Pfeif auf die Millionen!

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Sie schwingt vor den US Open den Tennisschläger, sie pitcht in Denver vor einem MLB-Spiel und sie tritt vor einer MLS-Partie gegen das runde Leder.

Wer in den internationalen Foto-Agenturen nach Bildern von Missy Franklin sucht, stellt rasch fest, dass die Schwimmerin allgegenwärtig ist.

US-Zeitungen berichten detailliert über ihre Freizeit-Aktivitäten. So marginal diese auch sein mögen.

Das "Hannah Montana Leben"

Wer es wissen will, erfährt auch, dass sie am Abend ihres High-School-Abschlussballs Autodrom gefahren ist und sich ein Airbrush-Tattoo von einem Delfin verpassen hat lassen.

Kurzum, in den USA ist der Teenager seit seinen vier Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen von London 2012 ein Superstar. „Hannah Montana Leben“ nennt sie es selbst.

Tatsächlich scheint es ganz so, als ob die Schwimmerin das Leben eines US-amerikanischen Durchschnittsmädchens leben würde. Nur, dass sie immer wieder ihre imaginäre blonde Perücke aufsetzt, um für öffentliche Auftritte zum Popsternchen zu werden.

Fakt ist aber auch, dass Franklin gar nicht viel anderes übrig bleibt, als ein normales Leben zu führen – soweit das bei diesem Bekanntheitsgrad eben möglich ist. Denn Geld hat die junge Dame keines. Oder zumindest nicht viel.

Autogramme nur für Fans

Freilich könnte das ganz anders sein. Melissa Jeanette Franklin, wie sie mit vollem Namen heißt, ist „Everybody‘s Darling“. Ein Mädchen von nebenan, das stets gut gelaunt ist, noch nicht einmal für „Skandälchen“ gesorgt hat und zudem überaus erfolgreich ist.

Die Werbewirtschaft liebt solche Sportler. Nach ihren Gold-Tagen in London hätte die Sportlerin Marketing-Verträge ohne Ende unterschreiben können. Doch ihr Autogramm bekommen nur Fans, keine Unternehmen.

Alles wegen Berkeleys Schwimmteam

Der Grund: Sie will auf dem College schwimmen. Ab dem Sommer ist es soweit. Die California Golden Bears aus Berkeley haben das Rennen um „Missy the missile“ gemacht.

Die Regeln der NCAA (National Collegiate Athletic Association) besagen, dass nur Amateure an ihren Bewerben teilnehmen dürfen. Wenn Franklin für die U.C. Berkeley schwimmen will, darf sie kein Geld nehmen.

Die strikten Bestimmungen erlauben es ihr auch nicht, die Preisgelder, die ihr zustehen, anzunehmen. „Mein Mann Dick sieht jedes Mal aus, als ob ihm schlecht würde“, berichtet ihre Mutter D.A. über jene Momente, in denen Missy wieder einmal tausende US-Dollar an Preisgeldern ablehnt.

Kein Manager erlaubt

Gerade einmal zwei Meetings in Europa benötigte der Superstar, um den Jahresverdienst seiner Mutter, eine staatliche Ärztin, einzuschwimmen. Theoretisch natürlich, denn annehmen durfte Franklin das Geld ja nicht.

Missy Franklin kommt im Sommer aufs College

Und auch deshalb nur theoretisch, weil ihre Mutter mittlerweile nicht mehr ihrem Beruf nachgeht. Trotz ihres Status als Amateur betreibt die Familie professionelle Fan-Arbeit. Alle Briefe werden beantwortet, alle Autogrammwünsche erfüllt. Ein Manager könnte da freilich helfen. Einen zu haben, ist als College-Athlet aber verboten. Also muss die Mama ran.

„Wenn ich mir im Internet die Kommentare so durchlese, schreiben immer wieder Leute, dass es für Missy ja leicht wäre, Amateur zu bleiben, weil ihre Eltern ja eine Menge Geld hätten. Aber das stimmt nicht, wir sind nicht reich“, versichert D.A. Franklin.

"Ein Teenager hat ja keine Ahnung"

Den Wunsch der Tochter zu respektieren, ist für die Familie keine einfache Situation. „Wir mussten uns hinsetzen und sichergehen, dass sie auch wirklich versteht, was das bedeutet. Was Millionen von Dollar bedeuten. Ein Teenager hat ja keine Ahnung. Das könnte die Ausbildung ihrer Kinder sein. Das könnte bedeuten, dass sie niemals jeden Tag in die Arbeit gehen muss“, sagt ihr Vater.

Aber er sagt auch: „Sie soll tun, was sie will. Es ist ihre Karriere. Und sie soll Spaß damit haben.“

Um die Bedenken der Familie in Zahlen auszudrücken: In diversen US-Medien rechnen Experten vor, dass Franklin durch ihren Wunsch, an College-Bewerben teilzunehmen, jährlich bis zu fünf Millionen US-Dollar durch die Lappen gehen.

2015 wird alles anders

Doch die Zeit der Entbehrungen ist begrenzt. Nach zwei Jahren am College will Franklin Profi werden. Das sind rund 18 Monate vor den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Da beginnen die großen Firmen, ihre Werbeträger für das Mega-Event zu akquirieren.

Und dann kommt das ganz große Geld. Natürlich nur, wenn nichts schiefgeht, wenn sich die Schwimmerin nicht verletzt. Das ist das große Risiko.

Die Justin-Bieber-Gefahr

Und weil Hannah Montana in der Einleitung dieser Geschichte vorkam, soll sie eine Anekdote über Justin Bieber abschließen.

Während der Spiele in London outeten sich der Popstar und der Schwimmstar als gegenseitige Fans. Bieber überraschte Franklin deshalb mit einem Paket voller Fan-Utensilien. Vom T-Shirt bis zum Poster und der CD war alles dabei.

In ihrer Euphorie berichtete die baldige Studentin in einer TV-Show über das Präsent. Kurz darauf wurden öffentliche Bedenken laut, dass auch diese Aktion ihren Amateur-Status gefährden könnte. Also musste Franklin alles wieder zurückschicken.


Harald Prantl

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