Von der Stewardess beflügelt

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Sun Yang - Von der Stewardess beflügelt

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Angestrengt hat er sich offenbar nicht.

Dennoch sorgte Sun Yang im Vorlauf der WM in Barcelona über 400m Freistil mit 3:44,67 Minuten für die schnellste Zeit im Feld.

Während Österreichs David Brandl im selben Heat in 3:51,98 (Gesamt-19.) das "Einschwimmen" des Chinesen bestenfalls flankierte, machte Sun den ersten Schritt, um seine Dominanz auf den Freistil-Strecken auszubauen.

Als erster Schwimmer nach Grant Hackett 2005 könnte er den Titel-Hattrick über 400, 800 und 1.500m Freistil schaffen. Und das mit gerade einmal 21 Jahren. Dabei musste Sun in den vergangenen Monaten einige Probleme in seiner Heimat abschütteln.

In die Flugbegleiterin verguckt

Eine Liebesaffäre mit einer Stewardess ist für einen jungen Mann an und für sich nichts Verwerfliches, für einen chinesischen Sporthelden aber offenbar schon.

Vor allem, wenn sie das nationale Idol von der Vorbereitung für die Weltmeisterschaften ablenkt. So zumindest der Eindruck von Nationaltrainer Zhu Zhigen, der Sun deshalb den Kontakt mit seiner neuen Freundin untersagte.

Trotz einer öffentlichen Versöhnung zog es der Jungstar fortan aber vor, unter Zhus Vorgänger, Zhang Yadong, in Hongkong zu trainieren.

Was wirklich stört

Sun begründete seinen Schritt in seinem Blog. "Athleten wollen gute Resultate und um diese zu erreichen, bedarf es systematischen, wissenschaftlichen Trainings ohne Störungen von außen." Ein Seitenhieb in Richtung des neuen Trainers.

"In der Vergangenheit war das für mich aus verschiedenen Gründen nicht immer möglich. Nun möchte ich mich selbst bemühen, das zu verbessern", gelobte er, dass er sich in der Vorbereitung für diese WM nicht mehr behindern lassen werde.

Doch über drei Freistil-Strecken

Klar, dass solche Aussagen dem chinesischen Schwimm-Verband nicht schmeckten. Bei der Bekanntgabe von Suns WM-Strecken wurde ihm prompt die Rechnung serviert.

Aufgrund eines Missverständnisses hieß es zunächst, dass der Parade-Krauler nur über 400 und 1.500m gemeldet hätte. "Er hat sich nur für zwei Strecken registriert. Wir sind besorgt, dass er nicht in der Lage ist, gut zu schwimmen, schließlich fehlte es ihm in den vergangenen sechs Monaten an systematischem Training", wurde ihm von offizieller Seite unterstellt.

Sun klärte das Missverständnis auf und gab mit seinem lockeren Vorlaufsieg über die 400m nun auch die sportliche Antwort.

Den USA auf den Fersen

Angeführt von Sun (2 x Gold/1 x Silber/1 x Bronze) und seiner erst 17-jährigen Landsfrau Ye Shiwen (2/0/0) hievten sich Chinas Schwimmer (5/2/3) im Medaillenspiegel der Olympischen Spielen in London auf den zweiten Platz hinter den USA (16/9/6).

Nach dem Karriereende von Superstar Michael Phelps will das "Reich der Mitte" in Barcelona den nächsten Schritt machen, um den Abstand zu den Amerikanern zu verkürzen. Und das mit Sun Yang.

Reinhold Pühringer

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