So wird der OSV an die Wand gefahren

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Viel war in den vergangenen Jahren spekuliert worden, wie es wirklich um die finanzielle Situation im skandalumwobenen Schwimm-Verband bestellt ist.

Seit dem Rücktritts-Mail von Ex-Präsident Stefan Miklauz am vergangenen Mittwoch an seine Vorstandskollegen ist nun jedoch traurige Gewissheit, dass dem OSV aktuell 300.000 Euro fehlen.

Gerade wenn es ums Geld geht, verliert der neutrale Beobachter angesichts der massiven OSV-Turbulenzen der vergangenen Monate und Jahre leicht die Übersicht.

Wir fassen deshalb zusammen, wie der OSV mit Vollgas an die Wand gefahren wurde und noch immer wird:

 

  • Die Bäckerei Ströck unterstützte den OSV lange Zeit als Sponsor. Wie die Bilanzen belegen, floss über die Jahre ein Millionen-Betrag allerdings nicht in den Verband, sondern in jene ominöse Pool GmbH, von der nicht einmal die OSV-internen Kassaprüfer wussten. Was mit dem Geld geschah, ist bis heute ein Rätsel. Der mittlerweile zurückgetretene Finanzreferent Walter Benesch erklärte beim Verbandstag 2012, dass man mit dem Geld den OSV-Bus beklebt habe. Was nach der teuersten Beklebung der Welt klingt, ist allenfalls eine schlechte Ausrede. Währenddessen wurde im November 2013 bekannt, dass Thomas Gangel neben den ca. 4.000 Euro für den Generalsekretärsposten zusätzliche 4.000 Euro für seine zwischenzeitliche Geschäftsführer-Tätigkeit in der GmbH einstreifte. Sein Gesamtgehalt lag zwischen 8.000 und 9.000 Euro.

Ex-Präsident Stefan Miklauz

  • Zwischen 2005 und 2011 stiegen die Administrationskosten im OSV von 292.000 auf 400.000 Euro an, womit sie 2011 bereits 31 Prozent des Jahresbudgets ausmachten. Im gleichen Zeitraum blieben die Ausgaben für den Sportbetrieb jedoch praktisch unverändert.
  • Für die Erstellung eines Leitbildes sowie Sportkonzeptes überwies der alte OSV-Vorstand 12.000 Euro an Stefan Oblak. Ein Konzept, welches jedoch nirgends auftaucht und dessen Qualität deshalb auch massiv in Frage gestellt wird. Die Überweisung geschah ohne Vorstandsbeschluss, wurde nur vom damaligen Präsidenten Christian Meidlinger sowie Benesch unterzeichnet.

  • Aus dem Protokoll einer Präsidiumssitzung im November 2013 geht ebenso hervor, dass der OSV im Vorfeld der letztlich abgebrochenen Präsidentenwahl im Dezember eine Zahlungszusage von über 15.000 Euro an den Landesverband Oberösterreich gegeben hat. Ohne Vorstandsbeschluss versteht sich. Die damalige Verbandssprecherin Margit Fürnkranz-Maglock wirft Benesch vor, damit Oberösterreich für die Wahl gekauft zu haben. OÖ-Landesverbands-Präsident Helmut Ilk machte sich nur wenig später gegenüber der „Krone“ für eine Wahl des von Benesch favorisierten Miklauz stark.

  • Fürnkranz-Maglock soll derweil eine vom OSV bezahlte Betreuung durch Medien-Profi Heidi Glück bekommen haben. Für die laut Sitzungsprotokoll 4 x 4.500 Euro gab es ebenfalls keinen Beschluss.

  • Ebenfalls im Herbst 2013 beschließt der OSV, die Anwaltskosten für Paul Schauer, Benesch, Gangel und Meidlinger zu übernehmen, gegen welche die Korruptions-Staatsanwaltschaft ermittelt. Oder in anderen Worten: Der Verband gibt öffentliche Mittel für Menschen aus, die im Verdacht stehen, den Verband geschädigt zu haben - grotesk!

  • Nach einer halbherzigen Überprüfung der Verbandsfinanzen durch einen Steuerprüfer unter Meidlinger bzw. Fürnkranz-Maglock wurde in Folge die renommierte Wirtschaftskanzlei TPA Horwath mit der Durchsicht der Finanzen beauftragt. Das Ergebnis wurde jedoch nie veröffentlicht. LAOLA1 bekam dennoch einen Einblick: Das darin vermerkte negative Eigenkapital sowie die negative Schulden-Tilgungsfrist brachten die prekäre finanzielle Lage damals schon auf den Punkt.

Generalsekretär Thomas Unger

  • Nach dem Rücktritt Gangels im November 2013 übernahm vorerst interimistisch Thomas Unger die Agenden des Generalsekretärs. Für den damaligen Halbtagsjob kassierte er beachtliche 4.000 Euro Euro brutto pro Monat. Wieviel der Oberösterreicher seit seiner Vollanstellung (über die weiteren Kandidaten im Auswahl-Verfahren gab der OSV nichts preis) bekommt, ist nicht bekannt.

  • Die Misere vor Gericht: Die Ausschlüsse des Salzburger Landesverbands, acht Salzburger Vereinen sowie dem Klub von Dinko Jukic schadeten nicht nur massiv dem Image, sondern drohen auch zu einer finanziellen Katastrophe zu werden. Im für den OSV schlimmsten Fall drohen dem Verband rund 385.000 Euro an Schadenersatz-Zahlungen plus Gerichtskosten, die den Betrag auf über 400.000 hieven würden. Der OSV kommt aber weiterhin nicht davon ab, jede Instanz auszuschöpfen. Vermutlich, weil aufgrund der angespannten finanziellen Lage ohnehin auf keine der Forderungen eingegangen werden könnte.

  • Zudem untersucht die Staatsanwaltschaft mögliche Fördermittel-Veruntreuungen rund um die Traglufthalle im Wiener Stadionbad. Gemäß einer LAOLA1-Recherche könnten dort Rückforderungsansprüche in Höhe von mehreren hunderttausend Euro schlagend werden.

  • Ungeachtet des fetten Minus am Konto organisierte der aktuelle OSV-Vorstand im Vorjahr eine Klausur im mondänen Kitzbühel für 8.000 Euro.

  • Beim bislang letzten Verbandstag vor knapp zwei Wochen in Wels machte die OSV-Führung jedoch keinerlei Anstalten, die Vereinsvertreter über die tatsächliche Lage aufzuklären. Finanzreferent sowie Kassa-Prüfer berichteten den Anwesenden stattdessen von einer heilen Welt. Damit nicht genug wurde in Wels ein Statut verabschiedet, wonach der Mitgliedsbeitrag erhöht wird. Als ob die Athleten das noch ausbaden könnten…

Reinhold Pühringer

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