Existenzbedrohendes Urteil

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Existenzbedrohend: OSV zu 125.000 Euro verurteilt

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Das erste Urteil in den Schadenersatz-Verfahren rund um den heimischen Schwimm-Verband (OSV) fördert den nächsten Hammer zu Tage.

In der Angelegenheit zwischen dem zu Unrecht ausgeschlossenen Salzburger Schwimm-Klub Delphin sowie dem OSV, wird der Verband erstinstanzlich zur vollen Schadensumme in Höhe von 125.000 Euro verurteilt.

Plus den Zinsen ab Klagetermin sowie Prozesskosten werden für den OSV, der in Berufung gehen kann, rund 150.000 Euro fällig.

Zuzüglich zum ohnehin bereits bestehenden Fehlbetrag von 120.000 Euro (60.000 für die Abfertigung von Ex-Generalsekretär Gangl sowie 60.000 Rückzahlung an die Stadt Wien) verschärft sich die Situation des Verbands drastisch.

„Dieser Betrag wäre existenzbedrohend für den OSV, genauso wie er für jeden anderen Verband, der sich über öffentliche Mittel finanziert, existenzbedrohend wäre“, sagt OSV-Generalsekretär Thomas Unger auf Nachfrage von LAOLA1.

OSV-Rechtsreferent Arno Pajek zeigt sich gegenüber der "APA" von der Entscheidung verwundert. "Ich bin wirklich sehr überrascht", erklärt der Jurist. Ob der OSV in Berufung gehe, sei im Vorstand zu entscheiden. "Ich gehe aber davon aus, dass wir berufen", so Pajek. 

Erst der Anfang

In der aktuellen Causa klagte Delphin den OSV, da der Verein wegen des Ausschlusses eine Sponsoren-Zusage über 125.000 Euro verlor. Richterin Sabine Längle oblag es zu bewerten, ob es diese Zusage tatsächlich gab. Also eine Entweder-Oder-Entscheidung, was auch Kläger Christian Schneeberger bestätigt.

Bei den noch anhängigen Schadenersatz-Verfahren zwischen dem Salzburger Landesverband (97.812 Euro Schadensumme) bzw. Salzburger Klubs (62.175 Euro) und dem OSV sind hingegen sehr wohl Abstufungen des Betrags möglich. Während bei ersterem bereits ein Verhandlungstag über die Bühne gegangen ist, steht letzteres noch gänzlich bevor. Erstinstanzliche Urteile sind gemäß der Einschätzung Schneebergers erst in einem Jahr zu erwarten.

Darüber hinaus drohen auch noch Schadenersatz-Forderungen vonseiten des SC Austria Wien, die sich laut den Aussagen von Anwalt Thomas Krankl auf rund 100.000 Euro belaufen. (Schadenersatz-Verfahren im Überblick)

Müssen Ex-Funktionäre zahlen?

Für den OSV ergeben sich naturgemäß zwei Möglichkeiten: Entweder in Berufung gehen oder das Urteil akzeptieren. „Aktuell kann man noch nichts über das weitere Vorgehen sagen. Das muss erst entschieden werden“, so Unger, der angibt, dass man im OSV vom Urteil „dementsprechend überrascht“ sei.

Der OSV hatte zuvor schon Ex-Finanzreferent Walter Benesch und Ex-Präsident Paul Schauer den Streit in der Causa erklärt, was bedeutet, dass man sich wegen des nun entstehenden Schadens bei den beiden schadlos halten kann. Unger: „Ich gehe davon aus, dass man das tun wird, insofern wir nicht berufen. Weil, wozu hat man ihnen sonst den Streit erklärt?“

Ob dieses Urteil irgendwelche Auswirkungen auf das OSV-Vorgehen in den anderen Schadenersatz-Fällen hat, konnte Unger nicht sagen: „Es gibt ein Juristen-Sprichwort, das besagt: Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.“

Schneeberger ortet Vorsatz

Für die Verantwortlichen der Misere wird es indes immer enger. Schneeberger ortet bei einer Insolvenz Haftungsansprüche nicht nur an den ehemaligen, sondern auch an den aktuellen Vorstand.

„Wie nicht zuletzt die Aussagen Schauers vor Gericht belegen, wurde mit Vorsatz gesetzeswidrig gehandelt“, meint Schneeberger, der ebenfalls Jurist ist. Schauer erklärte bei seiner Vorladung vor Gericht, dass der damalige OSV mit oder ohne Stellungnahme, den Salzburger Landesverband und dessen Klubs sowieso ausgeschlossen hätte, womit ein rechtsstaatliches Grundprinzip verletzt wurde.

Die jetzige OSV-Führung würde dieses Handeln fortführen. „Bis heute hat sich kein OSV-Verantwortlicher mit mir zusammengesetzt, um über einen Vergleich zu sprechen. Dass man beispielsweise versucht, sich so zumindest die Prozesskosten zu ersparen oder um sich gemeinsam das Geld von denen zu holen, die die Sache einst verbockt haben“, so Schneeberger.

 

Reinhold Pühringer

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