Drohendes Karriereende wegen Single-Daseins

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Am Samstag wird Nadine Brandl im Rahmen der technischen Solo-Kür in den WM-Pool von Kazan hüpfen.

Es wird das letzte globale Wettkampf-Highlight in der Karriere der aktuell besten heimischen Synchron-Schwimmerin sein – und das, obwohl sie gerade einmal 25 Jahre alt ist.

Warum sie so jung aufhört?

An der Motivation, ihren 19. Platz von den Sommerspielen in London zu toppen, mangle es ihr jedenfalls nicht. Vielmehr an der Möglichkeit, überhaupt noch einmal zu Olympia fahren zu können. Wobei das im Fall der Wienerin weniger am Können liegt, sondern daran, dass sie solo ist. Rein sportlich zumindest. Schließlich ist Synchronschwimmen nur im Duett oder in der Gruppe olympisch.

Dabei könnte der Laie meinen, dass dieses Problem spätestens seit der Einbürgerung der griechischen Drillinge Anna-Maria, Eirini-Marina und Vasiliki-Pagona Alexandri im Vorjahr gelöst sein sollte. Weil drei schließlich eine zu viel für ein Duett sind und für Brandl demnach eine Alexandri abfallen sollte.

Falsch gedacht.

Die Alexandris weigern sich standhaft abgesehen von einem Gruppen-Projekt mit anderen heimischen Athletinnen zu schwimmen. Offenbar will Vasiliki-Pagona, die bei der WM und anderen Wettkämpfen als Reserve mitfährt, nicht mit ihren Schwestern in Konkurrenz treten.

Existierende OSV-Richtlinie

Eirini-Maria und Anna-Maria holten in Baku Duett-Silber

Was aus rein familiärer Sicht noch verständlich scheint, muss für Österreichs Schwimm-Verband (OSV) sowie andere Förder-Institutionen eher grotesk wirken. Denn anstatt zwei Duette in das Quali-Rennen für Rio schicken zu können, hat man aufgrund einer persönlichen Weigerung nur eines. Eigentlich ein No-Go.

Um einen Vergleich ziehen zu können, wie das in anderen österreichischen Fach-Verbänden gehandhabt wird, fragen wir bei den Leichtathleten nach. „Für geförderte Athleten ist der Start bei einer Team-EM verpflichtend“, bestätigt ÖLV-Sportdirektor Hannes Gruber gegenüber LAOLA1. „Ansonsten kann es sein, dass ein Sportler um Kader-Förderungen oder sogar um eine Nominierung für eine Groß-Veranstaltung umfällt.“ Recht deutliche Konsequenzen also, die der ÖLV da parat hält.

Im OSV hält man davon aber offenbar nichts. Dabei wäre der Verband für so einen Fall bestens gewappnet. So ist in den Entsendungsrichtlinien, die von den Sportlern unterschrieben werden müssen unter Punkt 2.1.9. Folgendes zu lesen:

„Dem OSV steht es frei den Unterzeichner für Team/Staffelwettbewerbe zu nominieren. Der Unterzeichner verpflichtet sich, bei Nominierung für Team-/Staffelwettbewerbe selbstverständlich als Teil der Mannschaft zu agieren, der Teamnominierung Folge zu leisten und sich für den Teamstart mit voller Energie einzusetzen.“

Selbst für den sonst in vielerlei Hinsicht so streitbaren OSV klingt das nach einer klaren Ansage. Nur warum wird diese nicht umgesetzt?

„Wir können niemanden zwangsverheiraten“, meint der unter anderem für Synchron-Schwimmen zuständige OSV-Vize-Präsident Gerd Lang, dass er letzten Endes nichts machen könne. Dass er mit Brandl eine der besten Athletinnen wohl verlieren wird, bedauere er.

„Too much love…“

Brandl vor ihrer letzten WM

Für Brandl ist die Sackgasse, in der sie steckt, nicht neu. Nicht einmal ihr Rundumschlag vor knapp 120 Tagen, als die den OSV-Verantwortlichen vor versammelter Presse die Leviten las, hatte daran etwas ändern können. (Hier geht’s zur Brand(l)-Rede)

Sie gibt zu, allmählich zu resignieren: „Wenn ich nicht zu Olympia fahren kann, dann hab ich auch nicht die Lust, mir im kalten Wasser für nullkommanull Aussichten meinen Hintern abzutrainieren.“

Für ihre letzte WM versucht sie die Probleme hintenanzustellen. Dazu hat sie in den vergangenen Wochen sogar noch eine neue Technische Kür einstudiert. Diese Kurzfristigkeit sei ungewöhnlich, „aber ich finde es jetzt schon besser als die alte.“

Ihr altes Programm sei schließlich schon zwei Jahre alt gewesen. „Das neue ist zwar ein wenig riskant, aber ist mir lieber, bevor ich da einfach nur irgendeine Übung runterschwimme, der ich von vorneherein selbst nicht beimesse, dass sie ein WM-taugliches Programm ist“, wird die Athletin der Schwimm Union Wien zu den Klängen von Queens „Too much love will kill you“ durch das Becken fräsen.

Wohin platzmäßig die Reise geht, könne sie aufgrund des neuen Programms überhaupt nicht sagen. Ihren 15. Platz von der WM 2013 zu überbieten oder gar in das Finale der besten Zwölf einzuziehen, wäre ihr Wunsch.

Und auch ein würdiges Ergebnis für ihre letzte WM.

 

Reinhold Pühringer

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