Eine EM im Vorbeigehen

Aufmacherbild
 

Stettin - Eine EM im Vorbeigehen

Aufmacherbild
 

Eine Silberne von Markus Rogan. Dazu kommen zwölf weitere Final-Teilnahmen mit zwei vierten Plätzen.

Das ist die Bilanz des österreichischen Schwimm-Teams bei den Kurzbahn-Europameisterschaften im polnischen Stettin. Die Selbstkritik der OSV-Athleten rund um Rogan und Dinko Jukic, der diesmal ohne Edelmetall zurückkehrte, fiel durchwegs positiv aus.

LAOLA1 zieht die Lehren aus einer EM, welche unter einem besonderen Stern stand:

1. Eine EM, einmal nicht ganz so wichtig

Dinko Jukic äußerte sich kritisch über die Bedingungen in Wien

Die Titelkämpfe über die 25-m-Bahn knapp ein halbes Jahr vor den Olympischen Spielen, welche ja über die Langbahn ausgetragen werden, kommen vielen Athleten, die sich bereits in der Vorbereitung auf London befinden, nicht gelegen. Doch eine EM ist eine EM und darum wird so ein Event auch mitgenommen. Die Trainingsplanung vieler OSV-Athleten wurde allerdings nicht in jenem Maße angepasst, wie man es aus anderen Jahren gewohnt war.

Welchen Stellenwert Stettin etwa bei Rogan genoss, zeigte der Umstand, dass der 29-Jährige noch wenige Tage zuvor über das Langbahn-Meeting in Eindhoven startete. Auch von der Trainingsgruppe rund um Coach Zeljko Jukic ist bekannt, dass im Vorfeld nicht auf ein Kurzbahn-Training umgestellt wurde. Auch weil in Wien kein Training in einem 25-m-Becken möglich sei, gab etwa Dinko an. Die Stadt Wien wies diese Vorwürfe allerdings zurück.

Letztendlich kann das EM-Abschneiden der Österreicher aber aufgrund des vergleichsweise geringen Stellenwerts nicht auf die Gold-Waage gelegt werden.

2. Rogan hält Jukic in Schach

Rogan holt die einzige OSV-Medaille

Beim Ströck-Qualifying war das mit Spannung erwartete Duell zwischen Rogan und Jukic über die 400 m Lagen noch ins Wasser gefallen. Das Match in Stettin ging mit 1,44 Sekunden Vorsprung an den in Los Angeles trainierenden Wiener und das, obwohl der 29-Jährige sich erst seit kurzem auf diese Strecke konzentriert.

Unterm Strich schaute bei Rogan ein vierter Platz über 400 m Lagen sowie besagte Silber-Medaille über 200 m Lagen heraus, während Jukic zwei sechste über diese Strecken sowie einen siebten über die 200 m Delfin, wo er Titelverteidiger war, auf der Habenseite hat.

„Mit drei Finalplatzierungen bei genauso vielen Starts bin ich sehr zufrieden“, meinte Jukic.

Auch wenn beide nicht auf Stettin hintrainiert haben, hinterließ Rogan im Duell mit seinem um sieben Jahre jüngeren Stall-Rivalen den stärkeren Eindruck.

3. Lisa Zaiser – die neue Mirna?

Lisa Zaiser zeigt mit zwei Finalplatzierungen und zwei OSV-Rekorden auf

 Da dürfen wir uns auf etwas freuen: Mit gerade einmal 17 Jahren qualifizierte sich Lisa Zaiser für ihre ersten beiden Kurzbahn-EM-Finals (100 m Lagen und 200 m Lagen), bei denen die Ränge sieben und acht rauskamen.

Über den 100er waren sogar zwei neue OSV-Rekorde dabei. Auf der doppelten Distanz verfehlte sie selbigen nur um 64 Hundertstel. Diesen hat übrigens Mirna Jukic inne, was Symbolcharakter hat.

Denn die Kärntnerin brachte sich mit ihren Leistungen in Stettin als potenzielle Nachfolgerin der 2010 zurückgetretenen Pool-Queen in Stellung. Auch Uschi Halbreiner (Zehnte über 100 m Lagen), Eva Chaves Diaz und Christina Strigl lieferten ordentliche Vorstellungen ab.

4. Burschen brauchen Geduld

Jakub Maly verbessert seine Bestmarken

 Für die männlichen OSV-Youngsters Jakub Maly und Christian Scherübl reichte es für kein Finale, was aber weniger an der Leistung des Duos lag, als vielmehr an der höheren Spitze bei den Herren.

Maly explodierte bei der EM sogar förmlich, er konnte bei vier EM-Starts vier persönliche Bestmarken aufstellen.  Für den zweifachen Jugend-Europameister Scherübl stand bei seinem Debüt bei den Großen das Sammeln von Erfahrung im Vordergrund.

OSV-Präsident Paul Schauer zeigte sich über die Entwicklung der Jungen erfreut. „Ein Generationswechsel ist im Gange. Die Ergebnisse zeigen, dass wir in der Breite sehr gut aufgestellt sind und die Jugendarbeit hervorragend funktioniert.“

5. David Brandl neben der Spur

Kraul-Spezialist David Brandl bleibt in Stettin klar hinter den Erwartungen

 Keine Reise wert war die EM für David Brandl. Österreichs Parade-Krauler stieg in Stettin dreimal auf den Startsockel und kletterte im Anschluss jedes Mal enttäuscht aus dem Pool.

„Es ist hier nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich konzentriere mich jetzt auf die Langbahn“, lautete das ernüchternde Resümee des Pergers, dessen bestes Resultat noch der 20. Platz über die 400 m Kraul war.

Noch besteht für ihn freilich kein Grund zur Panik. Dennoch wäre dem 24-Jährigen alleine schon mit Blick auf die österreichische 4-x-200-m-Kraul-Staffel zu wünschen, dass er den Faden rechtzeitig wieder findet.

 

Reinhold Pühringer

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen