OSV bezichtigt Minister der Lüge

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OSV bezichtigt Sportministerium der Lüge

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Wer lügt hier?

Das Sportministerium oder der heimische Schwimm-Verband (OSV). Eine dieser zwei Institutionen sagt nicht die Wahrheit.

Zugegeben, überrascht beim OSV dieser Tage nur noch wenig. Doch sich nun auch noch öffentlich gegen jene Instanz zu stellen, die dem obersten Schwimm-Gremium des Landes aufgrund der veruntreuten Fördergelder im Nu den Wasser-Hahn zudrehen könnte, ist a) entweder extrem mutig oder b) einfach nur dreist.

Worum es geht?

Ende Juni flog auf, dass OSV-Rechtsreferent Arno Pajek und Masters-Referent Wolfgang Raber bereits im Mai dieses Jahr mit dem Neuen Schwimmverband der Schwimmvereine in Österreich, der auf das sperrige Kürzel NSVSVÖ hört, einen Parallel-Verband gegründet hatten. Angeblich nur als Sicherheitsmaßnahme, wenn der finanziell an die Wand gedrückte OSV endgültig baden gehen würde.

Ein Schachzug mit schiefer Optik: Schließlich wusste über das Vorgehen Pajeks, der sich im Vereinsregister nebenbei gleich als neuer Präsident einschreiben ließ,  nicht einmal der gesamte eigene Vorstand Bescheid.

Auch das Sportministerium, das einen Rückzahlungsplan von rund 250.000 Euro mutmaßlich missbrauchter Fördermittel (genauer Betrag muss noch eruiert werden) mit dem OSV aushandeln will, zeigte sich von der NSVSVÖ-Gründung überrascht und distanzierte sich sofort öffentlich von dieser Idee. „Wir sind nicht an Parallel-Strukturen interessiert“, verlautbarte das Büro von Sportminister Gerald Klug.

Soweit, so gut.

Nun ging die OSV-Führung her und erklärte den Landesverbands-Präsidenten in einer Gesamtvorstandssitzung Mitte Juli in Linz aber, dass die Gründung des neuen Verbandes mit dem Sportministerium abgesprochen gewesen sei. Klugs Büro sei über jeden Schritt des OSV im Bilde gewesen.

Wie bitte?!

Die OSV-Führung bezichtigt das Sportministerium damit indirekt der Lüge. Vize-Präsident Gerd Lang bestätigt die im Rahmen der Sitzung getätigten Aussagen gegenüber LAOLA1 noch einmal.

Ministerium überrascht

LAOLA1 konfrontiert Klugs Büro mit den OSV-Aussagen. Minister-Sprecherin Sophie Lampl reagiert überrascht: „Das ist uns völlig neu!“

Mit den OSV-Darstellungen könne man nichts anfangen. „Die Neu-Gründung ist nicht abgesprochen“, bekräftigt das Ministerium noch einmal mit Nachdruck, dass man an Parallel-Strukturen nicht interessiert sei. In weiteren Verhandlungen mit dem OSV wolle man die divergierenden Aussagen ansprechen.

Bleibt die Frage, wer nun lügt. Spekulationen, was für wen spricht:

Variante A: Der OSV lügt

Es wäre nicht das erste Mal, dass OSV-Verantwortliche ihren Mitgliedern offen ins Gesicht lügen, um sich Unannehmlichkeiten zu  ersparen. Beim diesjährigen Verbandstag wurde etwa trotz Schuldenbergs und desaströsen Prüfungsberichts von TPA Horwath den Schwimm-Klubs erklärt, dass alles in bester Ordnung sei, um hier nur ein Beispiel zu nennen.

So gesehen scheint es durchaus naheliegend, dass die OSV-Führung die Sportministeriums-Lüge ganz bewusst riskierte, um  heftigen Gegenwind vonseiten der mächtigen Landesverbands-Präsidenten zu vermeiden und um sich als vermeintliche Aufklärer zu positionieren.

Variante B: Das Sportministerium lügt

Das Sportministerium hat in Bezug auf den OSV in der Vergangenheit zwei Sachverhaltsdarstellungen bei der Staatsanwaltschaft eingereicht, sprich: zwei Anzeigen gemacht. Das Conclusio aus diesen: Das Sportministerium weiß recht genau, wie prekär die Lage im OSV tatsächlich ist.

Da es die Bundes-Institution in ihrer Natur als Förderer des Sports jedoch vermeiden will, dass Österreichs Schwimm-Sport im totalen Chaos versinkt und eine ganze Athleten-Generation verloren geht, würde es ins Bild passen, dass die Verantwortlichen mit den OSV-Funktionären in diversen Gesprächen die gängigsten Zukunftsszenarien durchgespielt haben. Eines davon ist – nona – ein Konkurs samt Neugründung.

Offiziell darf das Sportministerium diese Idee allerdings wohl kaum propagieren, da ein derartiges Beispiel im österreichischen Sport nicht Schule machen darf.

Nicht zu Variante B passt allerdings die eingangs erwähnte Tatsache, dass nicht einmal die gesamte OSV-Führung in den Plan, einen neuen Verband zu gründen, eingeweiht war. Warum eigene Vorstandsmitglieder im Unklaren lassen, wenn doch angeblich eh alles mit höchster Stelle abgesprochen ist?

 

Reinhold Pühringer

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