Rundumschlag von Brandl

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"Mir fehlt das Vertrauen in den OSV"

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Was der "Schwimm-Verband neu" in seinem ersten Jahr für Leistungen erbracht hat.

Unter diesem Motto stand eine Pressekonferenz des heimischen Schwimm-Verbandes (OSV) am Dienstag.

Eigentlich.

Denn der Schuss ging in gewisser Hinsicht nach hinten los. Um die sportlichen Erfolge unter der neuen Führung, die vor knapp drei Wochen ihren Präsidenten Stefan Miklauz verloren hatte, zu illustrieren, hatte man Synchronschwimmerin Nadine Brandl auf das Podest gesetzt.

Hübsch, clever und zuletzt in Bonn (1.) sowie Paris (4.) auch noch recht erfolgreich - quasi die Idealbesetzung, um den "OSV neu" ein positives Image zu verleihen. Denkste. Denn die 25-Jährige nutzte die Bühne und prangerte die Verfehlungen des OSV in einer vorbereiteten Rede an.

Rechtsreferent Pajek, Brandl, Vize-Präsident Rothbauer, Generalsekretär Unger (v.l.)

"Ich kann meine Aussagen nur auf die Sparte Synchronschwimmen beziehen, aber wenn Sie mich fragen, ob ich finde, dass sich im Vorstand für diese Sparte etwas deutlich verbessert hat, dann würde ich ganz ehrlich sagen: Nein", fuhr Brandl der OSV-Riege vor versammelter Journalistenschar in die Parade. 

Unter anderem kritisierte sie Überlegungen von Verbands-Verantwortlichen, die erwägten, trotz ihrer erbrachten WM-Limits eine andere, Limit-lose Athletin, zur WM nach Kazan zu schicken. "Derzeit fehlt mir das Vertrauen in den OSV", resümierte die Heeressportlerin, die aufgrund einer fehlenden Duett-Partnerin aktuell keine Aussicht auf eine Rio-Teilnahme hat.

Vize-Präsident Peter Rothbauer versuchte sich in Folge noch zu rechtfertigen, dass man bewusst eine Athletin ausgesucht habe, die auch Kritik äußern würde. Ganz bestimmt...

Das sagte Nadine Brandl im Wortlaut:


Sehr geehrte Damen und Herren,

einen schönen Vormittag auch von meiner Seite. Dass der OSV schwere Zeiten durchmacht und dass in der Vergangenheit viele Fehler passiert sind, ist kein Geheimnis. Ich denke, dass der aktuelle Vorstand da auch ein sehr schweres Erbe angetreten hat und bemüht ist, sein Bestes zu geben. Das Beste ist jedoch immer sehr individuell definierbar, deshalb möchte ich dazu ein paar Beispiele geben.

Als erstes möchte ich vorausschicken, dass wir seit Februar eine zweite Trainerin in unserem Leistungszentrum haben. Bei 10 Athletinnen aus drei verschiedenen Leistungs- bzw. Altersklassen ist diese zusätzliche Unterstützung so wichtig wie Wasser im Schwimmbecken. Es wurde vereinbart, dass sie bis Jahresende bei uns bleibt und ich hoffe (!!!) das Elizavetta Filatkina, so der Name der neuen Trainerin auch tatsächlich bis Ende Dezember bleiben wird. Hoffentlich auch länger.

Es ist klar das sich der OSV um ein besseres Image bemüht, deshalb bin ich natürlich auch vorab gebrieft worden, ein paar positive Entwicklungen und Punkte zu nennen. Und mit großer Freude werde ich darauf eingehen, welche Punkte aus Sicht des OSV besser geworden sind.

Allen voran - wie erwähnt – die neue Trainerin. Und dafür möchte ich auch einen ehrlichen Dank aussprechen! Das ist wirklich ein ganz wichtiger Schritt und eine wichtige Unterstützung.

Als nächsten Punkt, was aus Sicht des OSV besser geworden ist, soll ich die Trainingsbedingungen in der Südstadt ansprechen. Wir haben morgens und abends Bahnen, es könnten zwar mehr sein, aber die Bedingungen sind ausreichend gut. Nicht optimal, aber gut. Das war allerdings auch schon vor einem Jahr so. Aber sie sind ja zumindest nicht schlechter geworden.

Es hat immerhin dafür gereicht, dass ich mich vor 1,5 Wochen für die WM in Kazan qualifizieren konnte. Und ich muss sagen, ich bin wirklich sehr glücklich darüber. Bei den German Open bin ich sogar als Siegerin hervorgegangen. Aber ich sag Ihnen was, beim Sport erste zu werden ist hier anscheinend ebensächlich. Denn noch wichtiger (!) Noch wichtiger war es, dass ich in beiden Wettkämpfen als beste Österreicherin abgeschnitten habe.

Warum ist das so wichtig?

Bei den Wettkämpfen gab es eine interne Qualifikation. Und folgendes Szenario wurde angedacht: Ich hätte beim ersten Wettkampf das WM-Limit erbringen können. Beim zweiten Wettkampf hätte eine der beiden anderen Solistinnen vor mir sein können, ohne dabei jedoch das WM-Limit zu schwimmen. Und dennoch hat ein Teil des OSV-Vorstandes unter diesen Umständen die zweite Solistin schicken wollen. Noch mal deutlich: Ich mit WM-Limit, die andere vor mir ohne WM-Limit, und diese hätte bei der WM schwimmen sollen. Na zum Glück hab ich in beiden Wettkämpfen das Duell für mich entschieden, und diesen fragwürdigen Vorschlag mit sportlichen Erfolg durchkreuzt.

Ein weiterer Vorschlag vom OSV war es über verbesserten Bedingungen für Athleten seit dem neuen Vorstand zu reden. Aaahh. Ich muss gestehen, dazu sind mir eigentlich keine Beispiele eingefallen. Es standen auch keine dabei.

Ebenfalls auf der Liste stand Förderungen des A-Kader: sportmedizin, und so weiter. Ich habe nicht die Möglichkeit im Duett zu schwimmen, das Solo ist leider nicht olympisch. Daher habe ich durch die Budgetkürzungen für diese Saison leider keine Förderung des TRWR erhalten. Der OSV hat jedoch versucht, dies mit einem Fördertopf abzufedern. Ich habe eine Zusage für Maßnahmen in Höhe von 1.000 Euro für diese Saison. Das wären umgerechnet zum Beispiel 90 Minuten Massage im Monat.

Schließlich stand dann noch die Nachwuchsförderung auf dem Programm. Ja zu unserem Nachwuchs. Ich muss sagen es hat ein wenig gedauert bis sich unser eingebürgertes Tripple bereiterklärt hat, mit den vorhandenen Schwimmerinnen zusammen an einem Strang zu ziehen, aber schlussendlich hat es dann doch geklappt. Nur für das Team wohlgemerkt. Im olympischen Duett-Bewerb ist es weiterhin so, dass ich keine Chance bekomme, meine Leistung zu zeigen. Aber die Leistung des gesamten Jugendteams ist beachtlich, weil sie nämlich bei der Qualifikation für die European Games in Baku den ERSTEN Qualifikationsplatz geholt haben. Besser geht’s quasi nicht. Erster Platz. Es ist leider bis dato noch keine Entsendung des ÖOC gekommen. Ich würde dem Jugendteam wünschen, dass sie in Baku starten dürfen. Das wäre nämlich eine echte Verbesserung, über die ich heute gerne gesprochen hätte.

Ich bin Ende letzter Woche gefragt worden, ob ich an dieser Pressekonferenz teilnehme und in dieser ersten Mail kam auch der Vorschlag, über die Choreografien zu reden, welche im Herbst erstellt wurden. Auch da ist dem OSV zu danken, dass er die Choreografie für das Jugend-Duett und für das Jugend-Team gezahlt hat – Allerdings, für meine Solo-Choreografie bedanke ich mich beim Geldbörserl vom Dachverband. Bei den Kosten für mein Solo ist die Sportunion Wien eingesprungen.

Ich war zugegeben sehr überrascht, als ich gefragt worden bin hier teilzunehmen. Über die Verbesserungen zu sprechen. Und über die Unterstützung.

Ich kann meine Aussagen nur auf die Sparte Synchronschwimmen beziehen, aber wenn sie mich fragen, ob ich finde, dass sich im Vorstand für diese Sparte etwas deutlich verbessert hat, dann würde ich ganz ehrlich sagen: Nein.

Ich möchte dieses Nein aber noch begründen.

Synchronschwimmen ist ein Randsport. Er ist nicht leicht greifbar. Er ist komplex. Und es bedarf viel Auseinandersetzung, um ihn zu verstehen. Ich würde mir einen Vorstand wünschen, der mit Interesse versucht, diese Sportart zu verstehen, und zwar mehr als nur formal am Papier.

Als der neue Vorstand angetreten ist, stand ganz klar die Forderung im Raum, ehemalige Aktive einzubinden, die sich im Sport auskennen. Nun hatten wir nacheinander zwei Fachwartinnen. Beide waren Aktive (eine davon Europameisterin), beide arbeiten als Trainerin und beide haben auch die Wertungsrichter Ausbildung (eine davon die A-Lizenz, international das höchste). Also kurz gesagt, sie haben diese Sportart aus fast allen Blickwinkeln gelebt. Nun haben die Fachwartinnen versucht, Vorschläge und Entscheidungen einzubringen. Und wurden oftmals von einem Vorstand überstimmt, der sich größtenteils noch nicht einmal ein Jahr mit der Sportart Synchronschwimmen beschäftigt.

Auf diese Weise wurden nacheinander zwei Fachwarte verheizt, die ehrenamtlich ihre Zeit und Energie in die Verbesserung einer Sportart gesteckt haben. Dabei sind sie an einem Vorstand gescheitert, welcher Synchronschwimmen nur vom Schreibtisch aus kennt. Es wurde also langjähriges Fachwissen kontinuierlich niedergestimmt.

Ich bezweifle, dass für die Vorstandsmitglieder ausreichend Zeit und Wille vorhanden war, sich mit den Facetten der Sportart intensiv auseinanderzusetzen. Aktuell glaube ich nicht, dass jemand im Vorstand mehr als nur ein oberflächliches Wissen zum Synchronschwimmen hat. Und dennoch sitzen hier die Entscheidungsträger.

Ich bin heute hergekommen, weil ich aufzeigen möchte, dass bestimmte Entscheidungen nur oberflächlich durchdacht werden. Auf den ersten Blick mag das alles gut ausschauen, bei näherer Auseinandersetzung erkennt man aber die Fehler. Und das zieht sich durch wie ein roter Faden. Das beste Beispiel dafür: Laden Sie eine Athletin zur Pressekonferenz ein, die über Verbesserungen reden soll, wenn Sie ihr vorher ein ¾ Jahr Steine in den Weg legen. Ich bekomme keine Möglichkeit, in einer olympischen Disziplin, dem Duett, anzutreten, ich werde in dieser Saison zu keinem internationalen Wettkampf mehr entsendet und in der Vorstandsvorsitzung wurden Wege gesucht, mich für die Weltmeisterschaft auszubooten.

Derzeit fehlt mir das Vertrauen in den OSV. Danke.

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