Hammer-Urteil für Dinko Jukic: Schmeißt er jetzt hin?

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Das Warten hat ein Ende, die Katze ist aus dem Sack!

Das Verbandsgericht des Österreichischen Schwimmverbandes hat seine Entscheidung in der Causa Dinko Jukic getroffen.

Der 23-Jährige wurde vom dreiköpfigen Senat, der sich aus den Juristen Dr. Herbert Schachter, Dr. Kurt Kozak und Dr. Rainer Fischer-See zusammensetzt, bereits am 23. August einstimmig verurteilt.

Für ein Jahr gesperrt

Jukic darf auf die Dauer von einem Jahr nicht an nationalen und internationalen Wettkämpfen teilnehmen.

Das Strafmaß wurde auf zehn Monate unbedingt und zwei Monate bedingt ausgesprochen.

Grund: Jukic war mit der Betreuung der Funktionäre bei der Kurzbahn-EM in Debrecen mehr als unglücklich und ließ die Delegationsleitung vor versammelter Mannschaft wissen: „Nach Olympia sehen wir uns in den Medien, da reiße ich euch den Arsch auf!“

Jukic bleibt Verhandlung fern

„Wir haben uns in einer dreistündigen Verhandlung eingehend mit der Causa beschäftigt“, lässt Dr. Herbert Schachter, der Vorsitzende des Verbandsgerichtes, im Gespräch mit LAOLA1 wissen.

Drei Zeugen – Vizepräsident Helmut Tröbitsch, Sportkoordinator Moschos Tavlas und Kampfrichter Herbert Schurm – wurden befragt. Der Schwimmer erschien, obwohl er selbst eine mündliche Verhandlung beantragt hatte, nicht zur Verhandlung.

„Wir haben ihn vorgeladen, ihm ein Erinnerungsschreiben geschickt und ich habe ihm am Tag der Verhandlung auch noch auf seine Mobilbox gesprochen und um Rückruf gebeten. Mehr können wir nicht machen“, so Schachter, der mit seinen Kollegen aufgrund der sportlichen Erfolge des Olympia-Vierten davon absah, die Höchststrafe auszusprechen.

Das wäre der Ausschluss aus dem Schwimmverband gewesen. „Wir hätten ihn auch für zwei Jahre sperren können, aber seine Leistungen waren ein Milderungsgrund.“

Verbandstag ist nächste Instanz

Jukic, der nach „Blech“ in London angekündigt hatte, dass er im Falle einer Sperre seine Karriere beenden wird, hat nach der elektronischen Zustellung des Urteils am Mittwoch 14 Tage Zeit, um Berufung beim Verbandstag einzulegen.

Dieser findet am 15. September statt. „Deshalb haben wir uns so beeilt“, meint Schachter, der auch gleich skizziert, welche Möglichkeiten es bei diesem Verbandstag, an dem übrigens auch ein neues OSV-Präsidium gewählt wird, gibt.

„Der Verbandstag kann entscheiden, ob das Urteil bestätigt, aufgehoben oder gemildert wird und natürlich gibt es auch die Option Freispruch.“

Danach ist das interne Verfahren abgeschlossen, Jukic, der vorerst nicht für eine Stellungnahme erreichbar war, hätte aber noch die Möglichkeit vor ein ordentliches Gericht zu ziehen.

Jukic erkennt OSV-Gericht nicht an

Jukic befindet sich nach eigenen Angaben derzeit auf Urlaub in Kroatien. Warum er zu der Verbands-Anhörung nicht erschienen ist, erklärte der kritische Schwimmer in der aktuellen Ausgabe des Magazins "News" damit, dass er dieses Gericht nicht anerkenne, weil es formalrechtlich nicht korrekt zusammengesetzt sei. Laut Jukic sind nur zwei Mitglieder gewählt worden, das dritte sei lediglich nominiert worden.

"Es (das Gericht/Anm.) kann mich also gar nicht für Wettkämpfe sperren", sagt Jukic im News-Interview. "Es ist formalrechtlich gar nicht vorhanden." In Wahrheit gehe es nur darum, ihn durch dieses Disziplinarverfahren "mundtot zu machen", wird Jukic weiter zitiert. Er wünsche sich von einem neuen Vorstand, "dass die Funktionäre erst für den Sportler, dann erst für sich selbst arbeiten. Und ich hoffe, dass ein Ex-Athlet in den Vorstand kommt, der mit den Aktiven kommuniziert."

Jukic rechnet in dem News-Interview auch mit Verbandspräsident Paul Schauer ab. "Im Moment beruhen viele Entscheidungen im Verband auf der Willkür eines einzelnen Menschen", so Jukic. Für viele Funktionäre sei bei einem Wettkampf Sightseeing wichtiger als der Sport. "Es ist eine Schande für den Verband, solche Leute an solche Positionen zu setzen", sagt Jukic.

Olympia war kein Thema

Dass der gebürtige Kroate bei den Olympischen Spielen mit Vehemenz und Nachdruck auf die Probleme im heimischen Sport allgemein und im Schwimmverband im speziellen hingewiesen hat, spielte bei der Urteilsfindung übrigens keine Rolle.

Genausowenig wie ein von OSV-Präsident Paul Schauer und Generalsekretär Thomas Gangel verfasster ergänzender Bericht zu den Vorfällen von London.

„Das hat nichts verändert, wir haben uns rein mit Debrecen beschäftigt“, stellt der Vorsitzende des Verbandsgerichtes klar.

Brief vom Präsidenten

In einem von Schauer gezeichneten Brief an die „Freundinnen und Freunde des Schwimmsports“ vom 14. August, der LAOLA1 vorliegt, schreibt der schon vor den Spielen umstrittene Präsident – Stichwort: mit dem Taxi ins Ö-Haus anstatt Markus Rogan beim Protest gegen die Disqualifikation zu unterstützen – von einer „deutlichen Erweiterung des bisherigen Tatumfanges“.

Insbesondere, so Schauer weiter, da keinerlei Unrechtsbewusstsein für die schweren verbalen Entgleisungen gegenüber OSV-Organen besteht.

„Dies sollte daher bei der Bemessung des allfälligen Strafumfanges Berücksichtigung finden“, schließt der mittlerweile pensionierte Geschäftsführer der Agentur OmniMedia seinen Brief.

Den er kurioserweise damit eröffnet, dass es Jukic – den er an dieser Stelle nicht namentlich nennt – zu verdanken ist, dass die „durchwachsene“ sportliche Bilanz der Schwimmer etwas aufgehübscht wird.

Schwimm-Fans wollten Freispruch

Gar nicht gefallen dürfte Schauer auch eine kürzlich veröffentlichte Umfrage der Meinungsforschungsagentur Peter Hajek Public Opinion.

Denn aus dieser geht hervor, dass sich 76 Prozent der Teilnehmer hinter die kritischen Aussagen des Schwimmers stellen, nur acht Prozent widersprechen dem gebürtigen Kroaten.

Auf die Frage: „Soll Jukic aufgrund seiner Kritik gesperrt werden?“, antworteten 80 Prozent der Interviewten mit „Nein“, 15 Prozent machten keine Angabe.

„Wir können eine breite Mehrheit in allen Bevölkerungsgruppen gegen eine Sperre feststellen“, so die Meinungsforscher.

Bleibt alles beim Alten?

Erschreckend: Trotz der breiten Unterstützung aus der Bevölkerung, glaubt die Mehrheit, dass die Kritik des selbsternannten „Robin Hood des österreichischen Sports“ zu keiner Veränderung führen wird.

74 Prozent der befragten Personen sind überzeugt, dass „alles beim Alten bleiben wird“.

Obwohl genau die Hälfte der Interviewten „kein Konzept zur Entwicklung des österreichischen Schwimmsports“ sieht. Am 15. September wählen die Vereine ein neues OSV-Präsidium.

Neue Kräfte für den Schwimmsport

Präsident Paul Schauer hat bereits in London angekündigt, dass er wieder antreten wird.

Herr und Frau Österreicher wünschen sich jedoch einen Wechsel an der Spitze: Zwei Drittel der Befragten sind der Meinung, dass im Schwimmverband neue, frische Kräfte nötig sind, 69 Prozent sind dafür, dass der alte Vorstand bei der Wahl nicht mehr kandidiert.

Wie übrigens auch ein Großteil der Schwimmerinnen und Schwimmer, die in London waren.

 

Stephan Schwabl

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