgezahlt."

Zweifel zerstreut

Nach seinem Heat habe er sogar überlegt, ob die Teilnahme an Olympia 2012 in London überhaupt noch Sinn mache.

"Ich hatte vor dem Semifinale die schlimmsten Selbstzweifel, die ich je vor einem Rennen gehabt habe. Jetzt bin ich aber richtig froh, im Finale zu sein." Mit der OSV-Bestleistung hatte er überhaupt nicht gerechnet.

Es sei nicht selbstverständlich, dass man sich nach 23 Jahren schwimmen noch steigern kann. "Jetzt möchte ich aber Ruhe finden", ergänzte Rogan, "und mich auf das Finale konzentrieren."

Mit der richtigen Mischung

Für dieses will Österreichs "Sportler des Jahres 2004" seine ganz eigene Rezeptur noch einmal mixen.

"Vor dem Semifinale war es eine Mischung aus Angst, Ehrfurcht und 'wenn du da nicht mit ganzem Herzen dabei bist, hast du keine Chance'. Das möchte ich morgen wieder finden."

Ihm sei aber auch klar, dass Gold und Silber den US-Amerikanern Ryan Lochte und Michael Phelps kaum zu nehmen sein werde. Lochte war in 1:56,74 vor Phelps in 1:57,26 Schnellster der Vorschlussrunde.

Nur im Delfin schwach

Rogan hatte dem Duo jedoch vor allem auf der Brustlage Paroli geboten. In 33,95 Sekunden bewältigte er diesen dritten 50er gleichschnell wie Phelps, nahm Lochte 0,5 Sekunden ab.

Ähnlich lief es dem Athlet des SC Hakoah auf der Rückenlage, auf der er auf Lochte nur 1/10 verlor, auf Phelps 13/100 gutmachte.

Dem Rekord-Olympiasieger enteilte er auch auf der abschließenden Kraullänge um 13/100, auf Lochte büßte er da 3/10 ein. Nur auf der Auftakt-Lage Delfin war Rogan deutlich im Hintertreffen.

Seite an Seite mit Phelps

"Bronze wäre der absolute Traum", gab er schließlich als sein realistisches Ziel aus. "Laszlo (Anm. Semifinal-3.), Thiago (Trainingspartner Pereira/BRA, 5.) und ich werden uns um Bronze streiten - vielleicht noch der Japaner (Yuya Horihata/8.)."

Unmittelbar nach dem Fernseh-Interviews sprang das OSV-Ass für 20 Minuten noch einmal ins Becken, um sozusagen mit seiner Finalbahn Bekanntschaft zu schließen.

Das hatte er schon vor dem EM-Finale gemacht. Diesmal ist es Bahn sechs. Bahn fünf hat Phelps, Lochte vier.

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