Stadt Wien fordert 60.000 Euro vom OSV zurück

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"Das Thema Traglufthalle im Wiener Stadionbad ist schon ausgelutscht", hatte Arno Pajek einigen Journalisten in der Vorwoche noch erklärt.

Womöglich wäre es zu viel hineininterpretiert, zu behaupten, dass der Rechtsreferent des Österreichischen Schwimmverbandes (OSV) dabei etwas genervt wirkte. Womöglich nicht.

Es wäre ihm auch gar nicht übel zu nehmen. Schließlich haben sich mit der besagten Winter-Überdachung des Prater-Freibades schon die Staatsanwaltschaft (aufgrund einer Klage des SC Austria) und unsere Recherchen beschäftigt.

Pajek gibt, flankiert von Generalsekretär Thomas Unger, im Rahmen einer Pressekonferenz zu Protokoll, dass in dieser Angelegenheit vom Sportministerium und von Seiten der Stadt Wien geprüft wurde und alle Förderungen für "widmungsgetreu verwendet" befunden wurden.

Das mag zwar gut klingen, ist allerdings nicht die ganze Wahrheit.

LAOLA1 liegt nämlich die Bestätigung vor, dass die Stadt Wien rund 60.000 Euro vom Schwimm-Verband zurückfordert. Kein Pappenstiel für den finanziell ohnehin angeschlagenen OSV.

Kurze Rückblende

Für die 2010 errichtete Traglufthalle und nötige Bauarbeiten im Umfeld bekam der OSV von Bund und Stadt jeweils 350.000 Euro, also in Summe 700.000 Euro zugesprochen. Auffallend ist, dass im Ansuchen nicht einmal EIN Kostenvoranschlag notwendig war. Die recht rasche Genehmigung des Betrags erfolgte lediglich auf eine bloße "Kostenschätzung" von Seiten des OSV.

Während der Bund die widmungsgemäße Verwendung der Fördergelder bestätigte, wurde dies von der Stadt verabsäumt. Gemäß Vertrag hätte dies aber binnen sechs Monaten geschehen müssen. Sandra Hofmann, die damals dem Wiener Sportamt (MA51) vorsaß, gab in einer Sachverhaltsdarstellung des Sportministeriums an, NICHT geprüft zu haben.

Dabei liegt LAOLA1 mittlerweile eine Prüfungsbestätigung der Stadt Wien vor, die mit 28. September 2011 datiert ist. Das sehr knapp gehaltene Schriftstück ist mit dem Schriftzug von Hofmann unterfertigt. Aufgrund ihrer Aussage darf die Wahrhaftigkeit der damaligen Prüfung jedoch angezweifelt werden.

Neue Erkenntnisse

Wie Unger nun erklärt, wurden 2010 vom Bund in einer „ersten Rate 300.000 Euro“ überwiesen. Eine zweite sei nie erfolgt, was sich mit Informationen aus dem Prüfungsbericht des Sportministeriums deckt.

„Von der Stadt Wien wurden die kompletten 350.000 Euro sofort überwiesen“, schildert Unger. Dadurch sei den Ausführungen des Generalsekretärs folgend ein „Überhang“ von rund 60.000 Euro entstanden, wobei erstaunlich ist, dass das ursprünglich mit 700.000 Euro kalkulierte Projekt bereits nach Eingang der Fördergelder plötzlich nur noch rund 600.000 Euro kostete. Im Bericht der Steuerprüfungskanzlei Consultatio war von 580.000 Euro die Rede, was dem Ganzen nahekommt.

„Es wurde mit der Stadt Wien eine Abmachung getroffen, dass der OSV diesen Überhang für andere Dinge verwenden darf“, so Unger weiter, der laut eigenen Angaben nicht wisse, wer dies im OSV mit der Stadt Wien vereinbart habe.

Nochmal genauer nachgesehen

Als zum Jahresende 2013 bekannt wurde, dass der OSV bei der Abrechnung der Traglufthallen-Betriebskosten Fördergelder in Höhe von rund 72.000 Euro veruntreut hatte, woraufhin Finanzreferent Walter Benesch und Langzeit-Generalsekretär Thomas Gangel aus dem Verband ausschieden, veranlasste die Stadt Wien, die Abrechnungen doch genauer zu prüfen.

Die MA51 konnte das Zustandekommen der Abmachung bezüglich des "Überhangs" ebenso wenig rekonstruieren wie der OSV. "Wir haben dazu keinerlei Aufzeichnungen bzw. Aktenvermerke gefunden", heißt es auf Nachfrage.

Das führte dazu, dass die MA51 die rund 60.000 Euro, die nicht für das Projekt verwendet wurden, zurückforderte. Der Magistratsabteilung stand mittlerweile nicht mehr Hofmann, sondern Anatol Richter vor.

Zu Hofmann sei ergänzt, dass sie zu Beginn ihrer Anstellung bei der MA51 fünf Jahre lang unter dem ihr vorgesetzten Ferdinand Podkowicz arbeitete. Jenem Ferdinand Podkowicz, der während der Einfädlung des Traglufthallen-Projekts Rechtsreferent des Schwimm-Verbandes war.

Den Vereinen nichts gesagt

Mittlerweile ist Hofmann Geschäftsführerin der Wiener Betriebsgesellschaft mbH, einer 100-Prozent-Tochter der Wien-Holding, tätig, in der sie unter anderem für das Stadion- und das Stadthallenbad verantwortlich ist.

Mit dem OSV ist für die Rückzahlung der rund 60.000 Euro eine Ratenzahlung vereinbart worden. Dieses Geld hat der OSV zumindest laut Unger damals „für Dinge wie Zeitnehmung oder Anschaffungen im OSV-Büro ausgegeben, für die sonst keine Förderungen beansprucht werden konnten“. Nachweise über die tatsächliche Verwendung liegen der Redaktion nicht vor.

Am jüngsten Verbandstag Ende Februar wurde den Vereinen nichts von  der Rückforderung erzählt. Gleiches gilt für die Medienvertreter im Rahmen der eingangs erwähnten Pressekonferenz. Es werde nichts mehr herauskommen, hieß es dort. Eine Halbwahrheit, die der ohnehin schwer gebeutelten Glaubwürdigkeit des OSV den nächsten Tiefschlag versetzt.

Bleibt die Frage, was kommt noch? Die E-Mail von Ex-Finanzreferent Walter Benesch an Schriftführer Herbert Schurm lässt dafür noch viel Raum für Spekulationen offen.

Der Schuldenberg wächst

Die 60.000 Euro sind ein Teil des Fehlbetrags, mit dem der OSV zurzeit zu kämpfen hat. Die Gesamtsumme hat Ex-Präsident Stefan Miklauz in einem Interview mit der „Sportwoche“ auf „im ungünstigsten Fall 300.000 Euro“ beziffert.

Ein schier aussichtsloser Betrag, wenn man bedenkt, dass sich der sponsorenlose Verband hauptsächlich über zweckgewidmete Förderungen finanziert. Umso überraschender ist es, dass der am Jahresende auslaufende Vertrag mit der PR-Agentur „Leisure Communications“, welche die Pressearbeit übernommen hatte, nun vorzeitig aufgelöst wurde. Dafür wird eine Abschlagszahlung in Höhe von 10.000 Euro fällig.

Laut LAOLA1-Informationen gaben letztlich Auffassungsunterschiede über die Schwerpunktsetzung in der OSV-Berichterstattung den Ausschlag. Die Agentur wollte der zuletzt geäußerten Kritik, dass den Nachwuchsschwimmern zu viel Beachtung geschenkt wird, während Erwachsenen-Leistungen oftmals verschwiegen werden, nachkommen, der Vorstand hatte jedoch kein Einsehen.

Womöglich das nächste Thema, welches Pajek und Co. schon bald gegenüber großen und weniger großen Journalisten als „ausgelutscht“ bezeichnen.


Reinhold Pühringer

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