Ex-Boss Miklauz: "Vorstand ist handlungsunfähig"

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Stefan Miklauz ist der bislang letzte Präsident des Österreichischen Schwimm-Verbandes. Angesichts neuer Betrugs-Vorwürfe sowie einer drohenden Schadenersatz-Lawine könnte er sogar der überhaupt letzte gewesen sein.

Nach einer knapp einjährigen Amtszeit, die nicht unumstritten war, warf der Unternehmer Anfang März dieses Jahres das Handtuch. Der Vorstand hatte sich gegen ihn ausgesprochen, woraus Miklauz die Konsequenzen zog.

Die sich überschlagenden Ereignisse Anfang dieser Woche bekam der Ex-Boss nur noch aus der Ferne mit: Die von der Staatsanwaltschaft angeführten Vorwürfe, wonach es im OSV zwischen 2006 und 2013 zu systematischem Förderbetrug gekommen sein soll, führten zur Entlassung des langjährigen Sportkoordinators Moschos Tavlas.

Miklauz zeigt sich davon überrascht. Ähnlich wie Generalsekretär Unger vermutet auch der Wiener, dass die laut der Staatsanwaltschaft unter anderen verwickelten Anja Richter und Tavlas nur ausführende Werkzeuge waren. „Eine Teilschuld? Vielleicht ja, aber sie waren mit Sicherheit keine ausführenden Personen“, meint er gegenüber LAOLA1. „Nichtsdestoweniger sind sie mündige Menschen und Unwissen schützt vor Strafe nicht“, relativiert er.

Er stuft vielmehr Ex-Generalsekretär Thomas Gangel und Ex-Finanzreferent Walter Benesch als die handelnden Personen ein. „Außerdem kann ich mir schwer vorstellen, dass Ex-Präsident Paul Schauer davon nichts mitbekommen hat.“ Warum der OSV Gangel lieber eine sündteure Abfindung gezahlt hat, anstatt sich an ihm schadlos zu halten, kann Miklauz nur mit dem Verweis „Das war vor meiner Amtszeit“ beantworten.

Von alten und neuen Malversationen

In welchen Dimensionen sich die von der Staatsanwaltschaft festgestellten Betrugsfälle bewegen, weiß Miklauz nicht.

Dabei ist anzumerken, dass zuletzt kursierende Meldungen, wonach der Fördermittelbetrug bereits seit der Wirtschaftsprüfung im Februar 2014 durch die Kanzlei TPA Horwath bekannt war, so nicht stimmen. Im fraglichen Bericht ist von Malversationen in Höhe von 30.000 Euro die Rede. „Diese sind jedoch noch vor meinem Amtsantritt an die fraglichen Stellen zurückgezahlt worden“, gibt Miklauz an. Die nun von der Staatsanwaltschaft angeführten Malversationen, die mutmaßlich um einiges höher sein sollen, sind eine vollkommen neue Baustelle.

Auch Meldungen, wonach der gesamte alte sowie neue Vorstand am Vorabend des Verbandstages 2014 durch die TPA Horwath informiert wurde, widerspricht er. „Ich war beispielsweise nicht dabei.“ Den Bericht habe er danach sehr wohl zu Gesicht bekommen. Eine Insolvenz konnte er anhand der Ergebnisse nicht ausmachen.

„Korrekt, aber ungeschickt“

Die Gründung des Parallel-Verbandes NSVSVÖ („Neuer Schwimmverband der Schwimmvereine in Österreich“) stuft Miklauz ebenfalls entlang der OSV-Argumentation als Sicherheitsmaßnahme ein. „Ich denke Pajek (Rechtsreferent Arno Pajek; Anm.) hat Angst, dass Schneeberger (Vertreter der zu Unrecht ausgeschlossenen Salzburger Vereine sowie des Landesverbandes Christian Schneeberger) mit seinen Forderungen durchkommt. Dass er ihnen mit einer Neugründung zuvorkommt. Aber es ist Wahnsinn, dass nicht einmal der gesamte Vorstand darüber informiert wurde.“

Der Ex-Präsident zeichnet erwartungsgemäß kein gutes Bild von seinen früheren Kollegen. „Der Vorstand, so wie er jetzt ist, ist handlungsunfähig“, greift er unter anderem seine drei Stellvertreter Peter Rothbauer, Gerd Lang und Stefan Opatril an. „Sie setzen nur Affekthandlungen. Da liegt keine Strategie dahinter, weshalb sie immer tiefer in die Krise schlittern.“

Dass unter der jetzigen Führung möglicherweise sogar neue Malversationen geschehen sind, glaubt er jedoch nicht: „Korrekt sind sie ja, aber halt ungeschickt.“

Nur wenige Wochen nach seinem Rücktritt hatte Miklauz Ambitionen auf eine Rückkehr auf den Präsidentensessel angemeldet. Haben diese die neuesten Ereignisse überdauert? „Unter diesen Umständen habe ich kein Interesse. Wenn alle zurücktreten, dann ist ein Neustart vielleicht möglich.“ Alles wie gehabt also.

Reinhold Pühringer

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