Ohne Grundschnelligkeit geht gar nichts mehr

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Gleich die ersten beiden Entscheidungen der Berliner Langbahn-EM haben am Montag klar vor Augen geführt, wie man heutzutage Schwimm-Rennen zu gewinnen pflegt.

Sowohl der Serbe Vladimir Stjepanovic über 400 m Kraul als auch die Ungarin Katinka Hosszu über 400 m Lagen gingen mit hohem Tempo an und hielten die Spitzenposition bis zum Anschlag. Abwarten und Taktieren gibt es im Becken immer weniger.

"Es wird aggressiver geschwommen"

Dieser Prozess ist eine Nachwirkung der bis Ende 2009 erlaubt gewesenen Ganzkörperanzüge. Die gaben Auftrieb, womit der Schwimmer gewöhnt war, später zu ermüden und damit länger höheres Tempo zu gehen. Dadurch war die damalige Rekordflut möglich.

"Als die Anzüge nicht mehr erlaubt waren, wollten die Schwimmer dieses Gefühl nicht missen", erklärte Trainer Dirk Lange im Gespräch mit der "APA".

Also musste das entstandene Manko mit körperlicher Arbeit wettgemacht werden. "Das Training wurde umgestellt und jetzt wird viel aggressiver geschwommen", sagte Lange, seit knapp zwei Jahren steirischer Landesverbandstrainer.

"Es ist ein neuer Typus von Schwimmern entstanden." In Österreich wird mehrheitlich versucht, diesen Trend nicht zu verpassen. Lange trainiert in Graz ebenso nach dieser Ausrichtung wie Marco Wolf in Linz.

Tempo muss hochgehalten werden

Lange: "Die Österreicher haben in dieser Renneinteilung aber keine große Tradition. Der typische Österreicher geht es langsam an."

Tatsächlich hat etwa Markus Rogan bei vielen seiner Erfolge das Feld von hinten aufgerollt. So war er auf dem Weg zu Olympia-Silber 2004 in Athen über 100 m Rücken bei der 50-m-Marke nur auf Rang acht gelegen. Doch das ist Vergangenheit. "Auf die zweite Hälfte zu schwimmen, gibt es nicht mehr", stellte Birgit Koschischek klar.

Die Wienerin trainiert seit knapp einem Jahr unter der Leitung von Lange in Graz, und wurde vom ehemaligen deutschen Bundestrainer auf diese neue Renn-Einteilung getrimmt. "Das Geheimnis ist, dass es dir leichtfallen muss, schneller angehen zu können. Du brauchst einen 'easy speed'", erläuterte die 27-Jährige.

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"Denn du musst das Tempo auch halten können. Nur, die Leute gehen ein hohes Tempo an und wenn du vorne nicht dabei bist, hast du hinten keine Chance."

Es braucht allerdings seine Zeit, bis diese Grundschnelligkeit antrainiert ist. Koschischeks bisheriger Trainingskollege Christian Scherübl ist auch nach knapp zwei Jahren Training mit Lange für international noch nicht ganz so weit.

Daher ließ er sich am Montag für den EM-Bewerb über 400 m Kraul streichen. "Die gehen alle so schnell an, da wäre ich nicht leicht mitgekommen." Also zog er es vor, sich seine Kräfte für die am Dienstag angesetzten 200 m Kraul aufzusparen.

Scherübl übersiedelt am Mittwoch nächster Woche an seine neue Trainings- und Studienstätte in Dallas/Texas. Die Befürchtung, dass es nun eine erneute Umstellung im Training geben wird, muss er nicht haben.

Zaiser schon weiter

"Dirk lässt ähnlich wie die Amerikaner trainieren - weniger Umfänge und dafür intensiver." Diese Erfahrung hat Jakub Maly schon gemacht. Das eine Jahr an der University of Minnesota scheint aber zu kurz zu sein, um alle Trainingsreize schon gut umzusetzen.

Lisa Zaiser hatte nur sieben Monate seit dem Wechsel nach Linz, um sich eine höhere Grundschnelligkeit anzueignen. "Wir arbeiten viel im anaeroben Bereich", gab die Kärntnerin Einblick in ihr Training.

Die gute Arbeit davor mit Ferdinand Kendi sorgt dafür, dass ihre Technik trotz geändertem Renntempo nicht auseinanderfällt. Daher und wegen ihres Talents dürfte sie das neue Schwimmen schneller intus haben, was sich schon bei der laufenden EM rentieren könnte.

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