Überleben oder Untergang: Wie gehts mit OSV weiter?

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Über dem Österreichischen Schwimm-Verband (OSV) ziehen sich die Wolken immer dichter zusammen. So sehr, dass es allmählich finster wird.

Mit schwerer finanzieller Schlagseite taumelt er von einer Negativ-Schlagzeile zur nächsten.

Das bislang letzte Kapitel ist eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft, die vor knapp zwei Wochen den Verdacht systematischen Förderbetrugs zwischen den Jahren 2006 und 2013 äußerte. Der langjährige Sportkoordinator Moschos Tavlas musste eineinhalb Jahre vor seiner Pensionierung seinen Hut nehmen. Anja Richter wurde ihrer Funktion in der Sportkommission der Wasserspringer enthoben. Weitere stehen unter Verdacht.

Am kommenden Samstag trifft sich in Linz die OSV-Führung mit den einflussreichen Landesverbands-Präsidenten, um unter anderem über einen Ausweg aus der Misere zu beraten. Angesichts ihrer für den Vorstand konstitutiven Macht, ein für den OSV möglicherweise richtungsweisendes Meeting.

Wie kann es mit dem Schwimm-Verband überhaupt weitergehen? LAOLA1 spielt vorab die wahrscheinlichsten Szenarien durch.

Ausgangslage: Der finanzielle Status quo

Wie hoch der aktuelle Fehlbetrag genau ist, ist nicht zu hundert Prozent gesichert. Aktueller Wissensstand sind rund 120.000 Euro, die sich aus zwei annähernd gleichen Teilen zusammensetzen: Einerseits aus der laut Stefan Miklauz heruntergehandelten Abfertigung für Ex-Generalsekretär Thomas Gangel (ursprünglich 90.000) und andererseits aus einer Rückzahlung für die Errichtung der Traglufthalle im Wiener Stadionbad.

Weitere Kosten drohen dem OSV von zwei Seiten: Erstens von Schadensersatzklagen ausgeschlossener Mitglieder und zweitens von Rückforderungen des Sportministeriums im jüngst festgestellten Fördermittel-Skandal.

Bei den Schadenersatzklagen gibt es vier Fronten: der Salzburger Klub SC Delphin, weitere Salzburger Vereine, der Salzburger Landesverband sowie der SC Austria Wien. Alle wurden laut Gerichtsurteilen zu Unrecht aus dem OSV ausgeschlossen.

In der Schadenersatzfrage gibt es bislang ein Urteil, welches dem SC Delphin erstinstanzlich 125.000 Euro zuerkennt. Laut Gerichtskosten und Zinsen könnte sich der zu zahlende Betrag für den OSV alleine in dieser Causa auf 150.000 Euro erhöhen. Der Verband hat Berufung eingelegt. Mutmaßlich, weil sonst gleich der Konkurs angemeldet werden müsste.

Insgesamt drohen dem OSV von allen vier Fronten im „Worst Case“ rund 380.000 Euro Schadenersatz (ohne Zinsen und Gerichtskosten). Rechtsreferent Arno Pajek, der nur mit einem Bruchteil rechnet, erklärte im März öffentlich, dass man im „Worst Case“ nicht wisse, woher man das Geld nehmen solle.

In Bezug auf den systematischen Förderbetrug beläuft sich die Summe laut Staatsanwaltschafts-Bericht auf 254.598 Euro. Wie hoch der deswegen an das Sportministerium zurückzuzahlende Betrag ist, steht noch nicht fest. Dazu muss erst das Ministerium seine Untersuchungen abgeschlossen haben. Es gilt als wahrscheinlich, dass sich die zurückzuerstattende Summe in der Gegend der obengenannten 250.000 Euro bewegt. Auf alle Fälle ein für den OSV ebenfalls letaler Betrag.

Die bereits im Februar 2014 von der Wirtschaftsprüfungs-Kanzlei TPA Horwath festgestellte rechnerische Überschuldung sowie negative fiktive Schuldentilgungsdauer führte nur deswegen nicht zur sofortigen Insolvenz, da der OSV den Tagesbetrieb mithilfe der fortwährenden Förderungen aufrecht erhalten konnte.



Die Szenarien

 

Der OSV kriegt finanziell die Kurve


A) Mit neuem Vorstand:

Bevor die Förderbetrugs-Vorwürfe aufpoppten schien dies noch ein gangbarer Weg zu sein. Möglich macht es ein Angebot der Kläger Christian Schneeberger (Salzburger Seite) und Thomas Krankl (SC Austria), die Bereitschaft zu einem außergerichtlichen Vergleich signalisieren. „Es wäre gescheit, wenn man alles auf friedliche Weise löst“, so Schneeberger. „Dazu müsste man in Bezug auf die Ausschlüsse wieder den rechtmäßigen Zustand herstellen und dann wieder kooperieren.“

Indes knüpfte Krankl seine Forderungen auch an den Rücktritt einiger Vorstands-Funktionäre, die noch aus der alten Führungsriege stammen. Für die aktuelle Spitze war dies bislang ein inakzeptables Angebot.

Bei einem Kompromiss scheint eine Rettung des OSV insofern möglich, da auf der anderen Seite das Sportministerium als Förderer des Sports prinzipiell nicht nach einer Insolvenz des Verbandes trachtet. Davor würde wohl jedwede realistische Rückzahlungsmodalitäten ausgeschöpft werden.


 

B) Mit dem alten Vorstand:

Das nach dem aktuellen Stand unwahrscheinlichste Szenario. Ganz einfach deshalb, weil der OSV nach Verlust aller Geld-Sponsoren bis auf die Mitgliedsbeiträge praktisch keine Einnahme-Quellen mehr hat, die er für Abfertigungen, Förderrückzahlungen oder Gerichtskosten verwenden darf.

Damit die weiterhin an den OSV ausgeschüttete Sportförderung nicht für das Stopfen dieser Finanzlöcher missbraucht wird, kündigte das Sportministerium bereits an, den Schwimm-Verband künftig sogar monatlich zu kontrollieren.

Dieses Szenario würde somit nur funktionieren, wenn der OSV von nun an einen juristischen Sieg nach dem anderen einfährt, sich der Verdacht des Förderbetrugs als haltlos herausstellt und/oder sich eine große widmungsfreie Geldquelle auftut. Ein reicher Onkel aus Übersee beispielsweise.


 

Der OSV ist insolvent


C) Sanierung mittels Ausgleich:

Einem Masseverwalter gelingt es, zwischen den einzelnen Parteien zu vermitteln und einen Ausgleich zu erzielen. Damit würde erstmals in der Geschichte des österreichischen Sports ein Fachverband in Konkurs gehen.

Das Gute am Ausgleich wäre, dass der OSV weiterbestünde und der sportliche Betrieb vergleichsweise friktionsfrei aufrechterhalten werden könnte.

Dieses Szenario könnte jedoch an der gleichen Crux scheitern, an der aktuell bereits ein außergerichtlicher Vergleich scheitert: Die Forderungen der klagenden Parteien nach rechtmäßiger Aufnahme und den Rücktritten einiger Vorstandsmitglieder. Geschieht dies nicht, ist es aus heutiger Sicht schwer vorstellbar, dass eine Vergleichs-Quote ausgehandelt werden kann.


 

D) Ausgleich glückt nicht, das Ende des OSV:

Wie Verbandsrechts-Experte Thomas Höhne gegenüber LAOLA1 erklärt, müssten in diesem Fall „die Vereine und Landesverbände, die an der Organisation von österreichweiten Wettkämpfen interessiert sind, einen neuen Verband gründen.“

Dies ist etwas überraschend mit dem NSVSVÖ (Neuer Schwimmverband der Schwimmvereine in Österreich) schon geschehen. Dies erweckt den Anschein, als ob einige Funktionäre des aktuellen Vorstands den nahtlosen Sprung in einen neuen Verband schaffen möchten, schließlich ist auf die stimmenbringenden Landes-Präsidenten bislang immer Verlass gewesen.

Für den österreichischen Sport wäre diese Lösung die womöglich verheerendste. Parallele Verbands-Gründungen wären möglich, Chaos wäre vorprogrammiert. Sowohl für die Sportler, als auch für den Fördergeber. Das Sportministerium werde im Falle von mehreren Parallel-Verbänden jenen anerkennen, der auch vom Welt-Fachverband FINA anerkannt wird.

 

Reinhold Pühringer

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