OSV-Präsident tritt zurück

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Miklauz tritt als OSV-Präsident zurück

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Zweieinhalb Jahre nach Paul Schauer und am Tag exakt 19 Monate nach Christian Meidlinger hat am Mittwoch mit Stefan Miklauz nach nur gut elfmonatiger Amtszeit der nächste Präsident des Österreichischen Schwimmverbandes (OSV) seinen Hut genommen.

Der 35-Jährige begründete diesen Schritt mit gravierenden Auffassungsunterschieden mit Stefan Opatril, einem dreier OSV-Vizepräsidenten.

 

Die Ursachen für diese Entwicklung liegen aber wohl tiefer.

Denn der APA liegt ein von OSV-Rechtsreferent Arno Pajek an Miklauz in den vergangenen Tagen gesandtes Schreiben vor, in dem dem Unternehmer mehrmals inakzeptable Worte und Handlungen vorgeworfen werden.

Dieses Schreiben ist von insgesamt sechs OSV-Vorstandsmitgliedern unterzeichnet.

 

Es sind dies neben Opatril mit Gerd Lang und Peter Rothbauer auch die anderen beiden beim Welser Verbandstag am 29. März 2014 als Vizepräsidenten gewählten Herren, außerdem Pajek, Finanzreferent Werner Kühnert und Masters-Referent Wolfgang Raber.

OSV-Schriftführer Herbert Schurm wird ebenfalls als Unterstützer namentlich genannt, er habe laut Pajek nur aus technischen Gründen nicht unterzeichnen können.

 

In dem Schreiben wird Miklauz von seinen - nun ehemaligen - Vorstandskollegen als "Primus inter Pares" bezeichnet. Er habe sich demnach mit seinen Taten über die anderen Vorstandsmitglieder gestellt, habe u.a. mit der Entfernung aus Vorstandsämtern gedroht, Vorstandssitzungen regelmäßig vorzeitig verlassen, sei seiner Aufgabe des Bringen eines namhaften Sponsors nicht nachgekommen, habe Kompetenzen überschritten und die Geschäftsordnung missachtet.

Miklauz reagierte auf diese Mail mit seinem Rücktritt. "Jugendfreundschaften stehen wohl im übergeordneten und gegensätzlichen Interesse zu meinem straffen und rigorosen Sanierungskurs für den Schwimmverband", ließ er in einer frühmorgendlichen Mittwoch-Mail die Vorstandsmitglieder wissen. Er hinterlasse einen im Tagesgeschäft sanierten Schwimmverband, der gerade im Begriff sei, zu einem modernen und international anerkannten Verband zu werden.

Auch sportlich seien die Weichen gestellt. Leider würden aber die Unterzeichner die Insolvenz des Schwimmverbandes riskieren. Es bestehe ein Fehlbetrag von über 300.000 Euro, resultierend aus groben Versäumnissen "unserer Vorgänger". Miklauz hoffe aber, dass es die Sieben trotz quasi nicht vorhandener politischer Verbindungen und dem nun größer werdenden Misstrauen gegenüber dem OSV schaffen, den Schwimmverband vor dem Schlimmsten zu bewahren.

Diese erwähnten mehr als 300.000 Euro dürften aber drohende Schadenersatzforderungen inkludieren. Anwalt Thomas Krankl erklärte der APA, dass er wegen des mittlerweile rechtskräftig ungültigen Ausschlusses des Salzburger Landesverbands sowie von Salzburger Vereinen Schadenersatzklagen über 90.000 bzw. 60.000 Euro eingebracht habe. An Prozesskosten könnte auf den OSV laut Krankl noch die Zahlung einer Summe von rund 20.000 Euro zukommen.

Ein eigentlich letztinstanzliches Urteil hat es im Grunde auch hinsichtlich des im Jänner 2013 vollzogenen Ausschlusses des Jukic-Club SC Austria Wien gegeben. Nach dem Urteilsspruch zugunsten des Vereins hat der OSV allerdings eine Zulassungsrevision angekündigt, mit der das Oberlandesgericht noch einmal um die Prüfung des Falles gebeten wird. Nur wenn das Gericht sozusagen sein eigenes Urteil revidiert, wäre ein Gang vor den Obersten Gerichtshof möglich.

Die Gefahr für den OSV ist jedenfalls groß, dass es schließlich doch noch zu einer letztinstanzlichen Entscheidung gegen sich und weiteren Schadenersatzforderungen kommt. Krankl will schon davor am OSV-internen Weg zum Verbandsgericht eine Summe rund um 100.000 Euro für Austria Wien geltend machen. Sollte das abgelehnt werden, würde auch diese Forderung - bei letztinstanzlicher Entscheidung zugunsten Austria Wien - auf den Gerichtsweg gehen.

Damit würde sich Miklauz' Nachfolger zu beschäftigen haben. Auf seine Auffassungsunterschiede mit Opatril ging Miklauz in einem weiteren Schreiben näher ein, in dem er dem Tiroler massive Interventionen zur Bevorteilung von dessen Tochter (Anm. Lena Opatril) bei der Entsendung zu internationalen Bewerben als aktive Athletin vorwirft. Miklauz habe Stefan Opatril eine Frist zum Rücktritt gestellt, die dieser verstreichen ließ. Als Folge trat Miklauz zurück.

Opatril ließ der APA - Austria Presse Agentur über seine Zahnarzt-Praxis in Oberperfuß ausrichten, dass er zu dieser Causa keine Stellung nehmen wolle. Pajek wollte im APA-Gespräch nichts von zwei gegnerischen Seiten wissen und kündigte eine gemeinsame Erklärung des gesamten Vorstandes - inklusive Miklauz - zu dessen Rücktritt an. "Wir wollen keine Schlammschlacht", sagte der Jurist.

In einem von der - zumindest bis Mittwoch - für OSV-Mitteilungen zuständigen Agentur wurden die Vizepräsidenten dann unisono folgendermaßen zitiert: "Wir danken Stefan Miklauz für sein Engagement und die geleisteten Erfolge und bedauern sein Ausscheiden. Der eingeschlagene Kurs hin zu einem professionellen, leistungsorientierten und transparenten Sportverband ist durch die personelle Konstanz in der Führung des Schwimmverbands gewährleistet."

Ähnlich freundlich klang die auf diesem Weg nach außen hin offizielle Stellungnahme von Miklauz: "Ich danke allen, die mit mir intensive Arbeit geleistet haben und den Österreichischen Schwimmverband in ausgesprochen schwierigen Zeiten ein Stück weit voran gebracht haben. Ich hinterlasse ein geordnetes Tagesgeschäft und drücke den Athletinnen und Athleten die Daumen für sportliche Erfolge bei den bevorstehenden Bewerben."

In Übereinstimmung mit den Statuten wird die Führung des OSV nun mit sofortiger Wirkung von den Vize-Präsidenten Lang, Opatril und Rothbauer übernommen. Die Wahl eines neuen Präsidenten wird an einem festzusetzenden Verbandstag erfolgen. Der jüngste - außerordentliche - Verbandstag hat erst am 21. Februar in Wels stattgefunden.

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