Aus und vorbei: Meidlinger bestätigt Rücktritt

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„Wer austeilt, muss auch einstecken können!“

Diesen Satz schickte OSV-Präsident Christian Meidlinger am vergangenen Donnerstag im Gespräch mit LAOLA1 in Richtung Dinko Jukic.

Zuvor hatte er den streitbaren Schwimmer via Aussendung dazu aufgefordert, „die Konsequenzen aus seiner Unzufriedenheit“ zu ziehen.

„Wer nicht mitschwimmen will, sollte das Becken verlassen.“

Nun hat der 49-Jährige aber die Konsequenzen gezogen und das Becken verlässen.

Rücktritt nach nur elf Monaten

Wie der auf einer Geschäftsreise in Brasilien befindliche Meidlinger bestätigt, legt er sein Amt aus familiären Gründen nieder.

Und das nur rund elf Monate nachdem er am Verbandstag zum Nachfolger von Paul Schauer gewählt wurde.

Damit überrascht der SPÖ-Politiker seine Kollegen im Verband. OSV-Generalsekretär Thomas Gangel erfuhr nur aus den Medien von diesem Schritt. „Ich habe es gelesen und war perplex.“

Am Montag trifft sich das OSV-Präsidium in Wien zu einer außerordentlichen Sitzung. Dort könnten bereits erste Weichen für die Zukunft des OSV gestellt werden. Mit Birgit Fürnkranz-Maglock, Peter Putzgruber und Richard Kössler gibt es drei Vize-Präsidenten.

Ärger um WM-Akkreditierung

Nach Informationen von LAOLA1 hat auch Meidlingers Ehefrau Karin alle Schwimm-Ämter zurückgelegt. „Aus rein persönlichen und privaten Gründen“, schreibt sie in einem offenen Brief an die Vereins-Mitglieder.

Die Obfrau des ASV Wien, bei dem sie auch der Schwimm-Sektion vorstand, geriet zuletzt in die Schlagzeilen (LAOLA1 hat berichtet), weil sie bei der Schwimm-WM in Barcelona mit einer Akkreditierung unterwegs war.

Dies sorgte - wenngleich aus privaten Mitteln bezahlt -für eine schiefe Optik, da einigen Trainern die Akkreditierung verweigert worden war. Obwohl die Athleten selbst für die Kosten für Flug und Hotel aufgekommen wären.

Nach ihrer Rückkehr aus Barcelona und einem vieldiskutierten Interview mit Dinko Jukic veröffentlichte Karin Meidlinger auf der ASV-Homepage ihre Sicht der Dinge (Hier zum Nachlesen) auf zwei A4-Seiten.

Weg von der Rechtsdiskussion

Christian Meidlinger ging bei LAOLA1 in die Offensive: „Ich lasse mir nicht Dinge unterstellen, die nicht wahr sind“, fand er die Berichterstattung über die WM-Akkreditierung seiner Frau „nicht fair und nicht okay“.

Der Dauer-Clinch mit Dinko Jukic („Er ist am Zug!“) und der Akkreditierungs-Ärger waren nicht die einzigen „Baustellen“ (LAOLA1 erklärt die vielen Fronten im „Schwimm-Krieg“), die den Gewerkschafts-Vorsitzenden eigentlich vom Start weg von seinem eigentlichen Job als OSV-Präsident abhielten.

Nämlich den Schwimmsport nach den Abgängen von Markus Rogan und Mirna Jukic neu zu positionieren und nach vorne zu bringen.

„Ich wünsche mir, dass wir wegkommen von der Rechtsdiskussion und der Wer-fährt-wohin-Diskussion“, sagte ein gar nicht amtsmüde wirkender Meidlinger noch am Donnerstag.

Konzepte für die Zukunft

Vielmehr blickte er in die Zukunft und präsentierte seine Ideen für eine erfolgreiche Schwimm-Zukunft.

„Wir sind gerade dabei, die Trainingspläne so abzustimmen, dass wir in Zukunft auch gemeinsame Lehrgänge mit der österreichischen Spitze und internationalen Top-Schwimmern abhalten zu können.“

In Barcelona machte sich Meidlinger noch ein Bild vom Training der Amerikaner und Australier und stellte fest: „Wenn man sich anschaut, wie bei der WM die Post abgeht, dann ist es noch ein weiter Weg, der viel Geduld erfordern wird. Aber wir müssen die Jungen dorthin bringen, dass sie nicht kurzfristig im Nachwuchsbereich sondern in ein paar Jahren, also bei den Olympischen Spielen 2020 und 2024 erfolgreich sind.“

Dauer-Thema Infrastruktur

Dafür wollte der nun scheidende OSV-Präsident alle neun Landesverbände und die 114 Vereine vor allem in Sachen Trainingssteuerung auf eine gemeinsame Linie einschwören.

„Es geht nicht um irgendwelche Staatsmeistertitel bei den Kindern oder Junioren, sondern um jahrelange Aufbauarbeit, damit wir auch in sieben, acht Jahren noch mitschwimmen.“

Um das zu gewährleisten, so Meidlinger weiter, braucht es aber auch die nötige Infrastruktur, also entsprechende Bäder.

„Das ist ein Riesenproblem! 80 Prozent der wichtigen Events finden auf der Langbahn statt, wie sollen wir da international mithalten? Nicht einmal in Österreich hat man eine Chance, wenn man nicht auf der Langbahn trainiert.“

Nun muss sich Meidlingers Nachfolger der Bäder-Situation annehmen.

Suche nach Nachfolger

Bei einem tatsäichlichen Rücktritt Meidlingers würde es am OSV-Verbandstag Anfang September zu einer Neuwahl des Präsidenten kommen.

Vieles deutet darauf hin, dass hinter den Kulissen bereits nach einem Nachfolger Meidlingers gesucht wird, der sich an die Spitze der praktisch bestehenden Liste setzt.

Also ähnlich wie es bereits Meidlinger nach Paul Schauers Rücktritt gemacht hat. Bei einem Wahlerfolg dieser Liste würde das bedeuten, dass es wohl zu keiner Zäsur in der OSV-Linie kommen würde.

 

Stephan Schwabl/Reinhold Pühringer

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