Jukic klagt an: "Das Verfahren war eine Farce!"

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Lange war es ruhig um Dinko Jukic. Nach der Geschichte mit dem verweigerten Doping-Test zog sich der Schwimm-Star weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück, gab kaum noch Interviews.

Stattdessen bereitete er sich auf seine Verhandlung vor der Rechtskommission der Nationalen Anti-Doping-Agentur vor, sammelte gemeinsam mit seinem Vater Zeljko Material und analysierte die Medienberichte zu seinem Fall.

Darüber sprechen wollte der 23-Jährige nicht. Nicht weil es ihm sein Anwalt so geraten hatte, sondern weil er es so wollte.

Jetzt, acht Monate sind seit dem Eklat im Stadionbad vergangen, hält Jukic den NADA-Beschluss in Händen.

Keine Sanktionen, keine Sperre

„Endlich“, sagt er und dann bricht er sein Schweigen und holt aus zum verbalen Rundumschlag. Zum Befreiungsschlag. Zum Gegenschlag.

„Die Verhandlung war eine Farce!“

„Ich war angeklagt wegen Äpfel und wurde bestraft wegen Birnen!"

„Das Verfahren hat acht Monate gedauert, und am Ende ist niemand schuld, es gibt keine Sanktionen und keine Sperre. Wo ist da der Sinn?“

"Ich habe dem Test zugestimmt"

Jukic lässt im Vereinsheim des SC Austria im Beisein seines Vaters Zeljko noch einmal den Ablauf der Kontrolle am 24. Mai 2011 Revue passieren.

„Ich war zu spät dran, habe keinen Parkplatz gefunden. Da hat mich meine Trainingskollegin Sandra (Swierczewska, Anm.) angerufen und gesagt, dass der Kontrolleur wartet. Ich hätte umdrehen können, einen Missed Test bekommen, alles kein Problem. Aber ich bin ins Stadionbad gegangen, habe alles unterschrieben und einem Test zugestimmt.“

Dann teilt Jukic ein 15-seitiges Papier aus, den NADA-Prüfantrag und den Urteilsbeschluss, erklärt, warum er sich erst nach dem Training testen lassen wollte.

„Ich weiß es noch genau, der 24. Mai war ein wirklich schöner Tag, es waren 1.500 Leute im Stadionbad. Da gibt es Möglichkeiten, dass etwas passiert, wenn man mit einer offenen Vene ins Becken springt. Das wollte ich meinem Körper nicht antun.“

Sportler haben auch Rechte

Also kam es zu Diskussionen mit NADA-Kontrolleur Bernhard Balauf, im Hauptberuf Beamter im Innenministerium: „Der war einmal Polizist und hat sich benommen, als wäre ich ein Krimineller. Aber ich habe als Sportler auch Rechte.“

Und auf die pochte Jukic noch am Beckenrand, verwies auf das NADA-Handbuch für Leistungssportler, in dem Rechte und Pflichten Punkt für Punkt aufgeführt sind.

Unter anderem auch das Recht des Sportlers „auf Abänderung des Kontrollablaufes, falls eine Behinderung oder ein Handicap das vorgesehene Prozedere nicht zulässt“, so geschrieben auf Seite 24.

Antwort des Kontrolleurs laut Jukic: „Das Handbuch ist für Behindertensportler!“

"Bin mir keiner Schuld bewusst"

Um 17:05 Uhr, so ist es auch im Kontroll-Bericht vermerkt, und nach mehreren Telefonaten (unter anderem mit Michael Mader, der das Doping-Kontrollsystem leitet, Anm.) bekam der Schwimmer von Baldauf das Okay, sein Training zu starten.

Kurze Zeit später, mittlerweile war auch NADA-Mitarbeiter Mader („Der hat nicht einmal gegrüßt!“) ins Stadionbad gekommen, dann die Umkehr: Kontrolle verweigert.

„Ich bin mir nach wie vor keiner Schuld bewusst“, betont Jukic. „Ich hatte auf der ganzen Welt Doping-Kontrollen, immer nach dem Training, das war nie ein Problem.“

Doping-Kontrolle am 1. Jänner

Das Problem aus seiner Sicht: das Nicht-Wissen des Kontrolleurs. „Die NADA schickt Leute zu den Sportlern, die keine Ahnung haben.“

Zu Jukic, der davor bereits das eine oder andere Mal mit Mader zusammengekracht ist, auch schon einmal am 1. Jänner um 6 Uhr Früh.

„Vielleicht glauben sie, dass Dinko da nicht zu Hause ist und sie ihm so einen Missed Test anhängen können“, mutmaßt Trainer-Vater Zeljko Jukic, der von der NADA auch einige Fragen beantwortet haben möchte.

„Welche Sportler wurden im letzten Jahr wie oft kontrolliert?"

„Warum legt die NADA das nicht offen, obwohl sie laut WADA-Code dazu verpflichtet ist?“

„Wie oft musste eigentlich der golfende Sohn von NADA-Chef Andreas Schwab 2011 zur Doping-Kontrolle?"

Privatklage statt Sportgerichtshof

Antworten auf offene Fragen aus dem NADA-Beschluss erhofft Familie Jukic vor Gericht zu bekommen.

Zwar wird Dinko Jukic keine weiteren Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen und also die Unabhängige Schiedskommission („Die können sich von mir aus zehn Mal unabhängig nennen, das wird von der NADA zusammengestellt!“) und den CAS in Lausanne nicht bemühen.

Stattdessen wird der Schwimmer in einer Privatklage gegen Kontrolleur Baldauf wegen grober Fahrlässigkeit um seine Rechte kämpfen.

„Wenn es sein muss, gehe ich bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Ich möchte Antworten, ich verlange eine genaue Erklärung.“

Vorsitzender war informiert

Zum Beispiel auf die Frage, warum der Kontroll-Bericht nicht unterschrieben wurde. Weder vom Kontrolleur noch von der Ärztin.

Oder warum Gernot Schaar den Vorsitz der Rechtskommission leiten konnte, obwohl er von Michael Mader aus dem Stadionbad angerufen und hinzugezogen wurde, also in den Fall involviert war.

„Das habe ich erst nach 20 Verhandlungsstunden erfahren, sonst hätte ich gleich gesagt: Stellt einmal eine g’scheite Kommission zusammen, dann wäre der Fall schnell erledigt gewesen. Aber Schaar hat nur gemeint, dass er keinen Namen gewusst hat.“

Teure NADA-Kommission

Es geht aber nicht nur um Antworten, natürlich geht es auch um Geld.

Um Schadensersatz für einen Sponsor, der Jukic fix zugesagt hat, um Entgelt für Image-Verlust, um entgangene Startgelder und Prämien.

Den größeren Batzen hat aber die Verhandlung verursacht: Zu seinen eigenen Anwaltskosten kommen noch einmal rund 25.000 Euro Verfahrenskosten hinzu, die sich Jukic mit dem Schwimmverband teilen muss.

„Jedes der fünf Mitglieder in der Kommission bekommt 100 Euro die Stunde. Da kann man sich schon denken, warum die Verhandlung 30 Stunden gedauert hat und wieso Kontrolleure von 2009 aussagen mussten, die mit dem verhandelten Fall nichts zu tun hatten.“

"Sie werden mich verfolgen!"

Dinko Jukic weiß, dass er sich mit seinen Worten keine Freunde bei den Doping-Jägern macht, dass er in Zukunft wohl noch schärfer kontrolliert wird.

Mit dem Urteil der NADA-Rechtskommission hat der zweifache Europameister jetzt einen Missed-Test, „verpasst“ er in den nächsten 18 Monaten zwei weitere Kontrollen wird er automatisch für zwei Jahre gesperrt.

„Sie werden mich verfolgen, sie werden mich jagen, aber solange Fruchtjoghurt nicht auf der Dopingliste steht, werde ich negativ sein!“

Stephan Schwabl

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